Die schönste Vertretung

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Da freut sich der Offenbacher Oberbürgermeister: Horst Schneider auf einer "Knochenmiehl" der Frankfurt-Offenbacher-Trambahn, wie sie ab 1884 unterwegs war.

Offenbach/Frankfurt - Diese Feier war Horst Schneider ein ganz besonderes Fest: Erstmals vertrat ein Offenbacher Oberbürgermeister in Frankfurt den Frankfurter Magistrat. „Was kann es Schöneres für einen Offenbacher OB geben“, verriet selbiger einem in der Mehrzahl Frankfurter Publikum. Von Thomas Kirstein

Vorgesehen war das bei der Feier „125 Jahre Bahnen und Busse zwischen Offenbach und Frankfurt“ so freilich nicht. 

Die amtliche Ansprache im Verkehrsmuseum Schwanheim hätte eigentlich Frankfurts Verkehrsdezernent Lutz Sikorski übernehmen sollen - doch den hatte der Heuschnupfen am Mittwochnachmittag kurzfristig außer Gefecht gesetzt.

So überwiegt in der Museumshalle im westlichen Frankfurter Stadtteil leicht der Offenbacher Blick auf die gemeinsame Nahverkehrsgeschichte. Sozialdemokrat Schneider nutzt zwar auch das Manuskript des Grünen Sikorski, beleuchtet den Weg von der „Knochemiehl“ des Jahres 1884 bis zur heutigen engen Kooperation zwischen seinen Verkehrsbetrieben (OVB) und der Verkehrsgesellschaft (VGF) der Nachbarstadt aber auf Basis der vom eigenen Stadtmuseumsleiter Jürgen Eichenauer beigesteuerten Informationen.

Nicht zu Unrecht, wie sich von OVB per modernstem Bus und VGF per historischer Straßenbahn (O-Wagen, Baujahr 1969) nach Schwanheim gebrachte Offenbacher Delegation gern anhört: Die Frankfurter, die wollten vor 125 Jahren am liebsten überhaupt keine Bahn, besonders aber keine elektrische, weil zu gefährlich und viel zu schnell.

Ein Konsortium aus Offenbacher Kaufleuten und Bankiers leistete die erfolgreiche Überzeugungsarbeit, auf dass eine Transport-Historie von durchaus weltgeschichtlicher Bedeutung beginnen konnte: Die 6,7 Kilometer lange Schienenstrecke zwischen beiden Städten war die erste elektrische im Dauerbetrieb, und längere Zeit die längste.

Zur „Nacht der Museen“ am kommenden Samstag verkehren historische Straßenbahnen im Halbstundentakt aus der Frankfurter Innenstadt nach Schwanheim.

VGF-Geschäftsführer Michael Budig, in den späten 80ern von Offenbach nach Frankfurt gewechselt, verriet in seiner Begrüßung, warum eine leicht ältere Strecke in Berlin nicht dem historischen Erst-Anspruch genügt: Es war nur ein Test, der glücklicherweise scheiterte - weil der 500-Volt-Strom über die Schienen bezogen wurde, hätte es Todesopfer geben können. Frankfurt und Offenbach hingegen wählten das Zukunftsmodell mit Oberleitung.

Eine solche „Knochemiehl“ konnten die von der VGF mit Speis’, Trank und Musik versorgten Gäste im Original bewundern. Sie gehört zu den rollenden Exponaten in den Wagenhallen der ehemaligen Frankfurter Waldbahn-Gesellschaft. Dort zeigen der Verein Historische Straßenbahn und das kleine Verkehrsmuseum Offenbach aktuell eine Ausstellung zur 125-jährigen Nahverkehrsgeschichte der beiden Städte, die auch noch nach Offenbach kommen wird. Immer zu sehen sind dort mehr als zwei Dutzend Straßenbahnen und Omnibusse. Unter anderem treffen Offenbacher dort auf einen O-Bus der Linie 3 oder eine „16“ des Baujahres 1905.

Quelle: op-online.de

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