Schatzsuche mit Metalldetektoren

Manchmal lebensgefährlich, manchmal illegal

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Sondengänger an der Saalburg im Taunus.

Frankfurt - Die moderne Schatzsuche mit Metalldetektoren hat als Outdoor-Hobby in manchen Kreisen dem Geocaching den Rang abgelaufen. Von Michael Eschenauer 

Dennoch warnt der für „Raubgräberei“ zuständige Experte des hessischen Landeskriminalamtes (LKA), Kriminalhauptkommissar Eckard Laufer, vor allzu großer Sorglosigkeit. „Jeder, der mit einer Sonde auf die Suche geht, sollte sich eine Genehmigung besorgen.“ Franz (22) und seine Kumpels sind solche „Jäger des verlorenen Schatzes“. Sie geben sich auch mit bescheidenen Funden zufrieden. Die älteste Münze, die sie ausgegraben haben, ist ein Kreuzer aus dem Jahr 1851. Auch einen Orden aus dem Dritten Reich oder ein kleines Mosaik, datierend auf das Jahr 1890, diverse Gürtelschnallen, Musketenkugeln und Patronenhülsen haben sie entdeckt. „Aber auch viel Schrott und einfach nur Kronkorken“, so Franz. Sein Resümee: Extrem dreckige Angelegeheit, macht aber Spaß.

Die vergilbte Schatzkarte ist für sie Vergangenheit. Heutzutage kommen ein Metalldetektor oder eine Metallsonde, die über den Boden geführt werden, zum Einsatz. Fortgeschrittene bringen sogar ein Bodenradar mit. Die Kosten beginnen bei 150 Euro, können aber leicht vierstellige Höhen erreichen. Franz: „Die Sonden zeigen die Metallart und Größe an. Wenn sie reagieren, stechen wir mit dem Spaten einen Erdblock aus, sondieren erneut und teilen ihn solange, bis wir den Gegenstand gefunden haben.“

Nicht grundsätzlich verboten

Doch Vorsicht: Das Hobby der Schatzsuche sei zwar nicht grundsätzlich verboten. Wer jedoch allzu ahnungslos losziehe, gerate leicht mit dem Gesetz in Konflikt, sagt Eckard Laufer. Insbesondere das Denkmalschutzgesetz, die Eigentumsrechte und das Naturschutzgesetz müssten beachtet werden. Wer der „Raubgräberei“, also des gezielten Plünderns historischer Stätten, überführt wird, muss mit Geld- und sogar Freiheitsstrafen rechnen. Möglich sind Geldstrafen bis zu 25.000 Euro. Allerdings wurde eine derartig hohe Strafe bisher noch nie verhängt. Was es gab, waren immerhin aber Geld- und Bewährungsstrafen.

Den Raubgräber, so Laufer, interessiere nur der Erlös der gefundenen Gegenstände, auf den Fundort selbst nehme er bei Hebung des Schatzes keinerlei Rücksicht. Dabei sei für die Forschung die Umgebung von alten Münzen, Krügen oder Waffen extrem wichtig, wenn es um historische Rekonstruktionen gehe. „Raubgrabungen sind kriminelle Handlungen mit besonders gemeinschädlichen Auswirkungen“, sagt Laufer. Die Behörden reagierten zunehmend sensibel bei derartigen Straftaten. Es sei jedoch zu konstatieren, dass die Täter häufig über erstaunliches Fachwissen verfügen würden. Immer wieder komme es vor, dass gezielt an Stellen erfolgreich gesucht werde, deren archäologische Bedeutung nicht einmal Fachleuten bekannt sei.

Genehmigung für Schatzsucher

Grundsätzlich gilt: Wer einen „Schatz“ findet, muss sich mit dem Eigentümer des jeweiligen Grundstücks auseinandersetzen. Denn diesem gehört die Hälfte des Fundes. Wer zielgerichtet nach archäologischen Schätzen sucht, muss für die Suche eine behördliche Genehmigung für das jeweilige Areal beantragen. Laut hessischem Denkmalschutzrecht gehören historische Funde grundsätzlich dem Land Hessen, das Gleiche gilt für Fossilien. Genehmigungen für die Suche gibt es beim Landesamt für Denkmalpflege, Abteilung Hessenarchäologie.

Laufer rät jedem Schatzjäger, egal ob er gezielt nach historischen Relikten oder nur nach verlorenen Münzen am Strand des nächsten Badessees sucht, sich eine Genehmigung zu beschaffen. „Sie gehen damit auf Nummer sicher. Auch für den Fall, dass Sie durch Zufall auf etwas Wertvolles stoßen“, so der LKA-Mann. Außerdem finden sich in dem Formular wichtige Hinweise zum richtigen Verhalten. Wenn man bei seiner Suchaktion überprüft werde, sei es immer besser, eine Erlaubnis vorlegen zu können. Wichtig außerdem: Auch bei der Schatzsuche auf gut Glück - zum Beispiel auf Spielplätzen, in Parks oder an Badestränden - müssen die modernen Schatzsucher daran denken, dass hier im Erfolgsfall das Fundbüro verständigt werden muss. Franz und seine Freunde müssen außerdem auf die eigene Sicherheit achten. So buddelten die jungen Männer bereits eine Art Phosphor-Stabbrandbombe aus dem Zweiten Weltkrieg aus. Einmal stießen sie auf eine Weltkriegsbombe. „Die haben wir nicht angerührt“, berichten sie.

Anzeigeverhalten hat sich verbessert

„Militaria-Sucher sollte daran denken, dass der Umgang mit Munition und Waffenteilen nicht nur gefährlich ist, sondern ebenfalls strafrechtliche Konsequenzen gemäß dem Waffen- und Kriegswaffenkontrollgesetz sowie dem Sprengstoffrecht haben kann“, warnt Laufer. Hochgefährlich sei das Hantieren mit verrosteten Sprengkörpern oder anderen Waffen ohnehin. „Da kann eine leichte Erschütterung oder Bewegung der Objekte schon für eine Explosion reichen“, so Laufer. „Stelle markieren und Polizei benachrichtigen“, rät er.

Hobby-Schatzsucher und auch Raubgräber riskieren wenig. Die Dunkelziffer, so der LKA-Experte, sei hoch, einfach aus dem Grund, weil die unzähligen Fundstellen überall im Land unmöglich überwacht werde könnten. Er schätzt den Jahr für Jahr entstehenden Schaden auf Millionen. Immerhin habe sich das Anzeigeverhalten verbessert. So wurden im vergangenen Jahr 14 Strafanzeigen gegen Unbekannt bei den Ermittlungsbehörden bekannt. In den Jahren zuvor waren es knapp die Hälfte oder weniger.

Laufer fordert Wanderer und Spaziergänger dazu auf, besonders in Wald und Feld sensibel auf Löcher menschlichen Ursprungs in der Erde zu reagieren. Dies sei ein erster Schritt, den Raubbau am historischen Erbe einzudämmen. „Auch wenn man jemand mit so einer Sonde im Wald herumlaufen sieht, sollte man die Behörden, sprich die Polizei verständigen. Denn von einem können Sie ausgehen: Wer im Wald sucht, ist immer illegal unterwegs. Suchgenehmigungen für den Wald werden niemals erteilt.“

Quelle: op-online.de

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