Schleuserbande um Offenbacher steht vor Gericht

Darmstadt (baw) - Sechs Mitglieder einer mutmaßlichen Schleuserbande müssen sich seit heute vor dem Landgericht Darmstadt verantworten. Der Hauptverdächtige kommt aus Offenbach.

Die sechs Männer, aus Offenbach, Frankfurt, Mainz und Neuss, sollen von Februar bis April 2010 vorwiegend irakische und iranische Staatsangehörige nach Deutschland und Skandinavien geschleust haben. Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten im Alter zwischen 28 und 45 Jahren mehrere Verstöße gegen das Ausländergesetz vor.

In insgesamt sechs Fällen sollen 17 Menschen, darunter zwei Kinder, in extra für die Touren gemieteten Autos auf die Reise geschickt worden sein. Laut Anklage erhielten die Männer - zwei Haupttäter aus Offenbach und vier Helfer - mehrere hundert Euro pro Fahrt und Person. Für eine Tour mit sechs Irakern über Österreich nach Deutschland kassierten die Schleuser laut Anklage mehr als 2200 Euro. Die Fahrer saßen teils bis zu 50 Stunden ohne Pause am Steuer. In vielen Fällen seien die Schleusungen bei Grenzkontrollen aufgeflogen.

Laut dem Anklagevertreter sind noch nicht alle Mitglieder des Schleuserrings eindeutig identifiziert. Inzwischen sei jedoch ein weiteres Mitglied in Mailand gefasst worden. Die Flüchtlinge sollen per Schiff oder Lastwagen nach Italien gelangt sein.

Ein 45-Jähriger aus Neuss und ein 37 Jahre alter Frankfurter räumten ein, bei den Taten mitgemacht zu haben. Sie belasteten den Hauptangeklagten (39) als Drahtzieher. Der 45-Jährige hatte nach eigenen Angaben Flüchtlingen Schlafplätze in Deutschland geboten. Der Jüngere gestand, bei einer Fahrt am Lenkrad gesessen zu haben. Er sei um Mithilfe gebeten worden und habe in Mailand „fünf bis sechs Flüchtlinge aus dem Irak“ abholen sollen. Dort habe er sechs Männer in einen gemieteten Kleinbus geladen. Die Fahrt endete bei einer Kontrolle auf der Autobahn in Österreich. Der 37-Jährige wurde festgenommen.

Für die Tour seien ihm 1500 Euro versprochen worden, sagte der Angeklagte. Benzin sowie einen Mietwagen habe er allerdings selbst bezahlen müssen. „Ich brauchte Geld, also machte ich mit.“ Der 37-Jährige betonte zudem: „Ich lebe seit 13 Jahren in Deutschland, bin nicht mal schwarzgefahren, und nun das.“ Er habe nur bei dieser einen Fahrt mitgemacht, für die er auch nie den Lohn gesehen habe. Danach hätte ihn das schlechte Gewissen geplagt. „Ich bin selbst Flüchtling, habe Schleppern Geld gegeben, dass sie mich hierher bringen“, sagte er. Das sei menschlich sehr hart. Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt.

dpa

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © pixelio.de / Michael Grabscheit

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