Schutz für Umweltzone

Frankfurt -

(re) Die Stadt Frankfurt hat sich erstmals zur umstrittenen Erweiterung des Kohlekraftwerks Staudinger in Großkrotzenburg geäußert - und sich klar dagegen ausgesprochen. In einer Stellungnahme des Magistrats zum derzeit laufenden Raumordnungsverfahren heißt es, Frankfurt befürchte, „dass durch den Neubau eines großen Steinkohlekraftwerks in Großkrotzenburg die Effekte der Umweltzone konterkariert würden“. Umwelt- und Gesundheitsdezernentin Manuela Rottmann (Grüne) kritisierte, dass das Regierungspräsidium Darmstadt nur die Schadstoffemissionen in einem Umkreis von zehn Kilometern erörtern wolle. Das Vorhaben des Kraftwerksbetreibers E.ON habe jedoch Auswirkungen auf das gesamte Rhein-Main-Gebiet.

Als besonders kritisch gilt Rottmann zufolge neben Feinstaub auch der Schadstoff Stickstoffdioxid. Ab 2010 müsse hier ein Grenzwert von 40 Mikrogramm je Kubikmeter Luft eingehalten werden. „Vor diesem Hintergrund dürfen keine weiteren Anlagen zugelassen werden, die die Stickstoffdioxidkonzentration über das bisherige Maß hinaus erhöhen“, fordert der Magistrat in seiner Stellungnahme.

Rottmann verlangt zudem, in Raumordnungsverfahren nicht nur die Emissionen einzelner Kraftwerke zu prüfen: „Wir brauchen eine Studie, die die Gesamtbelastung des Rhein-Main-Gebietes berücksichtigt.“ Die derzeit geplanten und im Bau befindlichen Kraftwerke - von Mainz über die Ersatzbrennstoffanlage im Industriepark Höchst bis zu einem Gaskraftwerk in Griesheim - hätten „auf Jahrzehnte hinaus Einfluss auf die Lebensqualität der gesamten Region“.

Der Frankfurter Magistrat appelliert an das Regierungspräsidium, Alternativen zu dem Großkraftwerk zu prüfen. Dazu zählten Programme für bessere Stromeffizienz, mehr erneuerbare Energien, dezentrale Blockheizkraftwerke im Umkreis von 100 bis 200 Kilometern um Großkrotzenburg und ein kleineres Kohlekraftwerk.

E.ON will in Großkrotzenburg bis zum Jahr 2013 einen sechsten Block errichten, dafür sollen drei alte Blöcke stillgelegt werden. Der Konzern wirbt mit effizienterer Technik, das 1,23 Milliarden teure Projekt sei energiewirtschaftlich notwendig. Die Ausbaugegner dagegen fürchten eine höhere Umweltbelastung. Eine Bürgerinitiative und mehrere Umweltverbände wollen die Pläne verhindern. Aus ihrer Sicht sind Kohlekraftwerke nicht mehr zeitgemäß und schaden der Umwelt.

Die hessische CDU/FDP-Landesregierung befürwortet den Ausbau des Kohlekraftwerks. Im Frankfurter Römer regiert eine schwarz-grüne Koalition unter Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU), die relativ reibungslos funktioniert, kritische Themen wie etwa den Flughafenausbau jedoch ausklammert.

Quelle: op-online.de

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