Verkehr

Frust über Bahnübergang Frankfurter Straße: „Wir brauchen jetzt Lösungsmöglichkeiten“

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Bahnübergang Frankfurter Straße in Seligenstadt: „Wir brauchen jetzt Lösungsmöglichkeiten“. 

An den heruntergelassenen Schranken am Bahnübergang Frankfurter Straße in Seligenstadt beißen sich die Stadtverordneten seit vielen Jahren die Zähne aus. 

Seligenstadt – Auch nach dem jüngsten CDU-Befreiungsversuch dieser Tage stehen die Chancen auf kürzere Wartezeiten, weniger lange Staus oder einen besseren Verkehrsfluss kaum günstiger. Schließlich fand die Unions-Initiative trotz engagierter Redebeiträge keine Mehrheit. Aber der ewige Blockierer, der schon aufgrund seiner schieren Größe die Identifizierung eines zuständigen Ansprechpartners erschwert und bislang jede Initiative aussitzt, ist ausgemacht: die DB Netz AG.

Obwohl auch nach Koalitionsansicht in der Sache viel für die wütende CDU-Initiative spricht, lehnten SPD, FDP und FWS den Antrag mit Verweis auf „schlechtes Timing“ geschlossen ab. Die CDU wollte den Magistrat mit einem „Konzept zur Verbesserung der Verkehrssituation aller Verkehrsteilnehmer“ beauftragen. 

Die Situation für Autofahrer, Fußgänger und Radfahrer könne kein dauerhafter Zustand bleiben. Und wenn die Westring-Bebauung anlaufe, führe das zu einer inakzeptablen Zunahme des Verkehrs am „Flaschenhals“, erhöhe das Gefahrenpotenzial. „Wir brauchen jetzt Lösungsmöglichkeiten“, appellierte CDU-Politiker Johannes Zahn, und da sei der CDU-Antrag „der erste Schritt in die richtige Richtung.“ CDU-Fraktionschef Joachim Bergmann orakelte: „Aber wenn die Verwaltung Beschlüsse nicht umsetzt, passiert auch nichts.“ Dann gehe alles eben aus wie das Hornberger Schießen.

Seligenstadt: Lange Wartezeiten an Bahnübergang - Umgehungsstraße als Lösung?

Die Autoschlangen bei geschlossener, aber auch bei geöffneter Bahnschranke sind nicht zu übersehen. Zusätzlich zu den Einschränkungen durch den Zugverkehr kommen die Fußgängerampel, eine unübersichtliche Ein- und Ausfahrt zur Eisenbahnstraße und eine für viele Verkehrsteilnehmer unverständliche Radverkehrsführung hinzu, hatte Bergmann in seiner Antragsbegründung aufgezählt.

Die Situation scheint verfahren und ausweglos. Gibt‘s denn gar keine Linderung? Doch, die gibt es, sagt der SPD-Politiker Michael Hollerbach. Erfolgversprechender Ansatz sei eine Verkürzung der Schrankenschließzeiten. Zu dieser Thematik hatte die Stadtverordnetenversammlung vor einem Jahr einstimmig einen entsprechenden Beschluss gefasst und Vorschläge unterbreitet, doch passiert ist nichts. Wieder mal, sagte Hollerbach. Die Stadt führe seit 25 Jahren in Sachen Modernisierung Gespräche - mit wenig Erfolg. In Seligenstadt ist man gar der Ansicht, die Verhandelei habe „zu einer Eiszeit“ geführt.

Wichtiger als der CDU-Antrag, so Bürgermeister i.R. Rolf Wenzel (SPD), „wäre die komplette Umgehungsstraße“. Der Planungsauftrag stamme aus dem Jahr 2015, passiert sei nicht viel: „Da sieht man die Ernsthaftigkeit der Straßenplanung in Wiesbaden.“ Außerdem hätten vor Ort die Projekte Kapellenplatz, Bahnhofsplatz und Westring Vorrang, da komme der CDU-Antrag schlichtweg zur Unzeit. Es sei jedenfalls nicht sinnvoll, Geld für Planungen auszugeben, „die zu keinem Ergebnis führen.“

Erster Stadtrat Michael Gerheim (SPD), der vom „Moloch“ Bahn sprach, rief die Jahre 1999/2000 in Erinnerung. Schon damals war der Bahnübergang an der Frankfurter heiß diskutiert. Doch hatte eine in Auftrag gegebene Untersuchung überraschende Ergebnisse gebracht: Demnach hat das Fußgänger-Rot nur relativ geringe Auswirkungen, die Ursachen der Staus seien die hohe Verkehrsbelastung und die Rot-Phasen der Schranken. 

Seligenstadt: Ortsumgehung und eine Unterführung für Fußgänger bereits diskutiert

Zwei Lösungsmöglichkeiten seien damals diskutiert worden, referierte Gerheim: eine Ortsumgehung und eine Unterführung für Fußgänger und Radfahrer. Während die Entlastungswirkung nach Fertigstellung des dritten Umgehungsabschnitts unbestritten ist, kamen die Experten bei der Unterführung zu einer unerwarteten Bilanz: Damit könne lediglich die Verkehrssicherheit verbessert werden. Als Konsequenz stellte die Stadt damals alle Planungsbemühungen ein.

Grünen-Politikerin Adina Biemüller stellte die Bahnübergangsthematik in den verkehrlichen Gesamtzusammenhang der „Planung rund um den Bahnhof“. Zwar sei die Stadt dort ein großes Stück vorangekommen (geplante zentrale Busumsteigestelle, Ausführungsvariante), doch vom großen Ziel, das „die verkehrstechnische Neuordnung des Knotenpunktes Frankfurter Straße, Dudenhöfer Straße, Eisenbahnstraße und Bahnübergang mit einbezieht“, sei, auch mit Blick auf die Radwegführung, nicht viel übrig geblieben. 

Zwar seien auch die Grünen dafür, die Planung in der Eisenbahnstraße, den Umbau des Kapellenplatzes und die Fertigstellung des dritten Umgehungsabschnitts abzuwarten, doch „glauben wir nicht an Wunder.“ Deshalb sei der CDU-Antrag unter dem Motto „Besser spät als nie“ unterstützenswert.

VON MICHAEL HOFMANN

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