Neuer Trick der Internet-Verbrecher

Neue Masche: Scannerkauf dient der Geldwäsche

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Dreieich - Als unfreiwillige Geldwäscher für Internet-Betrüger haben sich Bürger in Stadt und Kreis Offenbach ausnutzen lassen. Das Internet-Kommissariat des Polizeipräsidiums Südosthessen in Dreieich berichtet von mehreren Fällen. Von Michael Eschenauer

Es sei eine neue, besonders hinterlistige Vorgehensweise, so der „Präventionsfachberater Cybercrime“ Markus Wortmann. Die Opfer werden bei der Betrugsmasche nicht durch Datenklau via Internet geschädigt, sondern sie dienen sich dem Täter selber an: Bei der Suche nach einem lukrativen Nebenverdienst stoßen sie im weltweiten Netz auf ihre Peiniger. Die Reaktion auf eine entsprechende Nachfrage folgt prompt: Ja, man suche als Anbieter von E-Books oder digitalen Büchern Mitarbeiter für einen Job, der mindestens 20 Euro pro Stunde einbringe. Die Tätigkeit, so die Mitteilung, bestehe im Einscannen von Büchern. Zuvor müssten die künftigen Mitarbeiter jedoch ein hochwertiges, professionelles Scannergerät erwerben, für dessen Beschaffung ein vierstelliger Eurobetrag fällig werde.

Der Kaufpreis des Scanners wird dann - was das Misstrauen weiter dämpft - von dem angeblichen Arbeitgeber „vorgestreckt“ und auf das Konto der neuen Mitarbeiter überwiesen. Diese müssen das Geld in bar abheben und über einen Transferdienstleister dem angeblichen Verkäufer der Scanner weiterleiten. Was die gutgläubigen Arbeitnehmer, so Wortmann, jedoch nicht wissen: Das überwiesene Geld stammt aus Online-Betrügereien.

Kriminell geht’s weiter: Das Geld wandert nicht an einen Lieferanten von Scannergeräten, sondern füllt die Kassen der eigentlichen Betrüger, die hinter dem Nebenjob-Trick stecken. Sie sitzen zumeist im Ausland und sind deshalb nur sehr schwer zu fassen. Durch die Nutzung von Finanzdienstleistungsunternehmen, die in Minutenschnelle die Gelder transferieren, bestehe keine Möglichkeit, diese Beträge zurück zu holen, so „Cybercrime“-Experte Wortmann.

Als katastrophal entpuppt sich der Nebenjob am Ende für die Arbeitswilligen: Sie verlieren zwar kein Geld, finden sich aber, denn es ging um das Verschieben von verbrecherisch erworbenem Geld - plötzlich als Beschuldigte in Geldwäsche-Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und Polizei wieder. Neben einer Strafanzeige kommen hier unter Umständen hohe Schadenersatzforderung der geschädigten Banken oder Kontoinhaber dazu, weil sie ihr Konto zur Verfügung stellten. Wortmann: „Seien Sie misstrauisch und prüfen Sie Jobangebote genau.“ Der Einsatz von „Finanzagenten“ zur Verschleierung von Geldströmen sei nicht neu, aber die Betrüger ließen sich immer wieder andere Varianten einfallen. Nachfragen oder Hinweise an die Polizei sind möglich unter der Nummer  069/8098-1229.

Quelle: op-online.de

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