Santiano singen in der Frankfurter Festhalle von Leben, Liebe, Tod und Freiheit

Santiano in der Festhalle: Solides Seemannsgarn

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Leinen los und mit voller Kraft voraus: Santiano kommen mit ihrer Mischung aus Schlager und Seemannslied an.

Frankfurt - Die Nordlichter von Santiano gingen in der Frankfurter Festhalle vor Anker und feierten dort mit dem Publikum eine zünftige Seemannssause. Von Harald H. Richter

Nebelhörner tuten, bilden mit Brandungsrauschen und schreienden Möwen einen maritimen Klangteppich für die singenden Seebären von Santiano, die an der Reling eines riesigen und später sogar entflammbaren Fantasy-Drachenboot als Bühnenbild stehen. Kaum ist es in Scheinwerferlicht getaucht, heißt es für den Fünfer aus dem Land zwischen den Meeren: „Leinen los und mit voller Kraft voraus!“ Das Frankfurter Festhallenpublikum folgt den Raubeinen schon nach den ersten Takten ihrer „Lieder der Freiheit“ auf große Reise. Björn Both, Hans-Timm Hinrichsen, Axel Stosberg, Andreas Fahnert, und Pete Sage singen zwei Stunden lang aus vollen Kehlen und berstend vor Lebenslust von Liebe, Tod und Freiheit, von der See, Schiffen und Freundschaft. Es werden Segel gesetzt, die Männer trotzen Wellen, Sturm und Gefahren. Das Quintett macht das „Salz auf unserer Haut“ spürbar und fühlt sich „Frei wie der Wind“.

In Zeiten des Terrors ergreift Frontmann Both das Wort: „Könnt ihr die Freiheit spüren? So richtig geht das eigentlich nur, wenn sie nicht mehr da ist. Wir lassen sie uns aber nicht nehmen!“ Riesenbeifall brandet auf, auch als er hinzufügt: „Genauso dumm sind diejenigen, die nun alle über einen Kamm scheren wollen.“ Mit ihrer Mischung aus Shanty, Rock, Schlager und Folk trifft die Band aus der Flensburger Gegend den Geschmack von 7000 begeisterten Landratten. Die Fanbesatzung erweist sich als äußerst seefest. Hoch in den Rahen und tief im bestuhlten Rumpf der Festhalle schunkelt und schaukelt sie mit, taktet rhythmisch klatschend den Schlag der Ruder und fällt bei „Es gibt nur Wasser“ stimmstark in dieses Klagelied durstiger Seemänner ein.

So wirkt Musik auf unseren Körper

Das Publikum folgt dem Seemannsrock von Santiano auf den offenen Atlantik hinaus bis „Californio“, trifft unterwegs auf „Johnny Boy“ und ist überzeugt: „Gott muss ein Seemann sein“. Bei solchen Stücken schießen aus dem großen Boot auf der Bühne immer wieder riesige Flammen Richtung Hallendecke, was die Stimmung anheizt und die Illusion nährt, selbst auf Kaperfahrt zu sein, Kanonenrauch und Gischt zu atmen. Doch Santiano können auch ruhiger und eine Spur nachdenklicher. Ihr ergreifendes Lied „Die letzte Fahrt“ setzt sich mit Abschiednehmen und Tod auseinander, rüttelt am Innersten, geht unter die Haut. Es sind Textzeilen von emotionaler Tiefe, die jeder versteht. Überhaupt speist sich das Programm überwiegend aus Titeln auf Deutsch – mal balladesk, mal Pub-tauglich, auf jeden Fall gute Laune verbreitend. Also werden zur Melodie von „500 Meilen“ bis in die letzte Reihe Arme geschwenkt, ehe das Publikum anlandet und sich in regennasser Nacht verliert.

Quelle: op-online.de

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