Aktiv ins Alter

Eine Generation will aussteigen

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In den nächsten 15 Jahren erreichen etwa 20 Millionen Menschen das Rentenalter. Aber nicht einmal jeder Dritte will bis dahin Vollzeit arbeiten. An Alternativen fehlt es allerdings noch.

Frankfurt - In den nächsten 15 Jahren erreichen etwa 20 Millionen Menschen das Rentenalter. Aber nicht einmal jeder Dritte will bis dahin Vollzeit arbeiten. An Alternativen fehlt es allerdings noch. Von Lena Marie Jörger

Die Baby-Boomer kommen ins Rentenalter. Bis 2029 stehen etwa 20 Millionen Menschen vor dem Ausstieg aus dem Berufsleben - für Gesellschaft, Sozialkassen und nicht zuletzt für den Arbeitsmarkt eine große Herausforderung. Experten appellieren an Unternehmen, ihren Beschäftigten mehr Angebote zu machen, den Übergang in den Ruhestand flexibel zu gestalten. Bislang ohne großen Erfolg.

Zwei Drittel der deutschen Arbeitgeber bieten keinerlei Maßnahmen an, den Übergang zwischen Job und Rente flexibel zu gestalten. Das ergab eine repräsentative GfK-Studie, die die Initiative Beruf und Familie in Auftrag gegeben hatte. Die Umfrage zeigte, dass nur 15 Prozent der Unternehmen vorhaben, künftig solche Modelle anzubieten. Sie erwarten stattdessen, dass zwei Drittel (61 Prozent) ihrer Beschäftigten bis zum gesetzlichen Renteneintrittsalter Vollzeit weiterarbeitet.

Ein Wunsch, den die Mehrheit der Arbeitnehmer nicht teilt: 26 Prozent wollen in den Jahren vor der Rente nur noch Teilzeit arbeiten, 34 Prozent würden zwar Vollzeit arbeiten, allerdings gerne vorzeitig in den Ruhestand gehen. Kaum auf Zustimmung stößt dagegen das Modell, vor und nach Beginn der Rente reduziert erwerbstätig zu sein (drei Prozent).

Große Diskrepanz zwischen Arbeitgeber und Realität

„Es besteht eine große Diskrepanz zwischen dem, was sich Arbeitgeber wünschen, und der Realität“, bedauert Stefan Becker, Geschäftsführer der Initiative Beruf und Familie. „Bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf setzen die Betriebe mittlerweile viele individuelle Flexibilisierungskonzepte um. Beim Übergang von der Erwerbstätigkeit in die Rente halten sie dagegen noch an nur einem starren Modell fest“, kritisiert er.

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Wie die Studie zeigte, wünscht sich gut die Hälfte der befragten Arbeitnehmer (56 Prozent), den Übergang vom Job in die Rente flexibler gestalten zu können. „Viele Angebote der Betriebe treffen aber gar nicht den Bedarf der Arbeitnehmer“, sagt Becker. Vor allem der Wunsch nach flexibleren Arbeitszeitmodellen steht für Beschäftigte im Vordergrund (75 Prozent). „Das würde auch neue Räume für ehrenamtliches Engagement schaffen“, erklärt Becker, und die Umfrage gibt ihm Recht: Gut ein Drittel der Erwerbstätigen würde mit der gewonnen Zeit ein Ehrenamt beginnen oder ausbauen. „Denn es ist ein Trugschluss zu glauben, dass jemand Vollzeit arbeitet, dann in Rente geht und sich ab diesem Zeitpunkt ehrenamtlich engagiert, die meisten machen das schon vorher parallel.“

Attraktive Arbeit im Alter

Immerhin: 57 Prozent der Arbeitgeber sehen einen Mehrwert darin, sich mit der Gestaltung des Übergangs in die Rente zu beschäftigen. Becker erläutert: „Mit neuen Konzepten erhöhen Unternehmen maßgeblich ihre Attraktivität und damit die Chance, ältere Fachkräfte länger zu behalten.“ Um Arbeit im Alter attraktiv zu machen, brauche es aber deutlich mehr Wahlmöglichkeiten.

Noch fehle auf Seiten der Arbeitgeber aber das Verständnis, wie wichtig es sei, sich mit dem Thema zu beschäftigen. „Unternehmen stellen erst langsam fest, dass nicht mehr nur zwei, drei Mitarbeiter in Rente gehen, sondern auf einmal fünf“, sagt Becker. „Das ist dann eine große Gruppe, teilweise brechen ganze Abteilungen weg.“

Nach Auffassung der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) haben die Betriebe die Herausforderung aber längst angenommen. „Die Zahl der sozialversicherungspflichtig beschäftigten 60- bis 64-Jährigen hat seit 2000 um mehr als das Anderthalbfache auf über 1,6 Millionen zugenommen“, sagte BDA-Sprecher Jörg Swane. „Mehr Beschäftigung Älterer bleibt angesichts der demografischen Entwicklung und Finanzierungsprobleme der gesetzlichen Rentenversicherung unverzichtbar.“

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Quelle: op-online.de

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