Order an Fluglotsen nach Zwischenfall

Sicherheit hat Vorrang vor Lärmschutz

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Ein landendes Flugzeug. Die Vermeidung von Fluglärm darf nicht auf Kosten der Sicherheit gehen, stellten jetzt Flugsicherung und die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung klar.

Frankfurt/Braunschweig - Die Deutsche Flugsicherung (DFS) hat die Lotsen am Frankfurter Flughafen nach der gefährlichen Annäherung zweier Flugzeuge noch einmal ausdrücklich auf den Grundsatz Sicherheit vor Lärmschutz hingewiesen.

„Das ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit“, sagte DFS-Sprecher Axel Raab gestern. Die Diskussion über den Fluglärm sei aber auch an den Lotsen nicht spurlos vorübergegangen. Am 13. Dezember 2011 waren sich zwei Maschinen unzulässig nahe gekommen. Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) hatte in ihrem am Donnerstag vorgelegten Abschlussbericht zu dem Vorfall empfohlen, den Vorrang der Sicherheit für Deutschlands größten Flughafen noch einmal ausdrücklich festzuschreiben. Auch sollten die Lotsen dies üben, heißt es in dem von der BFU im Internet veröffentlichten Dokument. Raab sagte, der geforderte Hinweis sei direkt nach dem Vorfall gegeben worden.

Ursache: Fehlentscheidungen und Missverständnisse

Auf 41 Seiten rollen die BFU-Experten in dem Bericht noch einmal die Situation von vor einem Jahr auf: Damals waren sich ein abhebender A320 und ein nach einem Landeversuch durchstartender A380 nahe gekommen. Zwar habe keine unmittelbare Gefahr einer Kollision bestanden, doch habe sich die kleinere Maschine bis auf 30 Meter den vom A380 verursachten Luftverwirbelungen, der sogenannten Wirbelschleppe, genähert. Diese Luftturbulenzen können ein Flugzeug in Gefahr bringen.

Die beiden Maschinen nutzten die alten Parallelbahnen des Flughafens. Etwa sieben Wochen vor dem Zwischenfall waren die neue Landebahn eröffnet und die Abflugrouten neu geordnet worden.

Als Ursache nennt die BFU Fehlentscheidungen und Missverständnisse der Lotsen. Doch heißt es im Bericht, während der Untersuchung sei die Bedeutung des Lärmschutzes am Flughafen bei dem Fall deutlich geworden. „Ein Verfahren, bei dem der Lotse das Einfliegen in eine Wirbelschleppe auch unter Inkaufnahme einer erhöhten Lärmbelästigung hätte vermeiden können, war nicht festgelegt“, kritisiert die BFU.

Verfahren solle entzerrt werden

Ausdrücklich erwähnt die BFU auch die neue Südumfliegung. Dabei werden Maschinen auf dem Weg nach Norden und Westen nach dem Start zunächst nach Süden geschickt, um Abstand etwa von Rüsselsheim und Wiesbaden zu halten. Dies führt nach Angaben der BFU zu einer höheren Belastung der Piloten. Starte eine Maschine durch, bleibe dem Lotsen nur sehr kurz Zeit und wenig Raum für Entscheidungen. Die Lotsen hatten am 13. Dezember 2011 beide Maschinen nach links geschickt.

Die BFU nennt es ein „systemisches Risiko“ mit geringer Fehlertoleranz, dass sich Abflüge und Fehlanflüge der Parallelpisten kreuzen. Das Verfahren solle darum entzerrt werden. In kritischen Situationen müsse von den aus Lärmschutzgründen festgelegten Routen abgewichen werden können.

Fluglärmgegner sehen sich dem „Wiesbadener Kurier“ zufolge durch den BFU-Bericht in ihrer Kritik am Bau der neuen Landebahn mit den entsprechenden Folgen bestätigt.

dpa

Quelle: op-online.de

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