Wahlfreiheit beim Abitur

Schulpolitik in Hessen: G9 wieder möglich

Wiesbaden - Die hessische Landesregierung hat einen Kompromiss zum Thema Gymnasialzeit umgesetzt: Im Landtag beschloss die Koalition aus CDU und FDP gemeinsam mit den Stimmen der Grünen, dass künftig wieder das Abitur nach neun Jahren (G9) möglich sein soll.

Die kürzere Gymnasialzeit bis zum Abitur sorgt in Hessen seit Jahren für hitzige Debatten - jetzt hat der Landtag nachgebessert. Gymnasien dürfen vom kommenden Schuljahr an selbst entscheiden, ob sie das Abitur nach acht (G8) oder neun Jahren (G9) anbieten. Das beschloss das Parlament am Freitag mit den Stimmen von CDU, FDP und den oppositionellen Grünen. Das Gesetz mache die Schulen selbstständiger und biete mehr pädagogische Freiheiten, sagte Kultusministerin Nicola Beer (FDP) in Wiesbaden. Das Land hatte die von neun auf acht Jahre verkürzte Gymnasialzeit bis zum Abitur vor knapp zehn Jahren eingeführt.

Lesen Sie dazu auch:

RHS-Eltern sehen Kinder benachteiligt

Einstimmig für neun Jahre

Langen: Gymnasium bleibt vorerst bei G8

Schuldebatte: Erstes Signal Richtung G9

Einhardschule: „Sind auf dem Weg zu G9

Rückkehr zu G9: In Ruhe überdenken

Hanau: G8 oder G9 oder beides

Will ein Gymnasium zum Schuljahr 2013/2014 zurück zu G9, muss die Schulkonferenz mit einer Zweidrittelmehrheit zustimmen. Alle neuen Schüler absolvieren dann das Gymnasium in neun Jahren. Schüler, die derzeit die fünfte oder sechste Klasse besuchen, dürfen nicht wechseln. Kooperative Gesamtschulen und dreizügige Gymnasien können im Rahmen eines Schulversuches G8 und G9 auch parallel anbieten. Die Schüler lernen in den ersten zwei Jahren unter G8-Bedingungen, um später auf Wunsch in eine G9-Klasse zu wechseln.

„Unschöne Szenen“

Ein Anspruch der Eltern auf G8 oder G9 an einer Schule in ihrer Nähe besteht durch das neue Gesetz nicht - kehren Gymnasien nicht zu G9 zurück, haben die Eltern keine Wahl. Die Grünen forderten deshalb eine Koordination von Angebot und Nachfrage. „In jedem Schulträger-Bezirk muss es das G8- oder G9-Angebot geben, das die Eltern wollen", sagte der bildungspolitische Sprecher, Mathias Wagner. Die Grünen hatten vergeblich vorgeschlagen, mit sogenannten Regionalkonferenzen für ein angemessenes G9-Angebot zu sorgen.

Die SPD hatte im Vorfeld die Abschaffung von G8 gefordert. Die Genossen wollen stattdessen eine sechsjährige Mittelstufe und anschließend einen flexiblen Weg zum Abitur. „Das wäre echte Wahlfreiheit", sagte Fraktionschef Thorsten Schäfer-Gümbel. Er erklärte das achtjährige Gymnasium für gescheitert. Dem schloss sich die Linken-Abgeordnete Barbara Cárdenas an. Seit Einführung von G8 bräuchten Schüler mehr Nachhilfe und psychologische Betreuung und hätten weniger Zeit für außerschulische Aktivitäten.

Die Christdemokraten wehrten sich gegen Vorwürfe, es sei ungerecht, aktuellen fünften Klassen die Rückkehr zu G9 grundsätzlich zu verweigern. In Schulen mit einem solchen Programm sei es zu Mobbing gekommen: Eltern, die G8 favorisierten, seien massiv unter Druck geraten. „Ich möchte nicht, dass sich solche unschönen Szenen wiederholen", sagte die Abgeordnete Claudia Ravensburg (CDU).

dpa

Entspannung in der Schule

Entspannen und abschalten: Unter dem Motto "Chill doch mal" lernen Schüler in der Geschwister-Scholl-Schule in Rodgau in einer AG wie sie ihren Stress bewältigen.

Zum Video

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare