Sicherheitsgitter an Straßenbahnhaltestellen

Der Erfinder ging leer aus

Vellmar - Seine Erfindung hat womöglich viele Leben gerettet, doch berühmt wurde Ernst Valkay damit nicht. Erst nach Jahren wird das Sicherheitsgitter für Straßenbahninseln in vielen Städten eingeführt. Von Timo Lindemann 

Der Vater des Sicherheitsgitters, Ernst Valkay, mit dem Entwurf seiner Erfindung. Für den Patentschutz fehlte das Geld.

Auch wenn seine Erfindung ihm womöglich viel Geld hätte bringen können –verbittert ist Ernst Valkay nicht. „Ich bin nicht böse. Mir ging es darum, dass es verwirklichbar war. Ich freue mich, dass es von vielen Städten umgesetzt wurde, auch wenn ich kein Geld bekommen habe.“ Vor 50 Jahren hat der heute 75-Jährige aus Vellmar bei Kassel nicht nur eine Signalleuchte für Zebrastreifen erfunden, sondern auch das „Sicherheitsgitter für Straßenbahninseln“. Beides hatte er als Patent angemeldet. Die Städte aber haben das Gitter erst installiert, als Valkays Schutzrecht erloschen war. Der Anstoß war ein tödlicher Unfall in Kassel. „Ich dachte mir, da muss man doch was machen“, erzählt der Erfinder. Ein Schutzgitter gab es vorher nicht. Das Deutsche Patent- und Markenamt in München ließ die Erfindung zu. „Zum Patent angemeldet werden kann eine neue technische Erfindung, die immer eine Lösung zu einem Problem darstellen soll. Und die Erfindung muss sich deutlich von Bekanntem abheben und praktisch durchführbar sein“, erklärt eine Sprecherin des Patentamts.

Mit dem Schutzgitter wollte Valkay die Fußgänger dazu bringen, nur über den Zebrastreifen auf die Straßenbahninsel in der Straßenmitte zu laufen. Dazu passte das blinkende Dreiecksschild vor dem Zebrastreifen, das er sich ebenfalls patentieren ließ. Doch diese Erfindung kam wohl zu spät - die ersten Fußgängerampeln gab es Jahre zuvor schon in deutschen Städten wie Berlin.

Valkay beauftragte einen Anwalt, der alle deutschen Städte mit Straßenbahnen anschrieb und das System vorstellte. Laut Valkay war das Interesse der Kommunen durchaus da. „Die Städte haben gesagt, das ist eine tolle Sache, aber es gibt derzeit keinen Bedarf. Sie wollten das finanzielle Risiko nicht tragen“, mutmaßt der Rentner. Er habe nicht die finanziellen Mittel gehabt, die Gitter selbst auf den Markt zu bringen. „Ich kann doch nicht das Haus verkaufen, nur weil ich eine geistige Blähung habe“, sagt er.

„Irgendwann wurde es zu teuer“

Und auch die Aufrechterhaltung der Schutzrechte kostete Geld: Laut Patent- und Markenamt wirkt ein Patent in Deutschland maximal 20 Jahre. „Durch Zahlung der Jahresgebühr ab dem dritten Jahr verlängert sich der Schutz“, heißt es dort. „Irgendwann wurde das zu teuer und ich habe es sein lassen“, sagt Valkay. Wenige Jahre später sah er in Kassel „sein“ Schutzgitter an einer Straßenbahninsel. „Ich sagte zu meiner Frau: „Das ist doch das Gitter, das ich gemacht habe, nur in verschönerter Form.“

Laut der Kasseler Verkehrs-Gesellschaft gibt es die Schutzwände seit mehreren Jahrzehnten. „Es ist ein Schutz vor Wasserspritzern von Autos bei Regen“, erzählt der Leiter der Abteilung Infrastruktur, Reiner Blobel. An der Frankfurter Straße, wo damals der Unfall passierte, seien die Gitter 1986 angebracht worden. Auch in München und anderen Städten gehören Schutzgitter mittlerweile zum Standard.

Dem Erfindungsreichtum von Ernst Valkay taten die Rückschläge keinen Abbruch: In den 1990er-Jahren ließ er sich eine Vorrichtung für eine geruchsfreie Toilette patentieren. Doch auch diese Erfindung wurde von Unternehmen erst aufgegriffen und weiterentwickelt, nachdem Valkays Schutzrechte erloschen waren. Immerhin: Eine dieser Toiletten hat er in seinem Haus in Vellmar stehen. Und auch wenn er wieder leer ausging - die Toilette zeigt er voller Stolz. „Ich kann immer sagen: Ich bin der erste gewesen.“

dpa

Quelle: op-online.de

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