Viele Schlecker-Filialen in Hessen vor dem Aus

Ehingen/Frankfurt/Dietzenbach (dpa/tan/ku) - Die insolvente Drogeriekette Schlecker will etwa 160 Märkte in Hessen schließen. Die Angaben seien noch vorläufig, solange der Insolvenzverwalter der Drogeriekette, Arndt Geiwitz, mit dem Betriebsrat verhandelt, sagte ein Sprecher des Unternehmens.

Die betroffenen Geschäfte wurden seit Dienstagnachmittag per Fax über ihre Schließung informiert. Die Preise der Waren für den Ausverkauf sollen um 30 Prozent reduziert werden.

Nach Einschätzung von Verdi sind weitere Schließungen von Filialen in Hessen nicht ausgeschlossen. Es könne durchaus sein, dass die eine oder andere Niederlassung noch dicht mache, sagte Horst Gobrecht von der Gewerkschaft unserer Zeitung. „Die Gefahr besteht auf jeden Fall.“

Von rund 400 weiteren Filialen, die noch auf wackeligen Füßen standen, sind mittlerweile dem Vernehmen nach rund 120 gerettet, über 280 spricht Geiwitz noch mit den Arbeitnehmervertretern. Bundesweit sollen wie bereits angekündigt 2 000 Filialen endgültig geschlossen werden - nur sie sind auf der Liste aufgeführt. Unlängst zählte Schlecker in Deutschland noch rund 5 400 Filialen.

In Stadt und Kreis Offenbach schließen mindestens 15 Märkte

Mindestens 15 Filialen von Schlecker in Stadt und Kreis Offenbach werden geschlossen. Eine Mitarbeiterin in Dietzenbach, die in der Filiale in der Dreieichstraße arbeitet, hatte mit dem Aus gerechnet. Die Angst vor der Kündigung sei größer als die Hoffnung, in der „XL-Schlecker-Filiale“ in der Dietzenbacher Altstadt übernommen zu werden, sagte die Frau, die nicht genannt werden möchte. Auf die Frage, ob sie sich bereits nach einem neuen Job umgeschaut habe, antwortete sie: „Ja. Wenn ich nämlich nicht übernommen werde oder auch nur noch als Springer für umliegende Filialen arbeiten dürfte, wäre das für mich finanziell gar nicht mehr machbar.“

Für die Mitarbeiter waren die vergangenen Wochen eine Berg- und Talfahrt. „Das kam ja nicht von heute auf morgen“, sagte eine weitere Angestellte, die schon seit fast zehn Jahren bei Schlecker angestellt ist. Als sie das Fax mit der Info zur Schließung in weniger als zwei Wochen bekam, hielt sich der Schock in Grenzen. „Die Welt dreht sich weiter und wenn wir nicht mit gehen, fallen wir runter.“

Über Kündigungen entscheidet der Sozialplan

Das Unternehmen betonte zugleich, dass eine Filialschließung nicht die Kündigung der dort beschäftigten Mitarbeiterinnen zur Folge haben müsse. Darüber entscheide in jedem Einzelfall der Sozialplan, der ebenfalls noch verhandelt werde. Geiwitz will 11.750 Stellen streichen, um ab April mit schwarzen Zahlen das Unternehmen weiterzuführen.

Überblick der Schließungen in der Region und

Liste aller Schlecker-Märkte, die geschlossen werden

Eine Verdi-Sprecherin erklärte, der Gewerkschaft fehle ein Konzept, wie es mit den verbleibenden Filialen weitergehen solle. Die Diskussion um Staatshilfen ging derweil weiter. Das Bundeswirtschaftsministerium stellte in Berlin klar, dass insolvente Firmen wie Schlecker nicht für Programmkredite der Staatsbank KfW antragsberechtigt seien. Wirtschaftsstaatssekretär Bernhard Heitzer verwies in einem Schreiben an den baden-württembergischen Finanzminister Nils Schmid und die Stuttgarter Arbeitsministerin Katrin Altpeter (beide SPD) darauf, dass das Land zuständig sei, in dem das Unternehmen sitze. Auch hätten Länder eigene Förderinstitute, die gegebenenfalls Kredite bereitstellen könnten entsprechend der EU-Beihilferegeln.

Quelle: op-online.de

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