Walter Renneisen mit „Versinkende Schätze“

Schatzsucher und Bewahrer

Dreiechenhain - Es ist bereits sein zweiter Auftritt bei den diesjährigen Burgfestspielen, aber auch ihn bestreitet Walter Renneisen - der frühen Startzeit zum Trotz - vor beinahe ausverkauften Reihen. Von Maren Cornils 

„Versinkende Schätze“ hat der beliebte Rezitator und Schauspieler sein Programm genannt und darin vom Schüttelreim über das Märchen und die Moritate bis hin zur Hochlyrik alles versammelt, was er für die Nachwelt bewahren möchte. Nicht immer tragen die Werke die Handschrift großer Dichter wie Johann Wolfgang Goethe oder Christian Morgenstern. Immer aber haben sie etwas, das zum Lachen oder zum Nachdenken anregt. So wie Georg Büchners im „Hessischen Landboten“ veröffentlichte Botschaften, mit denen der junge Darmstädter für Furore sorgte. Ein starker Einstieg, zumal der Rezitator den beiden Büchner-Texten - dem „Landboten“ folgt eine Szene aus „Woyzeck“ - erst viel später mit Goethe-Versen Leichtfüßigeres folgen lässt.

Daran, dass er den Geheimrat verehrt, lässt Renneisen keinen Zweifel. Unkritisch sieht er ihn dennoch nicht. „Humor war ihm etwas ferner - glaube ich“, vermutet Renneisen, um dann mit „Die Frösche“, „Annonce“ oder „Der Storch“ kurze, aber durchaus handfeste Gedichte des Klassik-Vaters anzustimmen. Trotzdem darf auch „Wanderers Nachtlied“ nicht fehlen, dem Renneisen allein dadurch komische Seiten abgewinnt, dass er etliche, zum Teil dialektabhängige Verballhornungen herausgekramt hat.

Alles zu den Burgfestspielen in Dreieichenhain

Wilhelm Busch, die Brüder Grimm - lang ist die Liste derer, die Renneisen in seinem Programm vereint, und immer wieder muss er die Waffen ob der Fülle der mitgenommenen Texte strecken. Wie viel Freude es ihm macht, sein Publikum mitzunehmen, auf eine Reise durch die Welt der Lyrik, Poesie und Sprache, ist ihm dabei deutlich anzumerken. Renneisen ist ohnehin keiner, der Wert auf Erhabenheit und Pathos legt. Wichtiger ist ihm, dass das Vorgetragene einen Bezug zum Leben hat. Er nimmt sich auch die Freiheit, Textzeilen neu zu interpretieren und sein schauspielerisches Talent einzubringen.

Quelle: op-online.de

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