Initiativen im Rhein-Main-Gebiet legen sich für Jugendliche ins Zeug

Schüler durchboxen

Die Zahlen im Berufsbildungsbericht sind Eckdaten für ein düsteres Szenario. Einerseits fehlen in Deutschland Fachkräfte, andererseits ist die Schulabbrecherquote mit 65.000 Jugendlichen pro Jahr enorm hoch. Von Peter Schulte-Holtey

Ebenso alarmierend sind die Defizite vieler Schüler. Schlechte Deutschkenntnisse sowie allzu viele Rechtschreibfehler zeigen sich häufig schon im Bewerbungsschreiben. Sogenannte Bildungslotsen, Sozialarbeiter und auch ehrenamtliche Senior-Experten, könnten ein Ausweg sein, das zumindest hofft das Bundesbildungsministerin Annette Schavan. Mehr als 3000 Lotsen sollen Schüler mit Lernschwierigkeiten unterstützen, sie „durchboxen“. Bis 2013 werden 95 Millionen Euro ins „Sonderprogramm Berufseinstiegsbegleitung“ fließen. Laut Bundesbildungsministerium sollen die Länder 1.000 Schulen aussuchen, an denen eine Förderung vordringlich ist. Zudem sollen Unternehmen dafür gewonnen werden, ihre Ausbildungsaktivitäten für benachteiligte junge Menschen auszuweiten.

Das ist konkret geplant:

Das Programm sieht vor, dass sich Schüler ab der siebten Klasse mit Blick auf ihre Interessen und Begabungen einer „Potenzialanalyse“ unterziehen. Auf dieser Basis sollen sie ab der achten Klasse mit Berufsorientierungsmaßnahmen gefördert werden. Schaffen sie den Schulabschluss, sollen die Bildungslotsen ihnen auch im ersten Lehrjahr unter die Arme greifen. Das Programm richte sich vor allem an Kinder aus schwierigen Verhältnissen, die Zuhause wenig Rückhalt hätten.

In der Region gibt es einige Beratungsprojekte für Schüler in verschiedenen Altersstufen:

Hanau

Achim Knips von der Industrie- und Handelskammer Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern verweist auf die Initiative „Unternehmer in die Schulen“, die die IHK zusammen mit dem Staatlichen Schulamt durchführt. Unter dem Motto „Schule und Wirtschaft - gemeinsam zum Erfolg“ riefen die Wirtschaftsjunioren Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern bereits zusammen mit der Erich-Kästner-Gesamtschule in Maintal-Bischofsheim das Projekt „Starthilfe“ ins Leben. Knips: „Wir machen regelmäßig die Erfahrung, dass sich die Schülerinnen und Schüler nach kompetenten Ansprechpartnern und Informationen aus dem Berufsleben sehnen. Offensichtlich findet das Thema ,Arbeit und Beruf’ in sehr vielen Elternhäusern nicht mehr statt. Offensichtlich werden viele junge Menschen auf diese Weise von der elterlichen Alltagserfahrung abgeschirmt und dadurch eher verängstigt als ermutigt. Bei Eltern, die arbeitslos sind, kommen an dieser Stelle noch größere Probleme hinzu.“ Ehrenamtlich mit Erfahrung und Vorbildfunktion könnten bestimmt etwas bewegen, „als lebendes Vorbild, als Coach oder auch nur als Ansprechpartner“.

Stadt und Kreis Offenbach

Beim Freiwilligenzentrum in Offenbach (Tel. 82367039) wird auf das „LOS Projekt Ausbildungspaten“ aufmerksam gemacht, das zusammen mit dem Jugendamt durchgeführt wird. Jugendlich werden bei Schwierigkeiten in der Berufsschule unterstützt. Sigrid Jacob, Leiterin des Zentrums, verweist auch auf das „sehr erfolgreiche“ Projekt „Patenschaftsmodell Offenbach - Alt und Jung für Ausbildung“. Freiwillige unterstützen Jugendliche bei der Bewerbung für eine Ausbildungsstelle.

Das Vorhaben „BerufsWegeBegleitung“ für Jugendliche und Erwachsene (Initiator ist der Kreis Offenbach gemeinsam mit der Arbeitsagentur Offenbach) versteht sich als Weiterentwicklung bereits vorhandener Unterstützungsnetze für benachteiligte Jugendliche (Kontakt: Ulrike Jung, Tel. 06074/81803121). Ziele des Projekts sind unter anderem: Eingliederung in den ersten Arbeitsmarkt, Vermitteln in Qualifizierungsmaßnahmen und Prävention durch Begleitung bis zum 27. Lebensjahr. Kreisbeigeordneter Carsten Müller sagte auf Anfrage unserer Zeitung: „Das Projekt ist für uns sehr wichtig. Dadurch können wir Jugendliche erreichen, an die wir sonst kaum ran kämen. Denn genau die jungen Menschen, die den Weg zu den bestehenden Angeboten nicht finden, sind unsere Zielgruppe. Die BerufsWegeBegleitung geht auf diese Jugendlichen zu. Dabei wird auf ein Netzwerk auf Personen zurückgegriffen, die ganz nah dran sind. So können wir die jungen Menschen sehr gut erreichen. Etwa die Hälfte der jungen Menschen, die das Angebot angenommen haben, konnten in Ausbildung, Arbeit oder Qualifizierung vermittelt werden.“

Stützpunkte gibt es unter anderem an der Georg-Kerschensteiner-Schule in Obertshausen, der Adolf-Reichwein-Schule in Heusenstamm, der Oswald-von-Nell-Breuning-Schule und der Helene-Lange-Schule in Rödermark, der August-Bebel-Schule in Offenbach, der Ernst-Reuter-Schule in Dietzenbach sowie an der Merianschule in Seligenstadt.

Als Vorbild, Ansprechpartner oder Coach tätig werden

Quelle: op-online.de

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