Ein Schub für die „Gesundheitsstadt“

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Der Kurort zwischen Taunus und Wetterau besitzt mehrere Parks und Gärten für die Erholung von Besuchern und Patienten.

Bad Nauheim ‐ In Bad Nauheim ist es grün - sehr grün. Zumindest in der warmen Jahreshälfte. Der Kurort zwischen Taunus und Wetterau besitzt mehrere Parks und Gärten für die Erholung von Besuchern und Patienten. Von Carolin Eckenfels

Nun soll die Landesgartenschau die zweitgrößte Stadt im Wetteraukreis noch grüner und erholsamer machen. Die vierte Gartenbauausstellung Hessens wird viele Millionen Euro kosten. Doch der Kurort, der mit dem Slogan „Gesundheitsstadt“ wirbt, hofft, langfristig von den Investitionen mit einem Besucherplus zu profitieren. „Ein schönes grünes Ambiente ist von entscheidender Bedeutung für die Genesung“, sagt Katja Heiderich, Geschäftsführerin der Bad Nauheimer Stadtmarketing- und Tourismus-Gesellschaft.

Die Stadt beackert für die Schau, die am 24. April beginnt und am 3. Oktober endet, schon seit gut drei Jahren rund 38 Hektar ihrer Grünflächen. Fleißige Helfer haben die Anlagen hergerichtet, umgestaltet oder komplett neu angelegt. Die Organisatoren der Stadt mit ihren 31.000 Einwohnern hoffen wenigstens auf eine halbe Million Besucher.

Geplant sind unter anderem 27 Themengärten, die aktuelle Trends im Gartenbau zeigen, elf Blumenschauen sowie mehr als 1200 Veranstaltungen - darunter Vorträge, Theateraufführungen, Konzerte oder Kinderfeste.

8,1 Millionen Euro steckte Bad Nauheim in das Areal

Verschiedene Konzepte der Gartengestaltung werden vorgestellt. 300.000 Blumenzwiebeln wurden gesetzt 5656 Bäume und solitäre Sträucher gepflanzt, 19 650 weitere Sträucher, Bodendecker und Rosen angeschafft, 350 Rhododendren gekauft und 78 500 Quadratmeter Rasen angelegt. Der Frost schade den jungen Pflanzen nicht, heißt es. „Das ist ein normaler Winter“, sagt Hartmut Kind von der Geschäftsführung der Landesgartenschau-Gesellschaft. „Wir haben nichts gegen den Winter. Er muss nur rechtzeitig aufhören.“

Die Baumaßnahmen hat sich der Kurort einiges kosten lassen: Insgesamt 8,1 Millionen Euro, davon gut 3 Millionen Landeszuschüsse, steckte Bad Nauheim allein in die Gestaltung des Areals. Hinzu kommen laut Kind zwischen 50 und 60 Millionen Euro für eine bessere Infrastruktur. Der Ablauf der Gartenschau selbst soll rund 6,1 Millionen Euro kosten. Dazu gibt die Stadt einen Zuschuss von einer Million Euro.

Kind erwartet, dass Pachtgebühren, Sponsorengelder oder der Verkauf von Eintrittskarten die Kosten wieder hereinholen. „Wir gehen von einem wirtschaftlichen Erfolg aus.“ Natürlich gebe es Risiken wie etwa schlechtes Wetter. Doch die Landesgartenschau sei in jedem Fall ein Gewinn für Bad Nauheim - zumindest längerfristig betrachtet.

Nach Angaben von Katja Heiderich trägt die Schau zu einer nachhaltigen Stadtentwicklung bei. Von der Aufwertung werde der Kurort mit seiner einzigartigen Jugendstil-Architektur touristisch profitieren. „Wir werden in dem Bereich einen ziemlich guten Sprung nach vorne machen“, meint Heiderich.

Derzeit rund 700.000 Gäste im Jahr

Selbst wenn am Ende ein Defizit bliebe, sei die Landesgartenschau ein Gewinn für Bad Nauheim, meint Kind. Ähnlich sieht es auch Heiderich: Die Schau sei ein Großereignis, das hohe Aufmerksamkeit auf die Kurstadt lenken werde. Nicht zuletzt deswegen hofft die Stadt auf mehr Erholungssuchende. Derzeit zählt das Heilbad nach eigenen Angaben rund 700.000 Gäste im Jahr.

Bei der Gartenausstellung will Bad Nauheim mit einem Konzept punkten, das Besuchern die Bedeutung von Gärten und Parks als Rückzugsgebiet verdeutlichen soll. Der Kuraspekt werde „permanent präsent“ sein, sagt Heiderich. So müssen Besucher auf dem Weg zwischen den beiden Schaugeländen den Sprudelhof passieren, ein europaweit einzigartiges Jugendstilensemble mit Badehäusern und Brunnen. Zudem sollen ein „Garten zum Wohlfühlen“ und ein „Ruhegarten“ Kur-Interessierte locken. Neben dem bewaldeten Goldsteinpark gehört der historische Kurpark zur Ausstellungsfläche.

Eine solche Grünfläche ist Voraussetzung dafür, dass sich eine Stadt mit dem Prädikat eines Heilortes schmücken darf - ohne Park kein Bad. Der Kurort bekam ihn vor rund 150 Jahren. Gartenarchitekt Heinrich Siesmayer, Planer des Palmengartens in Frankfurt, ließ ihn im Stil eines englischen Landschaftsgartens anlegen. Damals erlebte die Stadt mit den salzhaltigen Quellen ihren Aufstieg zum weltbekannten Herzheilbad, in dem Kaiserin Sisi oder Bismarck kurten.

Barfußpfad, Tastwand und Kneipp-Anlage

14 Kliniken sind dort heute angesiedelt, außerdem Einrichtungen wie das Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung. Die Behandlung von Lungenleiden und des Herz-Kreislaufsystems sind nach wie vor Bad Nauheims Spezialität. Nach Angaben Heiderichs bleibt aber keine Krankheit außen vor, vielfach werde ganzheitlich behandelt. Dabei spielten Gärten eine besondere Rolle. „Man kann in Parks zu innerer Ruhe gelangen“, sagt Lutz Ehnert, Internist und Arzt für Naturheilverfahren, der auch Kneipp-Kuren anbietet. Gärten seien zudem gut für das Wohlbefinden, weil die vielen Pflanzen für saubere Luft und die Stimmung beeinflussende Düfte sorgten.

Kneippen besteht nicht allein aus der bekannten Wassertherapie. Dazu gehört auch Bewegung und die so genannte Ordnungstherapie, mit der Patienten innere Ruhe finden sollen. Die Natur nehme daher eine wichtige Funktion beim Kneippen ein, sagt Ehnert. Bad Nauheim verfügt inzwischen über einen mit Medizinern gestalteten „Gesundheitsgarten“ inklusive Barfußpfad, Tastwand und Kneipp-Anlage. Denn das Naturheilverfahren soll in der Stadt bald größere Bedeutung haben. Nach „Herzheilbad“ und „Gartenschaustadt“ will sich Bad Nauheim künftig auch „Kneippkurort“ nennen dürfen. Derzeit laufe noch die Bewerbung, hieß es von der Stadt.

dpa

Quelle: op-online.de

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