Mit sanftem Druck zum Ziel

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Projektleiter Hanns-Reinhold Bienert präsentiert einen der neuen Fahrscheinautomaten.

Frankfurt ‐ „Hallo! Ich bin’s, der Neue!“ Mit diesen freundlichen Worten begrüßt der umgerüstete Fahrscheinautomat in der B-Ebene der Hauptwache die Fahrgäste, die sich ihm nähern. Für die Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) ist es wichtig, dass die Kunden Zutrauen zu dem Automaten fassen und ihn ausprobieren. Von Sonja Thelen

Denn auf die Erfahrungsberichte der Fahrgäste mit den neuen Ticketautomaten, von denen ein zweiter oberirdisch an der Straßenbahnhaltestelle Konstablerwache steht, ist die VGF angewiesen.

Das Neue an den beiden Prototypen: Die umgebauten Automaten verfügen nicht mehr über die Doppelknopfleiste, über die man das erforderliche Ticket auswählt, sondern sind mit einem „Touchscreen“ ausgestattet. Der Nutzer kann mit einem leichten Druck des Fingers auf den Bildschirm sich den gewünschten Fahrschein aussuchen: Sei es die Einzelfahrkarte für Frankfurt mit oder ohne Flughafen, die Kurzstrecke oder die Tageskarte.

In der alten Automatenhülle verbergen sich zusätzlich eine Reihe neue Funktionen. Beispielsweise können Fahrgäste jede Haltestelle im RMV-Tarifgebiet mit Hilfe einer Namenssuche finden. Wer also nach „Dietzenbach Mitte Bahnhof“ möchte, tippt bei der Namenssuche zunächst den Buchstaben „D“ ein, erhält immer weiter eingegrenzt eine Auswahl an Haltestellen und zieht dann das gewünschte Ticket oder die Zeitkarte. Bislang musste man sich sein Ziel auf der alphabetisch sortierten Übersichtstafel suchen, die auf der Frontseite der Geräte befestigt ist, und dann die jeweilige Nummer für das Tarifgebiet eingeben, um sich einen Fahrschein ziehen zu können. Weil das bisherige Fahrkarten-, Tarif- und Haltestellengeflecht zusehends unübersichtlich geworden war, hatte die Verkehrsgesellschaft vor einem Jahr begonnen, einen zeitgemäßeren und vor allem übersichtlicheren Fahrscheinautomaten zu entwickeln, der dem Kunden jede mögliche Option anbietet, erläutert VGF-Pressesprecher Bernd Conrads. Das neue, sich selbst erklärende System zeichnet sich dadurch aus, den Nutzer mit simplen Schritten durch das Menü zu führen.

Smart-Lesegerät für E-Ticketing

Neu ist außerdem, dass Kunden Zeitkarten ziehen können, also Wochen- und Monatskarten, sowohl für vollzahlende Fahrgäste als auch für Auszubildende und Schüler. In die alte Hülle haben die VGF-Tüftler um Projektentwickler Hanns-Reinhold Bienert neben einem Drucker und einem PC auch einen EC-Terminal eingebaut, um das bargeldlose Bezahlen mit EC- und Kreditkarten zu ermöglichen. Diese Funktionen sollen an beiden Prototypen in der zweiten Januarhälfte freigeschaltet sein. Vorerst können Fahrgäste nur an dem umgerüsteten Gerät an der Konstablerwache mit der EC-Karte zahlen. Außerdem sind die Geräte für ein späteres E-Ticketing mit einem sogenannten Smart-Lesegerät ausgestattet.

Die Kunden können wie bisher bei den Sprachen zwischen Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch und Türkisch wählen. Jedoch funktioniert die Übersetzung noch nicht zu hundert Prozent. Bei bestimmten Funktionen sind die Erklärungen auf deutsch, obwohl eine andere Sprache angesteuert worden war. „Da müssen wir noch weiter dran arbeiten“, räumt Conrads ein.

Mitte Dezember hatte die VGF die ersten zwei von insgesamt fünf neuen Fahrscheinautomaten in Betrieb genommen. Bisher funktionieren sie einwandfrei. Auch die klirrende Kälte der letzten Wochen hätten sie schadlos überstanden, selbst der oberirdisch platzierte Automat. Jeweils 16.000 Euro hat die Umrüstung eines Geräts gekostet. Wie hoch der spätere Stückpreis einer größeren Serienproduktion sein wird, ist abhängig von Anzahl und Hersteller. Zurzeit betreibt die VGF 602 Automaten in ihrem Netz, die im Schnitt 13 Jahre alt sind. Der Neupreis eines solchen Geräts schwankt zwischen 30.000 und 40.000 Euro. Zwei weitere umgebaute Geräte sollen im Februar aufgestellt werden. Mindestens bis zum Frühsommer soll die Probephase dauern, um auch die Wirkung der Sommerhitze auf die Funktion testen zu können.

Resonanz der Kunden ist nicht aussagekräftig

Ein weiterer Automat befindet sich direkt bei der VGF. Um seine Funktionalität zu verbessern, ist die VGF auf Kundenreaktionen angewiesen. Pressesprecher Conrads bittet Fahrgäste, sich bei der Verkehrsgesellschaft zu melden und ihre Erfahrungen zu schildern, die sie in der Praxis mit den Geräten gemacht haben. Bislang sei die Resonanz der Kunden nicht aussagekräftig. Es gebe positive und negative Reaktionen. „Eine Tendenz, ob dafür oder dagegen, ist noch nicht zu erkennen“, erzählt der Sprecher.

So stellt sich auch eine Momentaufnahme an einem Nachmittag in der belebten B-Ebene an der Hauptwache dar. „All diese Neuerungen. Das bringt doch nichts“, beschwert sich ein Fahrgast, der Probleme hatte, eine Anschlussfahrkarte zu ziehen, und es am liebsten hätte, wenn er sein Ticket wie früher bei einem Schaffner kaufen könnte. Ganz anders ein älterer Herr, der ohne viel Federlesens sich ruckzuck sein Ticket gezogen hatte. Auf die Frage, was er denn von den neuen Apparaten hält, wedelte er zufrieden mit dem Fahrschein und sagte bloß „Was will ich mehr?“.

Quelle: op-online.de

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