Rund 300 Zeugen-Hinweise eingegangen

Serien-Sextäter: Aus Fahndung wird Facebook-Hetzjagd

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Frankfurt - Der Serien-Sexualstraftäter aus Frankfurt wird seit ein paar Tagen nicht mehr nur von der Polizei gesucht. Per Facebook wird Jagd auf den Täter gemacht. Das Ganze erinnert an einen virtuellen Pranger. Von Damian Robota

„Es ist keine polizeiliche Fahnung“, sagte uns ein Polizeisprecher aus Frankfurt zur Facebookgruppe „Auf der Jagt nach dem Vergewaltiger“. Seit Samstag, dem 2. November, wird nach einem Mann, der sechs versuchte Vergewaltigungen im Frankfurter Stadtgebiet begangen hat, auch in Facebook gesucht. Die Polizei distanziert sich jedoch von der öffentlichen Gruppe im Internet mit derzeit fast 10.000 „Gefällt-mir“-Angaben. „Die Darstellung mit Fotos, Autokennzeichen und Namen verletzt Persönlichkeitsrechte und bringt niemanden weiter“, sagte uns die Frankfurter Polizei.

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Offen rufen Mitglieder der Facebook-Gruppe zur Lynchjustiz auf. So wurde unter anderem ein Foto eines Mannes abgebildet, der dem Verdächtigen ähnlich sieht, jedoch nicht der Täter ist. Unschuldige werden so schnell verurteilt und wüst beschimpft. „Der Vergewaltiger ist noch frei. Die Polizei sucht Tag und Nacht nach diesen Mann. Bis jetzt ohne Erfolg. In der Schulzeit soll niemand mehr alleine aufs WC. Wir werden ihn finden.“, schreiben die Betreiber der Facebook-Seite. Eine Antwort: „Wozu die Bullen??? - Strick, Laterne... FERTIG!“. Ob gegen einzelne Inhaltsersteller wegen Aufruf zu Straftaten und Persönlichkeitsverletzungen ermittelt wird, steht bisher noch nicht fest. Neben Geldstrafen können den Verfassern auch Haftstrafen drohen. Was auffällt: Auf der Seite wird viel gehetzt, aber wenig auf Rechtschreibung geachtet.

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Zu dem gesuchten Sexualtäter aus Frankfurt (siehe Phantombild) sind immerhin bereits rund 300 Zeugenhinweise eingegangen. „Die berühmte heiße Spur ist bisher leider nicht dabei“, heißt es. „Die Hinweise sind oft ungenau“, sagte uns ein Polizeisprecher aus Frankfurt. Die Beschreibung zu dem gesuchten Sexualtäter ist dagegen immer noch aktuell: Er wird als 30 bis 35 Jahre alt, 1,75 bis 1,80 Meter groß und von süd- oder südosteuropäischem Erscheinungsbild beschreiben. Der Mann hat kurze, dunkle Haare und eine kräftige Gestalt und wurde von Opfern als „stämmig“ und „wohlgenährt“ beschrieben. Er hat dunkle Augen, dunkle, kräftige Augenbrauen, keinen Bart und trägt auch keine Brille. Der Mann hat seit dem 19. Oktober sechs versuchte Vergewaltigungen im Stadtgebiet Frankfurt begangen. Unter anderem kam es sogar zu drei Übergriffen in nur 15 Minuten.

Gewaltverbrecher auf der Flucht

Gewaltverbrecher auf der Flucht

Die Polizei bittet Zeugen, die verdächtige Beobachtungen gemacht haben oder Hinweise zu dem Mann geben können, sich unter den Rufnummern 069-75553111 oder 069-75551399 zu melden oder einfach jede andere Polizeidienststelle anzurufen. Der Polizeisprecher stellt abschließend noch einmal klar: „Generell haben wir nichts dagegen, wenn im Internet und Sozialen Netzwerken über Polizeimeldungen und Fahndungen diskutiert wird. Die Ausmaße dieser Facebook-Gruppe gehen jedoch zu weit.“ Auch Justizminister Jörg-Uwe Hahn rät zur Vorsicht.

Quelle: op-online.de

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