Nur selten oder gar nicht auf dem Speiseplan

Schweinefleisch kein Renner in regionalen Kitas

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Frikadellen aus Schweinefleisch - für viele Kinder ist das keine Delikatesse mehr, sie greifen lieber zu Hähnchen oder Fisch.

Offenbach - In den Kitas der Region wird immer weniger Schweinefleisch angeboten. Die Gründe sind vielfältig und keineswegs immer religiös bedingt. Von unseren Redaktionen

In Dänemark wurde jüngst ein „Frikadellenkrieg“ angezettelt. Im Land mit dem höchsten Schweinefleisch-Verzehr pro Kopf in Europa hatte eine Kita mit Blick auf muslimische Kinder den Verzicht beschlossen. Es hagelte Proteste, sechs von zehn Dänen gaben in Umfragen zu Protokoll, sie würden den Verzehr gerne zur Pflicht machen. In Randers in Ostjütland, wo sich die Geschichte abspielte, muss per Gemeinderatsbeschluss das saftige Fleisch nun auf dem Speiseplan aller Kitas und Schulen stehen - zur Rettung der „dänischen Esskultur“.

Hierzulande findet sich Schweinefleisch in Form von Frikadellen, Schnitzeln oder Würstchen immer seltener auf den Tellern von Kita-Kindern. Zwar spielt dabei die Rücksichtnahme auf muslimische Kinder eine Rolle, viel wichtiger aber ist: Es wird einfach immer weniger oder gar nicht mehr nachgefragt, wie mehrere Kita-Betreiber in der Region, sowohl städtisch wie kirchlich, auf Anfrage unserer Zeitung erklären. Hähnchen, Fisch oder Kalbfleisch sind den Kindern offenbar viel lieber, ist aus den Kommunen zu hören. Hinzu kommt: Allergien, vegetarische und vegane Ernährung haben den Speisezettel in den vergangenen Jahren gründlich umgekrempelt. In Dietzenbach etwa steht schon seit mehr als zehn Jahren Schweinefleisch nicht mehr auf dem Essensplan der Kindertagesstätten, wie Walter Fontaine, Fachbereichsleiter „Soziale Dienste“ berichtet. Gleiches gilt für das Mittagsangebot in den städtischen Kitas Dreieichs. Aus Offenbach, Heusenstamm und Seligenstadt heißt es, in den städtischen Kitas gebe es weiterhin Schweinefleisch, aber selten. Wenn es auf dem Speiseplan stehe, würden Alternativen angeboten. In der Schulkinderbetreuung der Heusenstammer Grundschulen ist es schon lange gestrichen, da der Caterer es gar nicht mehr im Angebot hat.

Die Pressesprecherin der Stadt Rodgau, Sabine Fischer, berichtet: „Wir bieten in den Einrichtungen auch Schweinefleisch an. Es gibt immer auch eine Alternative für Kinder, die zum Beispiel aus religiösen Gründen kein Schweinefleisch essen dürfen. Unser Speiseplan richtet sich nach den Vorgaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE).“ Die sehen möglichst wenig Fleisch, dafür Fisch und Obst und Gemüse vor. Auch Angelika Hirsch-Flügel vom städtischen Fachdienst Kinderbetreuung in Langen beruft sich auf „die Aussagen zur kindgemäßen Ernährung der DGE“, die „für alle städtischen Kitas“ gelten würden.

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Mehrere kirchlich getragene Einrichtungen verweisen beim Umgang mit Schweinefleisch auf ihr pädagogisches Konzept. So sagt etwa Claudia Treichel, die kommissarische Leiterin der evangelischen Kita Rappelkiste in Langen, ihre Einrichtung sei offen für Kinder aller Religionen und somit würden auch die jeweiligen Glaubensgrundsätze in Sachen Ernährung berücksichtigt. Aus dem Evangelischen Dekanat Offenbach heißt es, die Essenspläne würden vom Kita-Ausschuss jeweils mit den Eltern abgestimmt. Unisono betonen die Kita-Verantwortlichen: Ob Fleisch, Fisch oder Gemüse auf den Tisch komme, am wichtigsten sei die Qualität.

Quelle: op-online.de

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