Australian Pink Floyd Show: eine würdige Kopie

Die Sehnsucht fast gestillt

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Nebel, Licht, Gitarrenriffs und Rockröhre treiben sehnsuchtsvollen Pink-Floyd-Fans in der Festhalle Tränen in die Augen.

Frankfurt - Der Gott der heiligen Rock-Mucke sprach: Es werde Licht. Und siehe, es ward gleich eine ganze Laserbatterie. Aber auch ein pinkfarbenes Känguru. Und Donald Trump mit Schweinsnase. Von Peter H. Müller

The Australian Pink Floyd Show, ihres Zeichens die erfolgreichsten Cover-Veteranen des Planeten, zelebrierten in Frankfurt „Das Beste vom Besten“ der Psychedelic-Rock-Helden. Auf coole Art. Die Originale wären wohl ähnlich begeistert wie die gut 2 500 jubelnden Fans in der Festhalle. Ehrlich: Als unverbesserlicher Pink-Floyd-Anhänger bleibt einem ja gar nichts anderes übrig als Kopie. Kreativkopf Syd Barrett duselte schon Ende der 1960er im Drogen-Wahn und starb 2006, dann verlor Ur-Floydianer Richard Wright 2008 den Kampf gegen den Krebs. Und dass die Dauer-Streithähne Roger Waters und David Gilmour noch einmal gemeinsam als „Pink Floyd“ auf eine Bühne klettern, dürfte so wahrscheinlich sein wie die Angelegenheit mit der Erde als Scheibe.

Was aber offenbar bei unverbesserlichen Rock-Nostalgikern bleibt, ist die brennende Sehnsucht nach dem Live-Sound der legendären Mannen. Die stellten damals immerhin etwas völlig Neuartiges, Zeitloses, Episches, zuweilen auch grandios Verkopftes an Hör-Herausforderungen auf die Bretter. Seit 1988 werkelt nun die australische Combo so meisterhaft an der Wiederbelebung der magischen Briten, dass David Gilmour sie persönlich schon zu seinem Fünfzigsten geladen hatte, um festzustellen: „Die sind besser als wir!“

Wer also genervt „Ersatzbefriedigung“ stöhnt, hat Steve Mac (Gitarre/Gesang), Paul Bonney (Drums), Mike Kidson (Sax) und Co noch nicht selbst gesehen. Was in Frankfurt mit dem Frühwerk „Astronomy Domine“ ziemlich vertrackt eröffnet, wird zu einem zweistündigen Sound-Spektakel, das in der Tat großartig authentisch wirkt. Mal abgesehen davon, dass sich die kauzigen Kopisten aus Down Under ein paar Extravaganzen – etwa das grinsende Riesen-Känguru oder Didgeridoo-Einsätze – leisten, steht nicht nur Pink Floyd drauf, es ist auch Pink Floyd drin in diesem bis ins Detail ausgeklügelten, audiovisuellen Gesamtkunstwerk.

Es strahlen: „Shine on You Crazy Diamond“ mit seinem elendiglich schönen Intro und Damen-Chor; „Time“, zu dem die Laserpointer das erste Mal angeworfen werden; „Wish You Were Here“, mit dem Sänger Chris Barnes sich den Ritterschlag verdient – und natürlich „Another Brick in the Wall“. Dafür schwingt ein sprichwörtlich aufgeblasenes XL-Lehrermonster drohend den Stock. Bereits zur Halbzeit darf der geneigte Zuhörer getrost seinen Crocodile-Dundee-Hut ziehen.

Nach der Pause geht’s weiter: mit der Anti-Kriegs-Hymne „Fletcher Memorial Home“ und „One of These Days, einem, ach was, dem bombastischsten Instrumental-Stück der Rockgeschichte. Schließlich dröhnt es auch schön psychedelisch („Set the Controls for the Heart of the Sun“), quasi Pink Floyd in Reinkultur. Präzise gespielt, mit bretthartem, aber glasklarem Sound. Da bleibt am Ende ein wahrlich herziger Gestus, alle Nostalgiker und Zu-Spät-Geborenen mal wieder bestens verarztet zu haben. Gut so.

Roger Waters mit "The Wall" in Frankfurt

Quelle: op-online.de

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