Noch leben 7000 Flüchtlinge in Zelten

„Scheitern ist keine Perspektive“

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In Hessen leben derzeit rund 50 000 Flüchtlinge. Viele müssen noch auf Feldbetten schlafen. 

Wiesbaden - Der erste Schnee ist da, und noch immer sind in Hessen Tausende Flüchtlinge in Zelten untergebracht. Die Landesregierung bemüht sich um feste Unterkünfte. Möglichst viele Gruppen sollen helfen, um Flüchtlingen auch langfristige Perspektiven zu geben.

Bis Zehntausende Flüchtlinge in Hessen heimisch sind, werden nach Einschätzung von Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) Jahre vergehen. Für ihre Aufnahme und Integration bündelt das Land seine Kräfte. Beim ersten Asylkonvent des Landes kamen gestern in der Wiesbadener Staatskanzlei knapp 60 Experten aus Politik und Gesellschaft zusammen, um über Lösungen zu diskutieren. Bouffier rief nach dem Treffen zu einem breiten gesellschaftlichen Konsens bei der Integration der Flüchtlinge auf: „Scheitern ist keine Perspektive.“ Die Frage, wie die Menschen in Arbeit kommen, könne nicht alleine die Politik lösen. Dazu müssten viele Gruppen, Institutionen und die Wirtschaft zusammenwirken. „Wir wollen die Flüchtlinge zu Mitbürgern machen“, betonte Bouffier. Das sei aber ein dynamischer Prozess, der über Jahre gehen werde. Bei dem Asylkonvent wurden sieben Fachgruppen gebildet, die bis zum nächsten Treffen am 9. Dezember erste Vorschläge in den wichtigsten Themenfeldern vorlegen sollen.

Auch Vize-Regierungschef und Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) sprach von einem Marathonlauf. In Hessen leben nach Angaben des Ministerpräsidenten derzeit rund 50.000 Flüchtlinge. Für das Gesamtjahr rechnet die Landesregierung bisher mit knapp 60.000 Flüchtlingen, die bleiben. Der frühe Wintereinbruch macht ein aktuelles Problem deutlich: Von 23.000 Menschen, die in der hessischen Erstaufnahme untergebracht sind, leben nach Angaben des Sozialministeriums knapp 7000 Personen in Zelten. Nach und nach sollen sie feste Unterkünfte bekommen. Bouffier bekräftigte das Ziel des Landes, dass bis zum Winteranfang alle Flüchtlinge in festen Unterkünften untergebracht werden und nicht mehr in Zelten leben müssen. Eine Garantie könne er aber nicht geben. „Voraussetzung ist, dass nicht noch mal 50.000 Menschen nach Hessen kommen“, sagte der Ministerpräsident.

SPD-Fraktions-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel warnte davor, zu viele Konferenzen abzuhalten, statt den Menschen konkrete Lösungen zu präsentieren. „Schöne Worte alleine werden nicht helfen.“ Das Land müsse mehr Wohnungen, Lehrer und Polizisten bereitstellen. Auch der FDP-Sozialexperte René Rock sprach von einer verpassten Chance, Kompetenzen zusammenzuführen und unterschiedliche Perspektiven zu erörtern. Die Landesregierung müsse konkrete Pläne vorlegen. Linken-Fraktionsvorsitzende Janine Wissler warf der schwarz-grünen Koalition vor, nicht rechtzeitig ausreichend Wohnraum für die Flüchtlinge organisiert zu haben. Mancherorts mangelt es an der Ausstattung: Lauterbach verbreitete einen Spendenaufruf nach Kinderbetten, Kinderdecken und Spielzeug, das keinen Krach verursacht, nachdem in der Nacht zuvor sechs Busse eingetroffen waren. Von den 292 Flüchtlingen waren 114 Kinder – viel mehr als erwartet.

 dpa

Quelle: op-online.de

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