„Charles Knie“ mit prallem Programm

So, wie man sich Zirkus vorstellt

200 Wagen, 103 Tiere und 112 Menschen - daraus macht der erst 1995 gegründete Zirkus „Charles Knie“ ein klassisches Vollprogramm mit allem, was zu einem echten Zirkus dazugehört. Foto: dpa

Von Melanie Gärtner

Frankfurt J Alles ist so, wie es sein soll. Auf den Rängen herrscht aufgekratzes Getummel, und der Duft der Sägespäne nährt kurz vor der Premiere unter dem Dach der Zeltkuppel das Gefühl von Anspannung und Erwartung: Ein Tusch der Live-Band, der Lichtmeister hüllt das Zelt in ein zauberhaftes Farbenspiel, und die Stars des Abends strömen zum glamourösen Auftakt in die Manege. Mit dabei sind Tierdomteure, Artisten, schöne Tänzerinnen, ein Clown in drolligem Kostüm und vor allem viele Tiere – kurz: all das, was zum traditionellen Programm eines Zirkus gehört.

Der Zirkus Charles Knie eröffnete auf dem Festplatz am Frankfurter Ratsweg am Donnerstagabend die diesjährige Saison und bot den rund 1440 Zuschauern ein Programm, das seinem exzellenten Ruf mehr als gerecht wird. Die italienische Geschwistertruppe „Nistorov“ sorgte mit Rollschuhakrobatik für Spannung, der begabte Bauchredner Kenneth Huesca brachte nicht nur seine Puppen, sondern auch einige Zuschauer dazu, ungeahnte Laute von sich zu geben, und der gewitzte Entertainer Kenny Quinn bewies flinkes Mundwerk, aber vor allem noch flinkere Finger. Als „Gentleman der Taschendiebe“ gelang es ihm, drei Herren aus dem Zuschauerraum vor den Augen des Publikums trotz Vorwarnung Armbanduhr, Autoschlüssel und Krawatte abzuknöpfen – natürlich nur für die Show, die Opfer bekamen alles wieder zurück.

Ein Höhepunkt des Abends war die Darbietung der brasilianischen Artistentruppe „Flying Mendonca“ um das Brüderpaar SauLo (35) und BeTo (33) Mendonca, die die Blicke der Zuschauer nicht nur unter die Kuppel des Zirkuszeltes bannte, sondern auch für helle Aufregung sorgte. Als wäre der klassische Trommelwirbel und ein um himmlischen Beistand betender, sich bekreuzigender Artist zur Ankündigung des legendären dreifachen „Salto Mortale“ nicht schon genug, ging der erste Versuch schief. BeTo wirbelte drei Mal durch die Luft und wurde von seinem Kollegen Jonatas am Trapez auch aufgefangen. Dann aber rutschte er aus dessen Griff und in die Tiefe. Es folgten beunruhigende Sekunden, in denen BeTo zunächst still im Sicherheitsnetz liegenblieb. Doch kurz darauf sprang der Artist auf, massierte seine Handgelenke und wagte sich ein weiteres Mal in die Höhe. Sein Mut wurde belohnt: Der „Salto Mortale“ gelang, und das Publikum tobte.

Neben der aufreibenden Artistik durften die Zuschauer aber auch einfach nur entspannt staunen. Der junge Tierlehrer Marek Jama aus Polen ließ seine Exoten durch die Manege laufen, traben oder hoppeln. Neben Zebras, Kamelen und exotischen Büffelarten zeigte ein Riesenkänguruh, dass es wirklich springen kann. Unnatürlich wirkende Kunststückchen blieben dabei sowohl dem Publikum als auch den Tieren erspart, es gab reichlich Leckerlis. Ein Zebra, das sich außerplanmäßig niederließ, um sich wohlig in den Sägespänen der Manege zu suhlen, mochte kritische Tierschützer beruhigen.

Der Zirkus Charles Knie gehört mit seinen Seehunden, Löwen, Papageien, Ziegen und Schweinen zu den artenreichsten rollenden Zoos in Europa und rühmt sich, anstandslos die Tierhaltungsprüfungen an seinen Standorten zu bestehen. Ein Besuch der Show ist gemessen an der Qualität und dem Umfang des Angebots erstaunlich preisgünstig. Karten für das dreistündige Programm kosten zwischen 12 und 30 Euro, ermäßigt zwischen 10 und 26 Euro. Der Zirkus Charles Knie gastiert noch bis zum 20. März in Frankfurt. Die Vorstellungen finden täglich um 15.30 und um 19.30 Uhr statt, sonntags um 11.30 und um 15.30 Uhr.

Karten gibt es an bekannten Vorverkaufsstellen oder unter der Ticket-Hotline 0171/ 946 2456.

Quelle: op-online.de

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