An jedem vierten Betrieb gibt’s Kritik

Schlampiger Umgang mit Lebensmitteln

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Offenbach - Viele Gaststätten, Fleischereien oder Imbisse nehmen es mit der Hygiene nicht so genau. 146 000 Mängel haben Prüfer 2011 bundesweit festgestellt - betroffen war jeder vierte Betrieb. Und der hessische Landesverband der Lebensmittelkontrolleure schlägt Alarm. Von Domenico Sciurti

Verbandschef Matthias Hermann warnte im Gespräch mit unserer Mediengruppe vor den gefährlichen Folgen des eklatanten Personalmangels.

„Es fehlen Kontrolleure“, bringt es Hermann auf den Punkt. Betriebe könnten deswegen nicht ausreichend geprüft werden. Besserung sei nicht in Sicht: Gegenwärtig gebe es 135 Lebensmittelkontrolleure in Hessen, 70 bis 80 weitere seien notwendig. Das Geld, das die zuständigen Landkreise vom Land erhalten, reiche bei weitem nicht aus, um alle Unternehmen regelmäßig zu prüfen.

Hermann ist ständig unterwegs, um Betriebe zu kontrollieren, „die Büroarbeit muss zusätzlich erledigt werden“. Am meisten zu beanstanden seien Gaststätten und Imbisse. „Die Betreiber haben oft keine Ahnung von Hygiene“, sagt er und fordert: „Menschen, die mit Lebensmittel arbeiten, sollen eine Schulung von mindestens sechs Monaten machen.“

Nachts und am Wochenende in die Betriebe

Die Kontrolleure arbeiten etwa 40 Stunden in der Woche. Bei Großveranstaltungen müssen sie auch nachts und am Wochenende in die Betriebe. Die Aufgaben würden neben dem Personalmangel auch dadurch erschwert, dass nicht genügend Dienstwagen vorhanden seien, beklagt Hermann. Zwar würden die Kontrolleure Geld erhalten, wenn sie mit dem privaten Auto fahren, doch seien die derzeit gezahlten 35 Cent pro Kilometer bei den aktuellen Benzinpreisen keine gute Alternative.

Je nachdem, wie ein Betrieb bewertet wird, rechnet ein Computerprogramm aus, wann der nächste Besuch ansteht. Erhält beispielsweise die Ausgabestelle eines Kindergartens eine durchschnittliche Bewertung, müsse nach einem Jahr erneut geprüft werden, in einer Metzgerei schon nach einem halben Jahr.

Im vergangenen Jahr 400.000 Proben

Bundesweit nahmen Kontrolleure im vergangenen Jahr 400.000 Proben, wie das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit berichtete. Gut 13 Prozent davon waren nicht okay. Die Zahl der Beanstandungen liegt damit auf dem Niveau der Vorjahre.

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Am häufigsten wurden Spezialnahrung, etwa für Sportler oder zum Abnehmen, beanstandet. In der überwiegenden Mehrheit seien Lebensmittel in Deutschland aber sicher, stellte das Bundesamt fest. Dennoch gebe es Gesundheitsgefahren. „Sprossen und Keime sollten weiterhin verstärkt kontrolliert werden“, hieß es. Im Frühjahr 2011 waren nach einem Ausbruch mit EHEC-Darmkeimen mehrere tausend Menschen erkrankt. Sprossen aus verunreinigtem Bockshornkleesamen waren der Auslöser.

Quelle: op-online.de

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