Verbraucherschützer für mehr Transparenz

Schulkantine zu selten überprüft?

Offenbach (psh) - Nach dem Brechdurchfall-Ausbruch unter mehr als 10.000 Schülern in Ostdeutschland wird auch in Hessen über mehr Sicherheit diskutiert. Verbraucherschützer fordern Transparenz bei Kontrollen von Schulkantinen: Wird ungenügend kontrolliert?

Untersuchungen des Robert Koch-Instituts haben jetzt ergeben, dass mit Noroviren verseuchte Tiefkühl-Erdbeeren aus China mit hoher Wahrscheinlichkeit den massenhaften Brechdurchfall ausgelöst haben.

Die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch fordert unterdessen, dass die Kontrollergebnisse aus Schul- und Kita-Kantinen sowie bei Caterern nicht mehr wie „Staatsgeheimnisse“ behandelt werden. Es sollte offengelegt werden, wie intensiv Caterer überprüft werden, die an besonders empfindliche Verbrauchergruppen Menüs liefern.

Lebensmittelsicherheit und Transparenz

„Wer mehr Lebensmittelsicherheit und Transparenz der Überwachungssysteme will, kommt an Personalaufstockungen nicht vorbei“, heißt es bei Lebensmittelkontrolleuren in Hessen. Immer wieder ist auch in Rhein-Main von „Mangelverwaltung“ die Rede. So stehen für die 3600 Lebensmittelbetriebe im Kreis Offenbach lediglich fünf Kontrolleure zur Verfügung. Nach Angaben einer Sprecherin der Kreisverwaltung werden Schulkantinen mindestens einmal im Jahr unter die Lupe genommen, wenn Fertigessen ausgegeben wird. Bieten die Schulkantinen frisch gekochte Speisen an, kommen die Kontrolleure mindestens zweimal im Jahr vorbei. Weitere Kontrollen werden unter anderem durch Verbraucherbeschwerden ausgelöst.

Andrea Schauff, Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale-Hessen, kritisiert die überregionale Belieferung von Schulen und Kitas mit Essen: „Dies birgt Nachteile: Die Rückverfolgbarkeit der Lieferanten, Lieferwege und der Herkunft der Rohstoffe und damit die Feststellung der Infektionsquelle ist erschwert, wenig transparent und zeitaufwändig. Das führt zum Risiko der Ausbreitung der Infektionsquelle und zum Risiko, dass es zu Epidemien kommt.“

„Der billigste Anbieter bekommt den Zuschlag“

Nach Beobachtungen von Schauff zeigt sich zudem, dass „die häufig niedrigen Budgets für die Schulverpflegung dazu führen, dass große Catering-Firmen auch immer wirtschaftlichen Aspekten folgen: Der billigste Anbieter bekommt den Zuschlag“. Mit Blick auf die Infektionsquelle im aktuellen Fall, Erdbeeren aus China, widerspreche das Angebot den Forderungen der Verbraucherschützer für die Mittagsverpflegung in Schulen; besser sei eine dezentrale Versorgung mit Frischprodukten aus der Region auf kurzen Wegen in kurzer Zeit zum Ort der Mahlzeiten. Werden Produkte aus außereuropäischen Ländern verarbeitet, könnte nach Angaben der Expertin auch die mangelnde Überprüfbarkeit der gesetzlichen Standards für die Lebensmittelerzeugung zum Problem werden.

Quelle: op-online.de

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