Leidenschaft für Job ist wichtig

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Jürgen Dohn repariert in seinem Handwerksbetrieb in Frankfurt Schuhe.

Frankfurt - Zukunftssorgen? Die kennt Schuhmacher Wolfgang Lenz nicht. „Ich sag’s mal so: Jeder Mensch hat zwei Füße und an die gehört ein gutes Paar Schuhe. Da wird uns die Arbeit schon nicht ausgehen“, sagt der Altmeister trocken. Von Lara Sturm

Jürgen Dohn stimmt ihm lachend zu. Im Januar 2011 übernahm Dohn von Lenz die Schuhmacherei, dennoch sieht der Altmeister fast täglich vorbei: „In dieser Schuhmacherei habe ich die meiste Zeit meines Lebens verbracht. Ich bin einfach gerne hier und arbeite an der Zukunft des Geschäfts mit. “ Zugleich engagiert er sich gegen den schlechten Ruf des Bahnhofsviertels, denn zwei Dinge sind laut dem Schuhmacher unentbehrlich, um als Selbstständiger Erfolg zu haben: „Engagement und Kooperation - so einfach ist das“, findet Lenz. Für den Schuhmacher, der hier groß wurde, war das Bahnhofsviertel schon immer ein Handwerksviertel. Damals als die Münchner Straße noch Kronprinzenstraße hieß und vor allem für die Andienung von Waren in die Kaiserstraße genutzt wurde, was sich heute noch am vornehmen Hofeingang erkennen lässt.

Wo früher Schreiner und Spengler die vornehmen Hoteliers und Geschäftsleute der Kaiserstraße belieferten, sind heute eben ein türkischer Frisör oder ein asiatisches Lebensmittelgeschäft. Lenz mag den Multikulti-Begriff nicht: „Wir sind doch hier alles Frankfurter.“ So einfach ist das.

Kooperation mit Künstler

Aus diesem Pragmatismus heraus entstand auch die Zusammenarbeit mit dem Künstler und Bildhauer Oscar Mahler. Nachdem die Schuhmacherei kleiner wurde, hatte Lenz ungenutzten Raum. Der Schuhmacher begab sich auf die Suche nach einer Kooperation und kam in Kontakt mit Mahler, der gerade eine Räumlichkeit für seine Sammlung von Hämmern suchte. Sechs Jahre ist das Ganze her und mittlerweile sind dort mehr als 1 500 Exemplare ausgestellt, das ist die zweitgrößte Sammlung Deutschlands.

Während der eine seine Leidenschaft für Hämmer pflegt, kann sich der andere für Schuhe begeistern: „Ein guter Schuh muss in erster Linie schützen und stützen. Und dann erst schmücken.“ Lenz weiß, worauf es ankommt. 1963 übernahm der Schuhmacher nach dem Tod des Vaters das Geschäft in der Münchner Straße und damit eine bewegte Vergangenheit: 1941 bekamen Lenz Eltern den Laden als Hochzeitsgeschenk, vergangenes Jahr wurde das 70-jährige Bestehen gefeiert. Damit ist die Schuhmacherei Lenz der älteste Handwerksbetrieb im Bahnhofsviertel und Frankfurts älteste Schuhmacherei.

Am liebsten Damenschuhe

In die Zukunft blickt man hier auch noch nach sieben Jahrzehnten zuversichtlich: Nachdem händeringend Auszubildende gesucht wurden, beginnen nun gleich drei künftige Schuhmacherinnen ihre Lehre.

Künftigen Schuhmachern raten die beiden vor allem eins mitzubringen: Leidenschaft für den Beruf. Dass Dohn und Lenz diese Leidenschaft haben, spürt man sofort. Dohn, der früher orthopädische Schuhe herstellte, schwärmt von der Arbeit: „Die schönste Arbeit ist es, Damenschuhe anzufertigen.“ Rund 40 Arbeitsstunden und über drei Monate Zeit braucht es bis so ein Schuh fertiggestellt ist. „Vielen jungen Leuten fehlt es an Geduld“, erzählt Lenz kopfschüttelnd, „die wollen sich nicht die Finger schmutzig machen und denken, die Arbeit besteht nur aus Spaß, dabei gibt es immer Aufgaben, die einem vielleicht weniger liegen.“

Ganz wichtig sei es, da sind sich die beiden Schuhmacher einig, mit der Zeit zu gehen. In Zukunft will die Schuhmacherei einen größeren Wert auf die Herstellung von Damenschuhen setzen. Da kann es ja nicht schaden, dass mit den drei Auszubildenden weibliche Unterstützung Einzug hält.

Quelle: op-online.de

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