Schwarz-rote Urnen für die Eintracht-Fans?

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Bestattungsunternehmerin Heike Rath mit ihrer „Eintracht-Urne“. Für echte Fans des Erstligisten will sie künftig eine besondere Art der Bestattung anbieten. Doch „Eintracht Frankfurt“ lehnt einen offiziellen Segen für die Geschäftsidee ebenso ab wie eine Freigabe der Eintracht-Symbole und die Zulassung einer Anzeige in der Vereinszeitung.

Frankfurt - „Wir sehen hier keinen Gesprächsbedarf mehr. Die Eintracht lehnt es ab, Geschäfte mit dem Tod zu machen. Das widerspricht unserer Auffassung von Pietät“, Carsten Knoop, Sprecher der Eintracht, gab sich gestern eisenhart und zugeknöpft in einer pikanten Angelegenheit. Von Michael Eschenauer

Eine Frankfurter Bestattungsunternehmerin will echten Fans des Erstligisten einen besonderen postmortalen Service angedeihen lassen: Künftig soll es für sie Särge oder fußballförmige Urnen in den Vereinsfarben geben. Farben und Formen dürften der Bestatterin kaum Reibereien mit der Eintracht bescheren. Eher schon die Verwendung des offiziellen Namenszuges und des Adler-Emblems - alles markenrechtlich geschützte Symbole, Missbrauch wäre justiziabel. Man bestehe nicht auf dem Namenszug oder dem Adler, aber schön wäre es schon, wenn man die Insignien nutzen dürfte, meint Heike Rath, Geschäftsführerin des Beerdigungsunternehmens Schwind.

Es gibt noch eine weitere Kampfzone beim Ringen um die ultimative Fan-Bestattung: Rath möchte in der offiziellen Vereinszeitung der Eintracht inserieren, um Kunden direkt an der Quelle zu gewinnen - doch das lehnt der Verein ebenso ab wie die Verwendung von Adler-Figur und Eintracht-Schriftzug als festem Bestandteil des Angebots von „Schwind Bestattungen“. Eine Anzeige im Vereinsblatt, so die Begründung der Ablehnung, wäre gleichbedeutend mit dem offiziellen „Segen“ der Eintracht für die Geschäftsidee. Rath, deren Familie in der dritten Generation Menschen beerdigt, will dummerweise exakt dies. Der Verein müsse hinter dieser Art der Trauerfeier stehen, „damit die Fans ein gutes Gefühl haben“, so Rath. Das sei eine Welt, die sich nur eingefleischten Anhängern erschließe. „Die schlafen ja auch in Eintracht-Bettwäsche.“

Die findige Bestatterin hat Phantasie. Schon denkt sie an Arrangements mit schwarzrotem Kiefernsarg, drapierten Eintrachtschals, ausgestreuten Rosenblättern samt Fußballschuhen aus Moos und kann die Ablehnung, die ihr entgegenschlägt, nicht verstehen. Jeder Mensch habe doch das Recht, so bestattet zu werden wie er dies wünsche. „Die einen wollen zum Beispiel weiß gekleidete Trauergäste, andere nur Lilien am Grab oder eine bestimmte Sargform“, argumentiert sie. Manche wiederum wünschten sich bereits zu Lebzeiten spezielle Musiktitel oder Blumen, für ihre Abschiedsfeier, sagte sie gestern.

„Themenbestattungen“ gebe es weltweit. In England beerdige man die Asche von Fußball-Fans unter dem Spielrasen. Der HSV habe in Hamburg einen „Fan-Friedhof“ in Nähe des Stadions hergerichtet, auf dem die Gräber sozusagen um ein fiktives Spielfeld gruppiert seien. Ähnlich gehe Schalke mit dem Thema um und bewerbe entsprechende Angebote. „Nur die Eintracht sperrt sich“, ärgert sich Rath.

Ihr scheint die Sache ernst. „Ich verkaufe ja kein Shampoo mit Eintracht-Emblem, das keiner braucht, sondern etwas, das jeden angeht, eine Dienstleistung, die jeder früher oder später in Anspruch nehmen muss.“Deshalb sei ihr Wunsch nur allzu berechtigt, die Leser der Eintracht-Vereinszeitung über das neue Angebot informieren zu können. Das Werbeverbot sei eine völlig überflüssige Tabuisierung. Außerdem seien „Fan-Bestattungen“ nicht teurer als normale. 15 bis 20 Anfragen hat die Bestatterin bereits entgegengenommen. Eine Umfrage beweise das große Interesse an dem Angebot.

„Wir haben rein gar nichts dagegen, dass Fans bei ihrer Beerdigung Eintracht-Fahnen benutzen, Fanlieder gesungen oder die Trikots getragen werden. Das ist Privatsache“, so Knoop. Bei Raths Geschäftsidee verhalte sich die Sache aber anders. Die Firma Schwind wolle, dass der Verein offiziell ihre Geschäftsidee unterstütze. Die Eintracht aber lehne es ab, dass hier ein Geschäft mit dem Tod gemacht und in diese Richtung geworben werde. Das Thema, so Knoop, sei hierfür einfach zu ernst.

Möglicherweise hätte Rath den Ball etwas flacher halten sollen. In Dortmund, so Medienberichte, gibt es ein ähnliches Angebot. Aber der betreffende Bestatter verkniff es sich, bei den Vereinen offiziell um Erlaubnis anzufragen. Des weiteren strich man den Begriff „Fan-Bestattung“ und die Verwendung von Logos. Trotzdem können sich die Fans durch die Wahl der Farben - schwarz-gelb für Borussia und blau-weiß für Schalke - problemlos mit ihrem Verein identifizieren. Auf Werbung verzichtet der Unternehmer ganz. Die Sache sprach sich auch so herum.

Quelle: op-online.de

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