Wie sicher ist OP-Besteck?

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Eine Panne bei OP-Instrumenten in Kassel sorgt für Unruhe.

Offenbach/Hanau - So kann‘s gehen: Die jetzt für Schlagzeilen sorgende Hygiene-Panne am Klinikum Kassel ist nach Angaben der Zeitung „Hessische/Niedersächsische Allgemeine“ (HNA) ausgerechnet in Fulda aufgefallen. Von Peter Schulte-Holtey

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Weil das Klinikum dort kurz zuvor selbst verschmutztes Operationsinstrumente entdeckt hatte, hatte es sich Ersatz aus Kassel besorgt. Bei einer Überprüfung der OP-Instrumente aus Kassel wurden dann aber Mängel festgestellt, wie die „HNA“ auf ihrer Internetseite berichtet. Die Osthessen schickten demnach das Besteck aus Kassel umgehend wieder zurück und informierten das zuständige Regierungspräsidium. Mitarbeiter der Aufsichtsbehörde und des zuständigen Gesundheitsamtes kontrollierten daraufhin am Dienstag die sterilen Instrumente am Kasseler Klinikum. Dabei wurden weitere Ablagerungen auf OP-Besteck entdeckt. Das Krankenhaus schloss am selben Tag die Zentralsterilisation, die für das Reinigen der Bestecke verantwortlich ist. Derzeit werden in Kassel nur Notfall-Operationen vorgenommen. Alle anderen Eingriffe wurden abgesagt. Steriles OP-Besteck soll von anderen Kliniken ausgeliehen werden.

Auch in Kliniken im Rhein-Main-Gebiet wächst jetzt die Unruhe. Kann so etwas auch bei uns in Offenbach geschehen? Wie sicher sind die Operationen, wie sind Gerüchte über Personalengpässe in der Zentralsterilisation zu beurteilen? Fragen, die jetzt vermehrt gestellt werden.

Minimal invasive Instrumente mit Hohlgängen

Bernhard Jahn-Mühl, der die Krankenhaus-Hygiene des Offenbacher Klinikums leitet, sieht sich auf der „sicheren Seite“, berichtet von zahlreichen Kontrollmechanismen. Überprüfungen werden demnach regelmäßig von Fachfirmen, Experten des Gesundheitsamts in Offenbach und des Regierungspräsidiums, aber auch durch eigene Hygiene-Fachleute des Klinikums durchgeführt. Dabei betont er immer wieder den wachsenden Aufwand bei der Reinigung des OP-Bestecks. „Hier hat sich in den letzten 15 Jahren eine leise Revolution ereignet. Hatte man früher bei OP-Instrumenten einfache Scheren, Pinzetten, Wundhaken etc. vor Augen, so verwenden wir heute minimal invasive Instrumente mit Hohlgängen von wenigen Millimetern Durchmesser sowie elektronischen und optischen Bauteilen“, so Jahn-Mühl.

Die technischen Anforderungen an die sachgerechte Aufbereitung und Reinigung dieser Instrumente in der Zentralen Sterilgutversorgungs-Abteilung seien kontinuierlich gestiegen, vor allem für Häuser wie das Klinikum Offenbach - mit operativen Schwerpunkten. Der Hygiene-Fachmann meinte gestern: „Wie aufwändig das ist, wird den Klinikleitungen jetzt langsam klar.“

Und wie reagiert man in Hanau? Thorsten Wies aus der Geschäftsführung des Klinikums beruhigte Patienten: „Wir haben vor gut einem Jahr eine neue Zentralsterilisation in Betrieb genommen. Die Arbeitsabläufe sind dort exakt festgelegt und klar definiert.“ Und er verweist auf umfangreiche Qualitätskontrollen: „Sie brauchen somit nicht verschärft oder verändert werden.“

Hygieneverordnung noch in diesem Jahr

Dass die Verantwortlichen in Hessens Kliniken nun mit verstärktem Druck durch staatliche Aufseher rechnen müssen, machte Sozialminister Stefan Grüttner deutlich: „Die Sicherheit der Patienten steht für alle Beteiligten stets an erster Stelle. Deshalb halte ich es für dringend notwendig, dass die zuständigen Behörden, also die Regierungspräsidien und Gesundheitsämter, in der nächsten Zeit die stationären Kliniken in Hessen anlässlich der Vorkommnisse in Kassel und Fulda nochmals gezielt untersuchen.“ Es sei nun zu prüfen, ob hierzu zusätzlich auch externe Gutachter hinzugezogen werden müssen, erklärte der Minister weiter. Außerdem werde er die entsprechenden Verbände sowie Experten zu einer Erörterung der Gesamtsituation einladen.

Unabhängig davon werde die Hygieneverordnung noch in diesem Jahr kommen. „Sie wird unter anderem Regelungen zur Hygienestruktur in den Krankenhäusern, Regelungen für die Überwachungsbehörden und Maßnahmen zur Qualitätssicherung beinhalten“, so Grüttner. Voraussetzung dazu sei jedoch eine verstärkte Ausbildung von Hygienefachkräften in Pflege und Technik sowie spezialisierter Ärzte. Der CDU-Politiker: „Deshalb werden wir in Zusammenarbeit mit dem hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst und der Landesärztekammer neue Angebote für Aus- und Weiterbildung im Bereich Hygiene für Ärzte, Pflegekräfte und technisches Personal in den Krankenhäusern erarbeiten.“

Quelle: op-online.de

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