Das schlimme Ende des „Überlebenskünstlers“

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Ein Kreuz für Kestutis Vaicackas

Wiesbaden - Ein schlichtes Holzkreuz markiert das Grab, ein Blumenstock, ein Grablicht, etwas Grün. Wem Kestutis Vaicackas diesen Schmuck zu verdanken hat, ist nicht bekannt. Sein Schicksal indes hat viele Menschen berührt. Von Petra Wettlaufer-Pohl

Der Musiker aus Litauen, auf Kosten der Stadt auf dem Wiesbadener Südfriedhof bestattet, wurde nur 45 Jahre alt. In der Nacht zu Aschermittwoch dieses Jahres fiel er einem bestialischen Mord zum Opfer. Mitten in Wiesbaden.

Zwei 16-Jährige und ein 17-Jähriger, alle polizeibekannt, ziehen in der Nacht zum 9. März durch die Stadt auf der Suche nach einem Opfer, an dem sie ihre Aggressionen ablassen können: „Lasst uns mal wieder jemanden klatschen und abziehen“, wird die Polizei später einen von ihnen zitieren. Die tödliche Attacke können sie vor Gericht nicht erklären. Alkohol habe eine Rolle gespielt, ein Raub sei nicht geplant gewesen. Der Verteidiger sagt: „Es gibt keine rationale Erklärung.“

Am Warmen Damm, einem Park direkt an der Nobelmeile Wilhelmsstraße, stoßen sie auf Vaicackas, der seine Habseligkeiten auf einem Fahrrad mit sich trägt. „Er war zwar ohne Wohnsitz, aber kein Bettler, sondern ein Überlebenskünstler“, sagt Helmut Unhold, „er verdiente sein Geld eben mit Musik“. Der 55-Jährige aus Hersbruck in Mittelfranken hatte den Litauer im Oktober 2010 in Hersbruck getroffen. „Er hat mir sehr imponiert“, erzählt er am Telefon, „das war ein ganz sanfter Mensch.“ Nur eine Stunde hat er mit Kestutis Vaicackas verbracht, der eigentlich mit dem Fahrrad nach Ungarn wollte. Und doch horcht Unhold auf, als er im Radio vom Mord an einem Litauer in Wiesbaden hört, der eine Gitarre bei sich hatte. Schon bald weiß Unhold, dass es sich um Vaicackas handelt.

Die drei Jugendlichen rauchen in jener Märznacht zunächst eine Zigarette mit dem gerade 1,57 Meter großen Musiker, dann schlagen sie zu. Als er am Boden liegt, treten sie brutal auf ihn ein, bis er, im Gesicht schon furchtbar entstellt, qualvoll stirbt.

Am Warmen Damm findet nur kurze Zeit später eine Gedenkfeier statt. 80 Menschen kommen, Pfarrer, Besucher der Teestube des Diakonischen Werks, wo Vaicackas einige Male verkehrt hat, dazu Menschen, die einfach entsetzt sind.

Die Täter sind da bereits gefasst, ein Mitwisser hat geredet. Seit dieser Woche stehen sie wegen Raubmordes vor Gericht. Die Jugendstrafkammer hat die Öffentlichkeit ausgeschlossen, um die Persönlichkeitsrechte der Jugendlichen zu wahren. Es ist nicht die einzige Anklage. Vier Tage vor dem Mord hatten sie einen anderen Wehrlosen überfallen und beraubt. Das Opfer wurde schwer misshandelt, hat aber überlebt.

Unhold ist einer von fünf Menschen auf der ganzen Welt, die sich im Internet-Kondolenzbuch für Kestutis Vaicackas eingetragen haben.

Quelle: op-online.de

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