Chris de Burgh in Alter Oper umjubelt

Schmusebarde kann auch Rock

Ganz der Alte: Chris de Burgh entführte zahlreiche Zuhörer zurück in ihre Jugendzeit. J  Foto: Sauda
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Ganz der Alte: Chris de Burgh entführte zahlreiche Zuhörer zurück in ihre Jugendzeit.

Frankfurt - Seine größten Erfolge feierte Chris de Burgh in den 70er und 80er Jahren mit Chart-Stürmern wie „Ship To Shore“ oder „High On Emotion“. Groß verändert hat sich der irische Sänger nicht, weder musikalisch noch optisch. Von Maren Cornils

Und das ist als Kompliment gemeint. Denn de Burgh, oft abfällig als „Schmusebarde“ betitelt, hat nie auf Trends gesetzt, sondern ist sich unbeirrt treu geblieben.

Dass er als Großvater der heutigen Singer-Songwriter-Generation mit seinen Geschichten und mythischen Balladen fast auf einer Welle mitschwimmt, kratzt de Burgh wenig. Seine Fans, die den Großen Saal der Alten Oper bis zum letzten Platz füllen, lieben ihn für diese Beständigkeit und wünschen sich vom 1,68 Meter kleinen Sänger vor allem eins – dass er noch einmal alte Hits aufleben lässt.

Dabei ist der Mann mit dem Hobbit-Charme auf seiner Tour „A Better World“ eigentlich unterwegs, um neue Kompositionen zu promoten. Doch de Burgh, der mit guten Deutschkenntnissen aufwartet und sich als echter Schelm erweist, macht gute Miene und stimmt im Verlauf des mehr als zweieinhalbstündigen Abends an, was seine vorwiegend weiblichen Fans schmelzen lässt: „A Spaceman“, „Borderline“ und, ganz am Ende, „Lady In Red“, bei dem zumal die vielen in Rot gekleideten Besucherinnen frenetisch applaudieren.

Ovationen im Stehen erntet der Sänger bereits vor dem ersten Song – eine Huldigung, die er verschmitzt lächelnd und mit bescheidenem „Dankeschön“ erwidert. Dass de Burgh andere Töne anzustimmen versteht, als er es in sanften Liebeserklärungen tut, beweisen rockige, Gitarren-dominierte Songs.

Chris de Burghs schöne Tochter steht auf Tuning

Chris de Burghs schöne Tochter mag's getunet
Chris de Burghs schöne Tochter mag's getunet
Chris de Burghs schöne Tochter mag's getunet
Chris de Burghs schöne Tochter mag's getunet
Chris de Burghs schöne Tochter steht auf Tuning

Doch ganz gleich, welche Tonart er wählt: Liebe ist und bleibt sein Lieblingsthema. So singt de Burgh vom Traualtar („In a Country Churchyard“), von der bittersüßen Melancholie gemeinsamer Jahre („Lonely Sky“), vom Vermissen („Missing You“) und von der Liebe zur Heimat („Revolution“, „Borderline“, „The Open Door“).

Zwar ist der Beifall am stärksten, wenn er alte Hits anstimmt. Aber auch die aktuellen Lieder können sich hören lassen. Etwa „Homeland“, in dem de Burgh zu aggressiver Marschmusik über den Verlust von Sicherheit, das Vertriebenwerden und die Sehnsucht nach Frieden singt, um danach mit der sanften Ballade „Cry No More“ vom gemeinsamen Älterwerden und vom Gefühl des Angekommenseins zu schwärmen.

Am Ende eines großartigen Abends, für viele eine Reise zurück in ihre Jugendtage, gibt es ein emotionales Bad in der Menge: Der fast 69-Jährige wandert mit dem Mikro durch den Saal, schüttelt Hände und wirkt von der ihm entgegengebrachten Begeisterung tief gerührt.

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