Schamlos eingängig

Verspäteter St. Patrick´s Day: The Script in Frankfurt

Frankfurt - Verspäteter St. Patrick´s Day in Frankfurt: The Script, die „Superhelden“ aus Dublin, verlegen den irischen Nationalfeiertag kurzerhand in den August und bespaßen in der Jahrhunderthalle rund 3500 enthusiastische Anhänger mit schamlos eingängigen Pop-Hymnen. Von Peter H. Müller

Die Zutaten: Ein klug gemixter Sound, der die Beatles, U2 und Coldplay zitiert, ganz viel „Energie, die niemals stirbt“, und ein Frontmann, der unter spitzen Jubelschreien seiner Fans auf Tuchfühlung geht. Hat man auch nicht oft: Selfie-Alarm schon in der ersten Minute. Da springt nämlich Danny O´Donoghue zum Folk-untermalten Opener „Paint the Town Green“ schön sportiv von der Bühne und herzt alle, die in der ersten Reihe stehen. Zwei Songs - „Hail Rain or Sunshine“, „Breakeven“ - später gibt es das verbale „Hallo Frankfurt!“ und die gute alte Hüpfburg-Formel „Are you ready to jump?“.

Die Botschaft dahinter: Wir Iren, und das gilt für genauso für Gitarrist Mark Sheehan wie für Drummer Glen Power, sind ein sehr nahbares, authentisches Rockstar-Trio - und in unseren Songs stecken mindestens so viele Emotionen wie es Versatzstücke aus der Pophistorie zu entdecken gibt. Vielleicht ist das auch ein Grund für den kometenhaften Aufstieg der Band, die seit ihrem selbstbetitelten Debütalbum 2008 mehr als 20 Millionen Tonträger verkauft und mit „Hall of Fame“ einen Welthit gelandet hat.

Die ganz eigene, konsequente Mitmach-Attitüde, die jeden The-Script-Gig umweht, zeigt denn auch in Frankfurt ihre Wirkung - trotz nervigem Lightshow-Gewitter, dauerrotierenden LEDs und ein bisschen Mummenschanz im mehrfach eingesetzten Gegenlicht, das nur noch die Silhouetten der drei Musiker erkennen lässt.

Als Kompensation liefern sie dann aber Hits, die immer und vorsätzlich das Publikum mit einbeziehen: „Superheroes“, „We cry“, „Man on Wire“ (mit einer langen Ansage von Mark Sheehan zur Entstehungsgeschichte des Songs) oder „Good Ol´ Days“ - The Script balladieren oder rocken mit und für ihre Fangemeinde, die kollektiv euphorisch jede Aufforderung zum Mitsingen liebend gerne umsetzt. Stilistisch gibt es da ja schließlich einiges Bewährtes zu bejubeln: das Hymnische von U2, das Melodische der unverwüstlichen Beatles, die Soul-/HipHop-Elemente, die O´Donoghue und Sheehan während ihres USA-Arbeit mit den Neptunes oder Teddy Reilly eingeatmet haben - und nicht zuletzt diesen grundpositiven Coldplay-Gestus, der jedes Konzert zur Gemeinschafts-Party macht.

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Wenn dann Danny O´Donoghue zu „You Won´t Feel a Thing“ auch noch auf den Balkon stürmt, und händeschüttelnd durch die Reihen joggt, tut das ein Übriges - ungeachtet dessen, dass die Show nach gerade mal 55 Minuten vorüber ist. Wenigstens ist der Zugabenblock üppig, mit dem programmatischen „The Energy Never Dies“ und einem entzückend atmosphärischen „Hall of Fame“-Finale, das die Jahrhunderthalle - allen Handys sei Dank - in ein einziges Lichtermeer verwandelt. Danach - nein, was war das wieder schön - kann es dann endgültig beseelt in die laue Sommernacht gehen.

Quelle: op-online.de

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