Schüler fliegen auf Technik

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Bitte anschnallen: Alexander (17) hat es sich auf dem Pilotensitz gemütlich gemacht und fühlt sich im Cockpit wohl. Der Schüler träumt von einer Karriere als Pilot.

Frankfurt - Eine Hand greift lässig das Lenkrad, die andere sitzt fest am Steuerhebel. Dazu der souveräne Gesichtsausdruck. In Gedanken ist Alexander längst abflugbereit. Einzig das schelmische Grinsen verrät, dass dieser Ablauf für den Teenager nicht zum Alltagsgeschäft gehört. Noch nicht. Von Jörn Polzin

„Ich könnte mir durchaus eine Karriere im Cockpit vorstellen“, sagt der 17-Jährige. Vor allem die Möglichkeit, in die Ferne zu schweifen und ständig neue Dinge zu entdecken reizen ihm am Beruf des Piloten.

Ein Besuch in der Flugzeugkabine steht bei den rund 270 Jugendlichen, die am Montag und Dienstag an den Lufthansa-Schnuppertagen teilnahmen, freilich hoch im Kurs. Da wurde bei einigen ein Kindheitstraum wahr - oder es erfüllte sich zumindest ein lange gehegter Wunsch. So auch bei Alexander, der die Weiterstädter Albrecht-Dürer-Schule besucht und vom besonderen Charme der Simulations-Kabine angetan ist. Überhaupt: Der ereignisreiche Tag am Frankfurter Flughafen unter dem Motto „Faszination Lufthansa“ hat bei dem Teenager seine Wirkung nicht verfehlt. „Ich bin bereits infiziert worden“, gibt Alexander zu.

Unglaubliche Dimensionen: 180 Kilogramm ist der Reifen eines Flugzeugs schwer, ihn auszutauschen dauert eine halbe Stunde. Da staunten die Schüler nicht schlecht, als Ausbilder Tobias Müller (2.v.l.) ihnen die Eigenschaften eines Reifens erklärte.

Seinen Mitstreitern aus 30 Schulen aus der gesamten Rhein-Main Region geht es ähnlich. Der Blick hinter die Kulissen des größten Arbeitgebers Hessens bietet vielfältige Einblicke. Acht Berufsfelder werden den Jugendlichen von Ausbildern und Auszubildenden vorgestellt. Vom Flugbegleiter, über den Systemgastronomen bis hin zum Flugzeugmechaniker. „Wir haben eine repräsentative Auswahl zusammengestellt, die für alle Schulformen interessant ist“, erklärt Lufthansa-Sprecher Patrick Meschenmoser.

Derzeitet beschäftigt die Fluggesellschaft in Frankfurt 37 000 Mitarbeiter und bietet 50 Ausbildungs- und Studiengänge an. Trotz der anhaltenden Wirtschaftskrise bildet Lufthansa weiter aus, auch in diesem Jahr werden rund 300 Lehrlinge eingestellt, ein Großteil davon in Frankfurt. „Wir arbeiten dabei eng mit den Kommunen zusammen“, erklärt Ausbildungsleiter Martin Brandes. Alle Auszubildenden besuchen parallel die Gewerblich-Fachliche Schule in Offenbach. Der Trend gehe klar zu den technischen Berufen.

Fluggerätmechaniker - das könnte sich auch Tobias aus Mörfelden-Walldorf gut vorstellen. „In jedem Fall soll es etwas handwerkliches sein“, sagt der Neuntklässler. Das riesige Areal mit insgesamt 160 000 Quadratmetern, auf dem die Mechaniker ihren Dienst verrichten, hat Tobias beeindruckt. Im nächsten Jahr will er aber erstmal den Realschulabschluss machen. „Mal abwarten, vielleicht versuche ich dann hier unterzukommen.“

Auch René aus Hofheim sieht seine Zukunft im handwerklichen Bereich. In der Ausbildungswerkstatt ist er eifrig am werkeln und lässt sich vom Auszubildenden Hagen Hübner einweisen. „Mir gefällt eigentlich alles hier, am meisten interessiert mich die Instandhaltungstechnik“, sagt er.

Und wer weiß, vielleicht befindet sich unter den Teilnehmern der Schnuppertage ja tatsächlich der ein oder andere Lufthansa-Azubi von morgen.

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