Schwarzer Energie-Drink

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Unbändige Lust an der Bewegung bildet die Essenz von „Afrika! Afrika!“, dessen Bühnenversion noch bis zum Sonntag in der Alten Oper gastiert. Auf die Besucher wartet schwarze Energie pur, garniert mit sehr guten artistischen Einzeldarbietungen.

Frankfurt - Wippende Baströckchen, weiße Zahnreihen, rollende Augäpfel in schwarzen Gesichtern, stampfende Füße, knallbunte Gewänder, glänzende Muskeln und zuckende Frauenhüften - ja, so ist Afrika. Ist es natürlich nicht, aber „Afrika! Afrika!“, das ist so. Von Michael Eschenauer

 Mögen sich die Kritikaster über die „Reduzierung eines ganzen Kontinents auf Volkstanz-Niveau“ aufregen, - die Show, die noch bis Sonntag in der Alten Oper gastiert, bringt zumindest Lebensfreude pur. Eine gute Basis, um sich intensiver auf Afrika einzulassen.

Bisher haben drei Millionen Menschen die im Jahre 2005 vom genialen Österreicher André Heller (Flic-Flac, Begnadete Körper) erdachte Show gesehen. Sie zählt zu den erfolgreichsten Produktionen circensischer Art weltweit. Am Dienstagabend war Premiere in Frankfurt.

Die 80 Künstler aus verschiedenen Regionen Afrikas brachten das Konzerthaus mit dem Motto „Dem Wahren Schönen Guten“ zum Beben. Zwar wirkt die Bühnenversion dieses Cocktails aus Tempo, Energie und Lebensfreude ein Quäntchen gedämpfter und kürzer als die opulente Zeltausgabe, dennoch überzeugten die dunkelhäutigen Gäste das ausverkaufte Haus. Rückhaltlose Begeisterung, wie man sie bei früheren Gastspielen erleben konnte, blieb allerdings aus.

Die Show wird geprägt von den Einzeltänzern und den Tanzformationen. Die Künstler scheinen sich weniger als ihre Kollegen in der sogenannten Ersten Welt der Exaktheit von Drehung und Beugung verschrieben zu haben, sondern schier aus Freude an der Bewegung an sich wie Derwische über die Bühne zu wirbeln. Mit ihren archaischen Masken und Kostümen, ihren Fabeltieren und ihrem Gesang generieren die Tänzer jenen Strom, aus dem immer wieder Einzelstars herausragen. So die Jonglage mit Schüsseln des lebenden Springbrunnens Dickson Oppong (Ghana), die unglaublich biegsame Schlangenfrau Nokulunga Buthelezi (Südafrika), der Spinnenmann „Yoga Yoga“ alias Michael Elisa Mondosha (Tansania), aber auch die Menschenpyramide (Gabun und Tansania).

Das Ganze ist hochdynamisch, es bleibt keine Zeit zum Luftholen. Und laut ist es auch dank der zehnköpfigen Band mit ihrem reichhaltigen, ebenfalls afrikanisch geprägten Instrumentenfundus.

„Afrika! Afrika!“ gastiert bis 7. Juni in der Alten Oper. Karten für 39 bis 89 Euro gibt es unter 069-1340400, an allen bekannten Vorverkaufsstellen oder unter http://www.afrika-afrika.com

In jüngerer Zeit steht das Publikum auf ein Konzept, das in der Branche „Emo-Zirkus“ genannt wird. Da geht es besinnlich, halt „emotional“, zu. Etwa so, dass zur Entspannungsmusik die Trapeztruppe erstmal länger kuschelt, bevor sie sich dazu entschließt, ein paar Saltos zu schlagen. „Afrika! Afrika!“ ist Zirkus für die andern. Für die, die sich Augen und Ohren mal so richtig durchblasen lassen wollen.

Quelle: op-online.de

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