Rettungsdienste fordern mehr Hilfe

Sanitäter werden öfter attackiert

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Offenbach - Pöbeleien, Beleidigungen und Drohungen - dabei wollen sie doch nur helfen: Immer öfter sind Rettungskräfte im Einsatz heftigen Attacken ausgesetzt. Die Rettungsdienste in Hessen sind besorgt und verlangen mehr Unterstützung. Von Peter Schulte-Holtey

Michael Rößler vom Landesverband des Arbeiter-Samariterbundes (ASB) berichtet von einer steigenden Zahl von Behinderungen der Rettungsdienstmitarbeiter. „Auch angespuckt oder unsittlich berührt zu werden ist heute im Bereich des Möglichen“, so der Rettungsexperte auf Anfrage unserer Zeitung. Alkoholisierte Patienten sind oft uneinsichtig, dass ihnen geholfen werden muss, und attackieren die Helfer. Für Aggression gegenüber Rettungsfachkräften ist Alkohol aber nur ein Teilaspekt des Gesamtproblems. „Sicher ist, dass - wie in unserer Gesellschaft generell - Anspruchsverhalten, Unhöflichkeiten und verbale Aggressionen im Umgang der Menschen untereinander zunehmen. Davon bleibt auch der Rettungsdienst nicht unberührt“, analysiert Rößler.

Pfefferspray wäre ein falsches Signal

In anderen Regionen Deutschlands wird auf die dort zunehmende Gewalt reagiert: So wurden in Nürnberg Stichschutzwesten eingeführt. Auch beim ASB sei darüber ausführlich diskutiert worden, sagt Rößler. Doch man habe sich dagegen entschieden. „Aus der Sicht von Fachleuten und aus unserer Sicht setzen Schutzwesten und erst recht Pfeffersprays oder ähnliches ein falsches Signal nach außen und vermitteln ein falsches Sicherheitsgefühl.“

Mitarbeiter sollten ein „Gefahrenradar“ entwickeln

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Vertreter von Rotem Kreuz, ASB, Johannitern und Maltesern in Hessen setzen auf andere Rezepte: bessere Schulung der Mitarbeiter, Gefahren- und Deeskalationstrainings in Verbindung mit einer Fortbildung über medizinische Hintergründe für Gewalt bis hin zu einer Vermittlung kultureller Besonderheiten. Mitarbeiter sollten durch solche Fortbildungen ein „Gefahrenradar“ entwickeln, meint Rößler. „Ich glaube, Deeskalation ist das Thema“, bestätigt auch Thomas Klein vom Malteser Hilfsdienst.

„Jeder im alltäglichen Rettungsdienst wurde schon mal beschimpft“

Wie sehr sich die Lage für Rettungskräfte verschlechtert hat, bestätigte jetzt die Sozialwissenschaftlerin Julia Schmidt bei einer Anhörung der SPD-Fraktion in Wiesbaden. „Jeder im alltäglichen Rettungsdienst wurde schon mal beschimpft“, sagte die Bochumer Forscherin mit Blick auf eine große Studie. Ein Viertel der befragten Notärzte und Sanitäter sei in den vergangenen zwölf Monaten körperlich angegriffen worden. Der typische Angreifer sei männlich, 20 bis 39 Jahre alt, betrunken oder stehe unter Drogen. Genaue Hessen-Zahlen gibt es nicht. Die Erfahrungen seien aber vergleichbar, so die Fachleute.

Quelle: op-online.de

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