Neue Schuldsprüche nach Zirkus-Fehde

Schlägerei wie im Wilden Westen

+

Darmstadt - Es war eine spektakuläre Aktion, die sich sechs Mitglieder der Zirkusfamilien Renz und Kaiser am 7. Juli 2012 leisteten. Von Hamburg aus rasten sie am späten Abend mit zwei Pkw nach Bad König, um die damals 18-jährige Direktorentochter Tonyta Kaiser zu rächen. Von Silke Gelhausen-Schüßler 

Die hatte sich in den Direktorensohn Romano Rojan des Zirkus’ Danielo verliebt und war ohne Zustimmung der Eltern einige Monate zum Konkurrenzunternehmen ausgebüxt, das nun im Odenwald gastierte. Aufgrund hartnäckiger Gerüchte, die hübsche Trapezkünstlerin würde dort schlecht behandelt und müsse für den Zirkus betteln gehen, hielt es Vater Michael Kaiser nicht länger im Norden: Er trommelte seinen heute 18-jährigen Sohn und vier befreundete Kollegen des Zirkus’ Renz zusammen, um diesem - wie er meinte - unhaltbaren Zustand ein Ende zu bereiten.

Die Aktion endete aber nicht mit einer Rückkehr der Tochter, sondern einer Verurteilung wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung für alle sechs Angreifer vor dem Amtsgericht Michelstadt. Denn Michael Kaiser begnügte sich nicht mit einer Aussprache. Die Angreifer holten am besagten Tatabend im Schutze der Dunkelheit Baseballschläger, Schlagringe, eine Pumpgun, Pfefferspray und eine Pistole aus den Kofferräumen und gingen auf die ahnungslose Familie des 20-jährigen Liebhabers der Tochter los. Was dann passierte, schilderte Mutter Rojan vom Zirkus Danielo wie folgt: „Alle hatten eine Waffe dabei, keiner kam mit leeren Händen. Zunächst stürzten sie sich auf meinen Mann.“ Das Opfer erlitt einen Steißbeinbruch, musste operiert werden und konnte zwei Wochen keinen Lkw fahren. Schlagwaffen und Fäuste flogen, ein Schuss fiel. Zwei weitere „Danielos“ wurden verletzt. „Man konnte gar nicht überall gleichzeitig hingucken, überall flogen die Fetzen“, so die Zeugin. Sie selbst beendete die „Wildwest-Schlägerei“ mit einem Schuss in die Luft. Die Bilanz: Mindestens drei Verletzte und ein traumatisierter Junge, der sich vor Angst im Müllcontainer versteckte.

Was bedeutet eigentlich Sicherungsverwahrung?

Was bedeutet eigentlich Sicherungsverwahrung?

Gegen die Urteile des Amtsgerichts Michelstadt vom 8. April 2014 legten alle sechs Männer Berufung ein, die Staatsanwaltschaft bei den vier älteren ebenfalls. Nun fielen in zweiter Instanz die Schuldsprüche am Landgericht Darmstadt. Alle Angeklagten verwarfen am Ende ihre Berufung, nicht so die Staatsanwaltschaft. So blieben für die beiden Jüngsten die Amtsgerichtsurteile bestehen: Ernst Jakob R. (21) muss vier Wochen in Dauerarrest, Angelo Michael K. (18) zwei Wochen. Beide sind vorbestraft und erhielten eine Verwarnung nach Jugendstrafrecht. Die drei älteren Männer kamen im Odenwald noch mit Bewährungsstrafen davon, doch Richterin Andrea Röhrig schickte alle drei in den Knast: Patrick R. (34) und Robin P. (27, vorbestraft) für zweieinhalb Jahre, Francesco R. (25) für zwei Jahre und sieben Monate. Die Verschärfungen seien dem hinterlistigen Vorgehen und drei erheblich Verletzten geschuldet, so die Richterin. Das Verfahren gegen Initiator Michael Kaiser (44) wurde wegen Erkrankung des Verteidigers abgetrennt und verschoben.

Quelle: op-online.de

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion