Schnell zum Arzttermin kommen

Offenbach - Privat oder Kasse? Wer die „richtige“ Antwort gibt, bekommt beim Arzt schneller einen Termin. Dass sich an der Aussage „Vorfahrt für Private“ nichts geändert hat, bestätigt eine Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). Von Peter Schulte-Holtey

Verbandschef Andreas Köhler räumte ein, dass das Problem im Gesundheitssystem weiterhin akut ist. Für Betroffene müssten noch Lösungen gefunden werden.

Patienten können aber jetzt schon handeln. Einschätzungen und Empfehlungen von Fachleuten: Daniela Hubloher, Gesundheitsexpertin der Verbraucherzentrale Hessen: „Dringende Notfälle bekommen schneller einen Termin als wenn es um eine Vorsorge-Untersuchung geht. Am besten, Sie fragen gezielt in der Praxis nach - weisen konkret auf Ihre Schmerzen hin.“ Nach ihren Angaben könne eine Anfrage beim Facharzt durch den Hausarzt die Terminvergabe beschleunigen. Riyad Salhi, Sprecher der AOK Hessen: „Selbstverständlich sollte man auf einem zeitnahen Termin beharren, wenn man erkrankt ist. Der Gesetzgeber hat hier jedoch keine konkreten Zeiträume definiert. Für AOK-Versicherte gibt es ein sogenanntes „Wartezeitenmanagement“. Salhi: „Damit versuchen wir, Kunden bei der Vermittlung eines zeitnahen Arzttermins zu unterstützen.“ Nach Angaben von Verbraucherschützerin Hubloher bietet inzwischen jede zweite gesetzliche Krankenkassen diesen Service an. In der Regel genügt es dann, bei einer gebührenfreien Hotline anzurufen. Dort gibt man seinen Wohnort an und um welche Untersuchung es sich handelt. „Schwierige“ Fachgruppen bei der Terminvergabe sind die Radiologen, die Orthopäden, die Augenärzte und die Neurologen.

In der KBV-Befragung wurde auch das Angebot von Selbstzahlerleistungen, sogenannten IGeL (Individuelle Gesundheitsleistungen), in Arztpraxen untersucht. Dabei kam heraus, dass 24 Prozent der Patienten eine solche Leistung von ihrem Arzt angeboten bekamen. Von diesen haben 64 Prozent sich dafür entschieden, die Leistung anzunehmen. Allerdings hat die Zahl der Versicherten zugenommen, die sagen, dass sie zu wenig Bedenkzeit gehabt hätten. Immerhin 19 Prozent kritisierten, dass sie zu wenig Zeit gehabt hätten, über das Angebot nachzudenken. KBV-Chef Köhler rief Ärzte zum Maßhalten auf, sie sollten mit diesem Bereich sensibel umgehen. Tipps von Verbraucherschützern: Einer IGeL-Offerte sollte man nicht übereilt zustimmen. Besser sei es, sich ausreichend Zeit zu nehmen und über den Nutzen der Untersuchung nachzudenken bzw. sich von der Kasse beraten zu lassen. Patienten sollten grundsätzlich bei ihren Krankenkassen nachhaken und dabei auch selbstbewusst und bestimmt sein. Oft übernehmen die Kassen dann nämlich doch noch Leistungen, die eigentlich nicht in ihren Katalogen aufgeführt sind.

Zudem ergab die Befragung: Nach wie vor unzufrieden zeigen sich Patienten mit der sogenannten „aut idem“-Regelung. Durch sie wird zur Regel, dass Apotheken rabattierte oder billigere Medikamente abgeben können, wenn der Wirkstoff dem vom Arzt verordneten gleicht. Mit 44 Prozent spricht fast die Hälfte der Patienten den billigeren Medikamenten das Misstrauen aus. Helfen wollen sich die Ärzte in Zukunft damit, dass sie vermehrt nur noch den Wirkstoff - und nicht den Namen eines speziellen Produkts aufschreiben, so dass Patienten sich gar nicht erst an eine bestimmte Pillenpackung gewöhnen.

Quelle: op-online.de

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