Schrotthändler schlagen Alarm

„Ihr nehmt uns unsere Existenz“

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Sven von Gries (links) nimmt gerade eine Ladung Metallschrott von Jesse Willeführ und Björn Asal. Es wird die einzige an diesem Tag sein. Früher lieferten die Schrotthändler bis zu dreimal am Tag.

Rhein-Main – Für den einen ist es nichts weiter als Metallschrott. Für den anderen ist es sein täglich Brot. Doch die Schrotthändler der Region bangen um ihre Zukunft. Denn eine Neufassung des Kreislaufwirtschaftsgesetzes verbietet ihnen das Sammeln. Von Dirk Beutel

Sven von Gries schaut mit Sorge auf seinen Recycling-Hof im Riederwald. Es ist halb zehn vormittags. „Bis jetzt waren vier Kunden hier. Früher waren um diese Zeit mindestens zwanzig da.“ Seine fahrenden Schrotthändler haben es auf ihren Touren immer schwerer Metall zu sammeln. Eine Neufassung des Kreislaufwirtschaftsgesetzes hat nun zusätzlich die Situation angeheizt und hat längst die Schrottsammler und die Privathaushalte verunsichert.

Denn: Wenn es nach dem Gesetz geht, sollen die Kommunen in erster Linie Kupferrohre, Waschmaschinen und Ähnliches einsammeln. Und dort, wo öffentlich-rechtliche Entsorgungsfachbetriebe tätig sind, ist es den Schrotthändlern, auch wenn es ihr altes Revier war, verboten zu sammeln. Sogar den Bürgern ist es untersagt ihren Schrott den Sammlern zu bringen.

„Das ist Rosinenpickerei“ sagt Sven von Gries. Der 30-jährige Geschäftsführer des Frankfurter Entsorgungsfachbetriebs von Gries ist zwar nicht direkt betroffen vom Kreislaufwirtschaftsgesetz. Aber trotzdem trifft es auch ihn: Immer weniger Händler bringen bis zu 50 Prozent weniger Schrott zu ihm auf den Hof.

Knallharter Kampf

So wie Björn Asal und Jesse Willeführ. Die beiden erleben einen knallharten Kampf auf der Straße. „Sogar wir wurden als Diebe bezeichnet, weil keiner mehr Bescheid weiß“, sagt Asal. Früher konnte er bis zu dreimal Schrott abliefern. Jetzt kann er froh sein, wenn es für einen Tag reicht. „Die nehmen uns unsere Existenz, und dass, obwohl die öffentlich-rechtlichen Betriebe nicht mal die Kapazitäten haben, um den zusätzlichen Schrott mitzunehmen.“ Ganz zu schweigen von den Sorgen mit illegalen Sammlern aus Osteuropa.

Aber die Betroffenen haben sich zusammengetan und kämpfen für ihren Berufsstand. „Das Gesetz wurde über unseren Kopf hinweg entschieden. Jetzt kämpfen wir für unseren Berufsstand“, sagt Karin Wolfram, von der Interessengemeinschaft der Altkleider-, Altpapier- und Schrotthändler (IGAS) die an vorderster Front dabei ist. Zumindest einen Teilerfolg für Hessen gibt es: Nach Gesprächen mit dem Umweltministerium und dem Darmstädter Regierungspräsidium wurde eine Übergangsfrist von vier Jahren vereinbart. Heißt: Wenn einem Schrotthändler das Sammeln nicht untersagt wird, darf er weitermachen. Doch das entscheidet immer noch jede Kommune für sich.

Quelle: op-online.de

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