Hessische Schullandschaft verändert sich rasant

G 8 fast wieder verschwunden

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2012 gab das Land für jeden Schüler an allgemeinbildenden Schulen 7100 Euro aus; der Bundesschnitt liegt bei 6800 Euro. Sieben Länder investierten mehr als Hessen, acht weniger.

Wiesbaden - Hessen gibt viel aus für seine Schulen, noch nie gab es so viele Lehrer. Doch in Vergleichen steht das Land nur mittelprächtig da, und nach dem Schlüssel für gute Bildung wird gesucht.

Anderthalb Monate vor Abschluss des hessischen Bildungsgipfels ist eine Einigung weiter ungewiss. Als Ergebnis könnte eine weitere Schulform dazugekommen, eine „Sekundarschule“ als dritte Form der Gesamtschule. Der heftige Streit über die Schulformen überlagert oft die Frage nach dem Ziel und den Rahmenbedingungen guter Bildung. Nachfolgend Fragen und Antworten zur Schulpolitik:

Welche Veränderungen hat Hessens Schulsystem in den vergangenen Jahren durchlaufen?

2011 wurde als neue Schulform die Mittelstufenschule eingeführt, die Haupt- und Realschüler anfangs zusammen unterrichtet. Auf der Agenda der früheren CDU/FDP-Regierung stand auch die Selbstständige Schule, die ihr Budget ganz oder teilweise selbst verwaltet. Die Versorgung mit Lehrern wurde auf rechnerisch 105 Prozent des Bedarfs erhöht. Seit 2011 stellen die Schulen von den hergebrachten Lehrplänen auf Kerncurricula um, die nicht mehr Inhalte, sondern Lernziele und angestrebte Fähigkeiten festlegen. In der Verwaltung wurde 2013 das umstrittene Landesschulamt erst eingeführt, nun wird es unter CDU und Grünen wieder abgewickelt. Die Lehrerausbildung wird reformiert.

Wie sieht die Entwicklung bei den Gymnasien aus?

Die ab 2004 in Hessen eingeführte verkürzte Gymnasialzeit G8 ist fast wieder verschwunden, seit Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) 2013 eine Rückkehr zu G9 ermöglicht hat. Nächstes Schuljahr wird es noch 20 Schulen mit G8 geben, 17 Gymnasien und drei Kooperative Gesamtschulen (KGS). Alle anderen sind wieder beim Abitur nach 13 Schuljahren (G9). An 18 Schulen läuft ein Schulversuch mit parallelem Angebot. Die Gymnasien bleiben die beliebteste weiterführende Schule.

Was passiert mit den anderen Schulen?

Die reine Hauptschule, die von immer weniger Schülern angewählt wird, steht vermutlich vor dem Aus. Beim Hauptschulabschluss soll es trotzdem bleiben.

Warum braucht das Schulsystem überhaupt Veränderung?

So leistungsfähig die Schulen in Hessen und in Deutschland insgesamt sind, es werden immer noch zu viele Kinder zu Schulverlierern. Und der Wirtschaft fehlen Fachkräfte. Auch wenn es Fortschritte gibt, hängt der Schulerfolg in Hessen Studien zufolge immer noch stark von der sozialen Herkunft ab. Dem Chancenspiegel der Bertelsmann-Stiftung von 2014 nach bleiben in Hessen mehr Kinder sitzen als im Bundesschnitt. In klassisch konservativer Sicht können diese Probleme im Rahmen des dreigliedrigen Schulsystems gelöst werden. Die linke Sicht ist, auf integrierte Systeme zu setzen. Die neue Schulforschung sieht eine möglichst frühe und individuelle Förderung und Ganztagsschulen als Ansatz, um soziale Nachteile auszugleichen.

Wie sind in Hessen die finanziellen Rahmenbedingungen?

Aus Sicht der Landesregierung war das Schulsystem nie besser ausgestattet mit einem Höchststand von 50.500 Lehrerstellen. Mit 5,1 Milliarden Euro ist der Kultusetat der größte Etat-Posten 2015. Allerdings lag Hessen bei den Schulausgaben zuletzt nur auf einem mittleren Platz.

Wird ein Rückgang der Schülerzahl das System entlasten?

Schwarz-Grün will den Schulen die „demografische Rendite“ lassen. Von derzeit 623 000 Schülern könnte die Zahl bis 2025 auf 555.000 sinken. Trotzdem sollen bis 2018 keine Lehrerstellen gestrichen werden. Indes verläuft der Rückgang weniger schnell als erwartet, die Zahl der Erstklässler ist wegen Zuwanderung stabil. Die „demografische Rendite“ macht für die nächsten Jahre etwa 500 Lehrerstellen aus. Doch Kultusminister Alexander Lorz (CDU) muss etwa 1000 Stellen für Ganztagsschule, Sprachförderung oder Inklusion umwidmen. Damit ist die Rendite verbraucht, weitere Stellen sollen bei Grundschulen und in der gymnasialen Oberstufe eingespart werden.

dpa

Quelle: op-online.de

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