Mehr Platz, mehr Licht, mehr Luft

Umbau im Senckenberg Forschungsinstitut

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Der Rückbau der abgehängten Decken im neobarocken Jügelbau hat diese Stuckdecken zum Vorschein gebracht, die nach Möglichkeit erhalten werden sollen.

Frankfurt - Baulärm dringt durch das Gebäude, Decken und Wände liegen bloß - das Innere des Jügelbaus ist nicht wiederzuerkennen. Doch schon in drei Jahren sollen hier Naturwissenschaftler, ausgestattet mit allem technischen Komfort, forschen können. Von Christian Riethmüller

2018 sollen Umbau und Erweiterung des Senckenberg Forschungsinstitut abgeschlossen sein. Im Senckenberg-Naturmuseum in Frankfurt herrscht an diesem Mittwochvormittag die übliche Betriebsamkeit. Schulklassen wuseln durch die Ausstellungsräume, während andere Besucher in die Betrachtung der Ausstellungsvitrinen vertieft sind oder die berühmten Dinosaurier bestaunen. Nur wenige Meter wird derweil gehämmert, geklopft oder eine Betonplatte gegossen. Seit rund acht Monaten läuft der größte Umbau in der Geschichte des Forschungsinstituts, das einige frühere Gebäude der Goethe-Universität wie den Jügelbau übernommen hat. Wie Projektleiter Gerd Mangel und Architekt Peter Kulka gestern berichten, liegen die Arbeiten derzeit sowohl zeitlich als auch finanziell im Plan. „Gerade bei den Kosten ist das ja bei öffentlichen Bauten nicht selbstverständlich“, sagte Mangel, der zudem daran erinnerte, dass der Kostenplan aus dem Jahr 2009 stammt.

Für gut 117 Millionen Euro werden die 100 Jahre alten Gebäude zu beiden Seiten des Senckenberg-Museums modernisiert und um 10.000 Quadratmeter Fläche erweitert. Mit dem Museum sollen die beiden Gebäude - der Jügelbau und die Alte Physik - mittels gläserner Brücken verbunden werden. In den beiden Gebäuden sind die Arbeiten schon gut vorangekommen. Wie Mangel berichtet, sind feuchte Keller trockengelegt und 1100 Quadratmeter Außenmauerwerk neu abgedichtet worden. Zwischenwände und nicht tragende Elemente wurden entfernt und etwa 3000 Tonnen Schutt abtransportiert.

Einen Teil dieses Schutts bildeten die Deckenabhängungen im Jügelbau, die in dem neobarocken Gebäude in den 60er Jahren angebracht worden waren. Ihr Rückbau brachte nun gut 400 Quadratmeter Stuckdecke zum Vorschein, die nach Möglichkeit erhalten werden soll. Wie Peter Kulka und seine Kollegin Katrin Krüger sagen, sollen fehlende Stuckornamente allerdings nicht rekonstruiert werden. Wo der Stuck irreparabel zerstört ist, soll nur die Struktur fortgeführt werden. „Muster laufen an den zerstörten Stellen aus“, sagt Krüger.

Obwohl noch Baustelle, wirken die entkernten Gebäude nun wieder luftig, offen und groß. Vor allem der Jügelbau ist im Inneren kaum wiederzuerkennen. Wo früher eine Wand aus Glasbausteinen oder labyrinthische Gänge ein Gefühl der Enge provozierten, ist nun wieder freier Raum. Dieser wurde auch gewonnen, weil sich die Planer dazu entschieden hatten, einen Aufzug im Seitentrakt zu verlegen, um so wieder ein lichtes Treppenhaus zu erhalten. Im Foyer soll zudem eine frühere Öffnung in der Decke wiederhergestellt werden, um den Blick nach oben zu lenken.

Wie Gerd Mangel sagt, sollen die Arbeiten in der Alten Physik und teilweise auch im Jügelbau im September 2016 fertiggestellt sein. Dann steht auch bald die Antwort auf die vieldiskutierte Frage nach der Farbe des Dächer auf den beiden Gebäuden an. Die silbergraue Einfärbung auf den Simulationen sorgte bei Kritikern jedenfalls nicht für Jubel. Doch wie die Entscheidung auch ausfällt, Senckenberg-Direktor Volker Mosbrugger ist sich seines Urteils schon gewiss: „Ich bin überzeugt, das wird supergut“.

Quelle: op-online.de

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