Die Schönheit herauskitzeln

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Das Endergebnis: Sabrina im neuen Look.

Mit der Mode ist es manchmal wie bei Nahrungsmitteln. Während sie optisch vielversprechend aussehen, kann ihr Nährwert extrem variieren. Was eine ausgewogene Ernährung in Sachen Kleidung, Styling und Make-Up bedeutet, darin berät Alin Yapici ihre Kunden. Von Sascha Reichelt

Ganz ohne Skalpell verwandelt die Stylistin hauptberuflich Menschen zu attraktiveren Persönlichkeiten. Unsere Zeitung hat sich einen Blick hinter die Kulissen ihres Arbeitsalltags verschafft. Ein sonniger Tag in Gießen. Alin ist auf dem Weg zu einer Kundin. Im Schlepptau hat sie ihren schweren „Zauberkasten“, den voll ausgestatteten Schminkkoffer, und jede Menge Know-How. Seit über 20 Jahren übt die gebürtige Bad-Nauheimerin ihre nahezu angeborene Leidenschaft als Beruf aus. So lange sie denken kann, war das ihr Traum. Mit einem Lächeln erzählt sie, dass sie schon als Kind am liebsten mit ihrer Schminkpuppe spielte.

Heute ist Alin bei Sabrina zu Gast. Die 31-Jährige ist Erzieherin in einer Kindertagesstätte. „Mein Beruf bringt es mit sich, dass ich häufig ziemlich schlabbrig durch die Gegend laufe“, gesteht sie. Nun wollte sie mal etwas ausprobieren. Für die Styling-Session geht es hinaus auf den Balkon. Doch zuvor durchstöbert Alin gemeinsam mit Sabrina ihren Kleiderschrank. Frisch und sommerlich soll es werden. Schnell blitzt der Typberaterin ein strahlend weißes Outfit ins Auge. „Das passt gut zur hellen Jahreszeit und wirkt trotzdem sportlich und elegant“, erläutert die ausgebildete Visagistin.

Backgammon-Partie gegen David Bowie

Rückblick: Nach dem Abitur besuchte Alin die internationale Make-Up-Kunstschule „Die Maske“ in Wien, lernte dort unter Regie des renommierten Bernd Bauer die Techniken der Schminkkunst kennen und arbeitete fortan bei Musik-, Film- und Werbeclips mit. Über viele Jahre hinweg war Alin beim ehemaligen Frankfurter Theater am Turm beschäftigt, betreute anschließend in London Laufsteg-Präsentationen und traf sogar David Bowie auf Tour. Als besonders inspirierendes Erlebnis ist ihr dabei die Begegnung mit Bowies Ehefrau, Iman Abdulmajid, in Erinnerung geblieben. Hinter der Bühne fachsimpelte Alin mit der Schauspielerin und Modedesignerin über exklusive Make-Up-Produkte und zockte nebenher mit David Bowie ein paar Partien Backgammon.

Insgesamt erlernte sie in ihrer beruflichen Laufbahn allerlei Techniken und studierte insbesondere die Mode verschiedenster Kulturen. Ihr Urteil: „In Deutschland wird leider nicht so viel Wert auf das Äußere gelegt, dafür mehr auf den Intellekt - dabei müsste sich beides doch gar nicht ausschließen.“ Die Künstlerin vermisst die Sensibilität für Ästhetik hierzulande. „Natürlich bedarf das Ganze etwas Zeit“, räumt sie ein und schließt sich mit leichtem Zynismus den Worten von Helena Rubinstein an: „Es gibt keine hässlichen Frauen, nur faule!“

Alte Modeweisheit: Weniger ist oft mehr

Sabrina hat derweil die erste Anprobe hinter sich. Wie viele Frauen plagen sie leichte Figurprobleme. Mit dem passenden Schnitt lässt sich aber einiges kaschieren, ganz ohne die weiblichen Züge zu verbergen. Sogleich kann es ans Make-Up gehen. Die Farbe trägt Alin vorsichtig tupfend mit einem Schwämmchen auf. „Ganz wichtig ist es, nicht zu reiben!“, kommentiert sie. Mit leicht deckenden Brauntönen erzeugt sie einen sanften und alltagstauglichen Hautfarbenton und zeigt ihrer Kundin, wie sie ihn leicht nachmischen kann.

Alin Yapici mit Sabrina vor der Rundum-Beratung...

In einer altbewährten Modeweisheit heißt es: Weniger ist oft mehr - und immerhin besser als gar nichts. „Auch kleinste Detailveränderungen können Wunder bewirken“, pflegt Alin zu sagen. Um mit ihren Ideen noch mehr Menschen zu erreichen, gründete sie 2009 „ALIN Style Coaching“. „Irgendwann kam mir die Idee einen ganzheitlichen Service für jedermann anzubieten“, erzählt sie. Von Kleidung über Schuhe zu Make-Up und Accessoires: Ihre Rundum-Beratung sorgt für ganze Metamorphosen. Mit laufendem Erfolg. Kunden können wählen, ob sie sich in Alins Salon in Bornheim oder zu Hause beraten lassen wollen.
Apropos, auf dem Gießener Balkon sagt die Stylistin gerade Sabrinas Augenringen den Kampf an. „Ich muss immer so früh aufstehen!“, beschwert sich die Erzieherin lächelnd. Es ist Zeit für Small-Talk und Tratsch. Frauengespräche. Alin bringt dabei mit einer Zange schon mal Sabrinas Wimpern in Schwung. Mit einem sogenannten Conciler lassen sich nun auch die müden Augen aus ihrem Schlaf befreien und hinterher leicht schattieren. Während der zu Sabrinas Augen farblich passend braune Nagellack an der warmen Sommerluft trocknet, widmet sich Alin den Augenbrauen. Es zischt. „Noch ein Tipp um diese in Form zu halten: ein wenig Haarspray drauf!“, verrät sie.

Mit einem matten Puder wird zum Schluss das Gesichtsbild abgerundet und das Make-Up fixiert. In Windeseile ist die Verwandlung vollbracht, die sich sehen lassen kann. Begleitet von einem „Voilá“ blickt Sabrina in den Spiegel und ist sichtlich begeistert: „Das ist der absolute Wahnsinn“, lässt sie enthusiastisch los. Alin lächelt. Mission erfüllt.

Quelle: op-online.de

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