Jobcenter-Kunden „immer aggressiver“

Frankfurt - Vor drei Wochen wurde in einem Jobcenter eine randalierende Hartz-IV-Empfängerin erschossen. Eine Polizistin hatte die Waffe gezogen und abgedrückt. Versäumnisse sieht die Behörde bei sich nicht. Die Kunden würden immer aggressiver, meinen die Mitarbeiter.

Nach dem tödlichen Polizeischuss auf eine gewalttätige Hartz-IV-Empfängerin in Frankfurt hat das Jobcenter eine neue Qualität der Aggression beklagt. Das Verhalten von Kunden werde immer unberechenbarer und zeige sich auch in körperlicher Gewalt, sagte Geschäftsführerin Claudia Czernohorsky-Grüneberg. „Die Mitarbeiter haben richtig gehandelt“, sagte sie zum Vorfall am 19. Mai.

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In einer Außenstelle für Wohnungslose hatte ein Sachbearbeiter die Polizei geholt, als eine 39-Jährige das Büro nicht verlassen wollte. Als die Frau dann einen der Beamten mit einem Messer angriff, zog eine Polizistin die Waffe und schoss. Die Randaliererin starb später in einem Krankenhaus. Die Polizei untersucht den Vorfall noch intern. Die Hartz-Empfängerin, die erst wenige Tage in Frankfurt war, wollte sich bei der Auseinandersetzung im Jobcenter Geld bar auszahlen lassen. Sie habe nicht verstehen wollen, dass der Betrag bereits überwiesen worden sei, sagte Czernohorsky-Grüneberg. Ihre 700 Beschäftigten sollen künftig noch gezielter in Strategien zur Deeskalation bei Gewalt geschult werden, kündigte sie an.

Bilder vom Ort des Geschehens

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Außerdem sollen die speziellen Vorkehrungen im Jobcenter, in denen Sicherheitsdienste beschäftigt werden, erneut überprüft werden. 579 Mitarbeiter - darunter auch der am 19. Mai betroffene Sachbearbeiter - seien seit 2005 bereits geschult worden, sagte die Geschäftsführerin weiter. Nach dem tödlichen Vorfall hat das Jobcenter nach ihren Angaben zahlreiche weitere Drohungen erhalten - oft auch per Mail. In einem Fall sei die Polizei informiert worden.

Hier sehen Sie ein Video zu dem Vorfall.

Vorwürfe, Jobsuchende oder Hartz-IV-Empfänger würden oft schlecht behandelt, wies die Behörde zurück. Das Ansteigen des Aggessionspotenzials in den Jobcentern erklärt sich Czernohorsky-Grüneberg mit den gewachsenen Aufgaben. „Wir sind das letzte Sicherungssystem.“ Für viele Kunden gehe es schlichtweg um die „Existenz“. Seit 2005 sind Arbeits- und Sozialverwaltung zusammengelegt.

Das Center betreut in der Bankenmetropole rund 70.000 Menschen. Bei der Frage nach mehr Sicherheit im Jobcenter warnte Frankfurts Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU) vor „Schnellschüssen“. Sicherheitsschleusen wie in Justizgebäuden oder spezielle Schließfächer seien keine „optimale Lösung“. Die Sozialverwaltung müsse für alle offen sein und dürfe sich nicht abschotten.

dpa

Quelle: op-online.de

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