Waffen und eine Million Euro sichergestellt

Schlag gegen Rockerbande Hells Angels

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Die Hells Angels sind in mehr als 32 Ländern mit sogenannten Chartern (Ortsclubs) vertreten. Immer wieder bringen Behörden Mitglieder mit verschiedenen Straftaten in Verbindung wie Gewalt- und Drogendelikte, Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung und Schutzgelderpressungen.

Frankfurt - In einer groß angelegten Aktion ist hessischen Ermittlern ein Schlag gegen Mitglieder der teilweise verbotenen Hells Angels gelungen. Sie stellten bei Durchsuchungen mehrerer Wohnungen in Neu-Isenburg, Kelsterbach, Fulda, Gießen und Limburg 240.000 Euro sowie Schusswaffen, Computer und Mobiltelefone sicher. Von Fabian El Cheikh

Dabei beschlagnahmten sie bei einer Person außerdem einen Schlüssel zu einem Bank-Schließfach in Frankfurt, in dem die Ermittler auf einen regelrechten Schatz stießen: auf mehr als eine Million Euro. Wie Sebastian Zwiebel von der Staatsanwaltschaft Darmstadt gestern bestätigte, sei es bei der Aktion nicht zu Festnahmen gekommen. Nähere Informationen über die untersuchten Objekte wollte er vorerst nicht mitteilen.

Hintergrund der jüngsten Aktion sei ein versuchtes Tötungsdelikt im Rotlicht- und Rockermilieu, das sich im Mai vergangenen Jahres in Kelsterbach ereignete. Dort waren zwei Männer aus der Szene auf offener Straße von einem vorbeifahrenden Fahrzeug mehrfach beschossen worden. Zwei Kugeln hatten einen 34-Jährigen Frankfurter im Bein getroffen. Er schweigt seither zu den Vorfällen. Insgesamt hatte der unbekannte Täter neun Schüsse auf die Männer abgefeuert, als sie gerade aus einem Fitnessstudio kamen.

Spuren führten die Ermittler der Staatsanwaltschaft und des Landeskriminalamts (LKA) zu Mitgliedern der Motorradgang Hells Angels in Frankfurt. Der damalige hessische Innenminister Boris Rhein (CDU) hatte die Ortsgruppen (Charter) „Westend“ und „Frankfurt“ im September 2011 verboten – nach mehreren Razzien und insgesamt mehr als 200 Ermittlungsverfahren. Der Minister begründete sein Vorgehen seinerzeit damit, dass die Rocker kein „Kleingärtner-Verein“ seien, sondern mit „lupenreinem organisierten Verbrechen“ wie Drogenhandel, Prostitution und Menschenhandel in Verbindung gebracht würden. Die Hells Angels haben dieses Verbot bis heute nicht akzeptiert und kündigten über ihren Anwalt vor zwei Wochen an, vor das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe zu ziehen.

Großalarm für Polizei: Hells Angels kommen

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Deutschlandweit, aber auch im Ausland, treten die Hells Angels immer wieder kriminell in Erscheinung. Nicht selten geht es um versuchten Mord, Erpressung und gefährliche Körperverletzung. Erst im Sommer 2013 hatten spanische Behörden bei einer Razzia auf Mallorca zusammen mit Beamten aus mehreren Bundesländern 25 Verdächtige festgenommen. Ihnen wurde die Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung zur Last gelegt sowie Geldwäsche, Drogenhandel, Erpressung, Zuhälterei, Betrug und Urkundenfälschung. Die meisten stammten aus Deutschland.

Auch im Kreis Offenbach sowie im Kreis Darmstadt-Dieburg sind die Hells Angels aktiv. Vor gut drei Jahren hatte eine Großrazzia im Rhein-Main-Gebiet, darunter in Rodgau, Hinweise bestätigt, wonach die Hells Angels über Informanten bei der hessischen Polizei und dem LKA verfügten. Mehrere Beamte waren daraufhin suspendiert worden. Sie sollen Polizeiinterna verkauft haben und auch in Drogengeschäften verwickelt gewesen sein.

Großdurchsuchung bei Berliner Hells Angels

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Quelle: op-online.de

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