„Sicherheit der Wohnung weg“

+
Einbruch in die Wohnung - und in die Intimsphäre. Viele Opfer kommen mit der verlorenen Sicherheit in den vertrauten vier Wänden nicht klar und brauchen Hilfe.

Offenbach - (re) Am schlimmsten ist es freilich, wenn das Opfer aufwacht und der Einbrecher vorm Bett steht. Doch auch wer einen Einbruch erst später bemerkt, ist schweren psychischen Belastungen ausgesetzt.

„Die Sicherheit der eigenen Wohnung ist weg, das ist auch ein Einbruch in die Intimsphäre“, sagt Karl-Günther Theobald, Koordinator des Fachbereichs Medizinpsycholgie bei der Opferhilfsorganisation Weißer Ring. Der Experte schätzt, dass etwa zehn Prozent der Einbruchsopfer unter „posttraumatischen Belastungsstörungen“ leiden. Heißt: „Das hat Krankheitswert.“ Die eigene Wohnung sei der Ort, an dem man die Kontrolle habe und sich sicher fühle. Dieses Gefühl sei nach einem Einbruch weg, die Angst dominiere.

Die erste Regel, die der Psychologe Einbruchsopfern ans Herz legt: „Nicht du bist schuld, sondern der Einbrecher.“ Viele Opfer gäben sich nämlich etwa wegen Nachlässigkeit selbst die Schuld, „um die Kontrolle über das Geschehen wieder zu kriegen“. Unsinn, meint Theobald und rät, sich keine Vorwürfe zu machen. Gleichwohl gelte es zu überlegen, was man verbessern kann, um Einbrecher fernzuhalten.

Ebenfalls wichtig: Darüber reden, sich nicht zurückziehen. Und sich notfalls psychologische Hilfe holen. Der Weiße Ring bietet eine traumatologische Erstberatung. Dabei wird geklärt, ob eine Therapie angeraten ist. (Die Anlaufstellen finden sich auf der Internetseite des Weissen Rings unter „Landesverbände und Außenstellen“.)

Die Behandlung von Traumafolgen habe sich gewandelt, so Theobald. „Ist man früher vom Gaul gefallen, hieß es: sofort wieder rauf. Heute empfiehlt man eher, aus der Situation rauszugehen.“ Konkret im Falle eines Einbruchs bedeute dies: Raus mit allem, was belastet. Theobald: „Wenn der Täter zum Beispiel meine Unterwäsche durchwühlt hat und ich jedes Mal beim Anziehen daran denken muss, ist es besser, die Wäsche wegzuwerfen - wenn man sich‘s erlauben kann natürlich.“

Ein Umzug hingegen sei nicht zu empfehlen. Der sei teuer, nehme dem Opfer die vertraute Umgebung und löse das Sicherheitsproblem auch nicht. Nach Ansicht des Psychologen ist es dagegen besser, die Sicherheit in der Wohnung zu verbessern.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare