Schulleiter sauer: Test überfordert viele Grundschüler

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Manfred Schiwy, Leiter der Gersprenzschule in Reinheim, äußerte sich (wie viele andere Pädagogen) „sehr verärgert“ über die organisatorische Umsetzung sowie die Zusammenstellung der Aufgaben in den Fächern Deutsch und Mathematik.

Offenbach/Dieburg ‐ Die Protestwelle rollt: Allein im Landkreis Darmstadt-Dieburg haben schon 70 Schulleiter in einem offenen Brief an Kultusministerin Dorothea Henzler die jetzt erstmals durchgeführten sogenannten Lernstandserhebungen für alle Drittklässler in Hessen heftig kritisiert. Von Peter Schulte-Holtey

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„Das ist eine Zumutung“

Manfred Schiwy, Leiter der Gersprenzschule in Reinheim, äußerte sich (wie viele andere Pädagogen) „sehr verärgert“ über die organisatorische Umsetzung sowie die Zusammenstellung der Aufgaben in den Fächern Deutsch und Mathematik. „Die Lesetexte sind im Verhältnis zur Arbeitszeit viel zu lang; vor allem schwächere Schülerinnen und Schüler kapitulieren angesichts der Fülle von Lesestoff“, rügt Schiwy. Zudem würden etwa in Mathematik schwerpunktmäßig Themen abgefragt, mit denen sich die meisten Drittklässler bis dahin noch nicht beschäftigt hätten, monierte der Verband Bildung und Erziehung, die Vertretung der Grund-, Haupt- und Realschullehrer in Hessen.

Zornig reagierte auch der Landesvorstand der Interessengemeinschaft hessischer Schulleiterinnen und Schulleiter. Kinder mit Migrationshintergrund würden deutlich benachteiligt. „Der Korrekturaufwand und die Dateneingabe mit etwa fünfeinhalb Stunden pro Fach und Klasse stehen in keinem Verhältnis zum Ziel der Lernstandserhebungen“, erklärte der Stadt- und Kreisvorsitzende des Verbandes im Bereich Offenbach, Michael Weis. Auch eine Studie des Mathematikdidaktikers Professor Christian Wittmann gibt dem Grundschüler-Test, der in mehreren Bundesländern eingeführt wurde, die Note „mangelhaft“.

Alexander Hirt, Sprecher des Kultusministeriums, versprach auf Anfrage unserer Zeitung eine „sorgfältige Analyse“. Er verwies zudem darauf, dass es um verbindliche Standards der Kultusministerkonferenz gehe, dort müsse nun über die Probleme diskutiert werden.

Quelle: op-online.de

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