Der Schirn neues Kleid

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Die Fachwerkelemente erinnern an orientalische Ornamentik.

Frankfurt - Die Kunsthalle Schirn im Fachwerk-Look? Das postmoderne Gebäude vorauseilend an die künftige Bebauung des Areals zwischen Dom und Römerberg angepasst, wo ja die zerstörte Frankfurter Altstadt teilweise wiedererrichtet werden soll? Von Christian Riethmüller

Was sich nach einem tollkühnen Plan anhört, ist in gewisser Weise auch einer, doch in erster Linie ist „Framework“ ein Kunstwerk. Dieses englische Wort für Gerippe, Rahmen oder Bau hat die in Mainz geborene und aufgewachsene, nun aber in Berlin lebende Künstlerin Bettina Pousttchi ihrer monumentalen Fotoarbeit gegeben, die direkt auf die 67 Fenster der Ostfassade der Schirn und die 64 Fenster der Rotunde appliziert ist. .

Für ihre Arbeit hat Pousttchi Fachwerkelemente der auf dem Römerberg stehenden Häuser „Zum schwarzen Stern“ und „Wertheym“ fotografiert, nachträglich bearbeitet und in jeweils ein x ein Meter messende Module zu einem sich unendlich wiederholenden Ornament gefügt. Die Ornamente sind mit schwarz-weißem Fotoband aufgebracht, erlauben also von innen den Blick nach außen.

Bettina Pousstchis Fotoinstallation ist bis 17. Juni zu sehen. In der Schirn wird außerdem ihr fortlaufendes Projekt „World Time Clock“ ausgestellt. Infos im Internet.

Vom archäologischen Garten aus und besonders in der Rotunde vor dem Eingang zur Kunsthalle wirkt „Framework“ besonders eindrucksvoll. Die Arbeit darf durchaus als Denkanstoß zur Altstadt-Debatte in Frankfurt wie auch zu Rekonstruktionsplänen in ganz Deutschland angesehen werden, wenn sie das ursprünglich nur der Konstruktion dienende Fachwerk in pures Dekor umdeutet und damit ausgerechnet ein postmodernes Gebäude schmückt. Es ist der Umkehrschluss zu zeitgemäß konstruierten, aber mit historisch anmutenden Fassadenkleidern versehenen Gebäuden, wie sie in einigen jahren auch in der neuen Frankfurter Altstadt stehen werden.

Quelle: op-online.de

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