Sichere Anlagen sind gefragt

FRANKFURT - Gold gilt in Krisenzeiten als sicherer Hafen. In den vergangenen Jahren haben viele Anleger ihr Geld in das Edelmetall investiert. Profitiert haben die Händler. Mit der Degussa Goldhandel GmbH ist ein traditionsreicher Namen wieder an den Markt zurückgekehrt. Von Marc Kuhn

Wolfgang Wrzesniok-Roßbach ist begeistert von seinem Produkt. „Das fängt bei einer Tiefe von beispielsweise 4 000 Metern in Südafrika an“, sagt er und meint damit den Ort, an dem Minengesellschaften nach Gold graben. „Und es endet bei industriellen Anwendungen“, erklärt der Geschäftsführer der Degussa Goldhandel GmbH in Frankfurt. Gold und andere Edelmetalle, mit denen das Unternehmen handelt, sind für die Industrie enorm wichtig - auf Festplatten, in Handys, Solarzellen und Satelliten finden sie beispielsweise Verwendung.

Dabei würden Firmen nur zehn Prozent des gesamten Goldbestandes verbrauchen, erläutert Wrzesniok-Roßbach. Der größte Teil wird zu Schmuck verarbeitet. 171.000 Tonnen Gold sind in der vergangenen 5000 Jahren geschürft worden. Die Menge sei gar nicht so groß, findet der Geschäftsführer.   „Das  passt  alles unter das Brandenburger Tor.“ 97 Prozent dieser jemals geförderten Menge sei noch immer verfügbar, berichtet Wrzesniok-Roßbach. Deshalb wirbt seine Firma auch mit dem Slogan „Gold bleibt“ als sichere Anlageform.

Dass die Deutschen diese Einschätzung teilen, belegt eine kürzlich vom Hanauer Industriekonzern veröffentlichte Studie. Fast jeder Dritte, der in Gold investiert, sieht den Kauf des Edelmetalls demnach als Krisenschutz. Knapp die Hälfte der Befragten gab an, bevorzugt Goldbarren zu kaufen. 30 Prozent würden in Münzen investieren. Nur 15 Prozent würden Goldinvestments an der Börse tätigen.

Wolfgang Wrzesniok-Roßbach

Die Degussa Goldhandel GmbH ist erst seit 13 Monaten am Markt. Die Markenname Degussa gehörte seit 1873 zu dem deutschen Traditionsunternehmen Degussa AG. Diese trennte sich 2001 von dem Edelmetallbereich, der Konzern firmiert seit 2005 unter Evonik. Der Name lag brach, 2010 wurden die Rechte von der Familie von Finck gekauft, zu deren Imperium unter anderem Mövenpick gehört, wie Wrzesniok-Roßbach sagt. Ziel sei es, ein Edelmetall-Haus aufzubauen. Im November 2011 ging es an den Start, erklärt der aus Dietzenbach stammende Geschäftsführer, der bei Heraeus und der Dresdner Bank Erfahrungen gesammelt hat. Die Degussa Goldhandel GmbH startete mit einem Geschäft in München. Mittlerweile gibt es Niederlassungen in Stuttgart, Köln, Hamburg und Zürich, die Zentrale sitzt in Frankfurt. Geplant sind Dependancen in Hannover, Leipzig und Nürnberg. Etwa 60 Mitarbeiter stehen auf den Gehaltslisten. „Mit jeder Niederlassung kommen fünf hinzu“, erläutert Wrzesniok-Roßbach. Er sprich von einem „sehr ordentlichen Geschäft“ und bis zu 60 Millionen Euro Umsatz im Monat. Sein Ziel ist, den Eigentümern schon in diesem Jahr eine Rendite zahlen zu können.

Profitiert hat die Degussa Goldhandel GmbH sicherlich von der Unsicherheit an den Finanzmärkten. Obwohl der Preis für das Edelmetall nach Rekordständen deutlich zurückgegangen ist, rechnet Wrzesniok-Roßbach mit weiterhin guten Geschäften. „Wir erwarten, dass die Geldschwemme und Finanzkrise zu inflationären Tendenzen führen, was sich positiv auf den Goldpreis auswirkt.“ Die Verbraucher seien allerdings „sehr preissensitiv“ geworden und würden heute vor allem bei fallenden Kosten wieder Gold kaufen. Nach Einschätzung des Geschäftsführers boomt der Markt deshalb auch in Zukunft.

Die Absatzentwicklung verlaufe in Wellen. Die Trendwende sei nach den Anschlägen vom 11. September 2001 gekommen, als Goldbarren als Sicherheit gefragt gewesen seien. Die Entwicklung habe sich im Zuge der Finanzkrise 2008 „dramatisch verstärkt“. Der Preis sei in den vergangenen Monaten zwar runtergegangen, der Absatz bewege sich aber auf hohem Niveau. Wrzesniok-Roßbach rät, „mit Bedacht und Geduld in Edelmetall zu investieren.“

Bei Anlegern gibt es nach seinen Worten verschiedene Gründe, warum sie ihr Geld in Gold anlegen. Einige würden es als eine Art Versicherung betrachten. Würde zum Beispiel die Euro-Krise Aktienkurse in den Keller treiben, steige der Goldpreis und könne Verluste in anderen Anlagen auffangen. In Gold würden aber auch Spekulanten investieren - beispielsweise in Papiere, für die Gold hinterlegt sei. Zudem hat Wrzesniok-Roßbach beobachtet, dass Gold in den vergangenen Monaten verstärkt als Geschenk für Kinder und Enkel entdeckt wurde. Er betont: „Es gibt Edelmetall für jeden Geldbeutel.“ An den Schaltern der Degussa Goldhandel GmbH kann es gekauft werden.

Um das Unternehmen „nachhaltig aufzustellen“, seien weitere Geschäftsfelder eröffnet worden. So kaufe die Firma jetzt Altgold und -silber an. Es wird eingeschmolzen und als Barren wieder verkauft. Zudem ist die Degussa Goldhandel GmbH in den Handel mit numismatischen Münzen eingestiegen, das sind historische Sammlerstücke.

Quelle: op-online.de

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