Blick in Fabriken des 21. Jahrhunderts

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Blick in einen Serverraum des Siemens-Data-Centers: Oben eine Düse, mit der bei einem Feuer Gas eingeleitet wird.

Frankfurt - Clouds, Smartphones, Video Streaming - nicht nur die private, sondern auch die industrielle Welt wird immer mehr digitalisiert. Entsprechend explodieren die Datenmengen im Internet. Von Marc Kuhn 

Bis 2020 werden nach Schätzungen von Spezialisten weltweit mehr als 50 Milliarden Geräte vernetzt sein. Werden zurzeit etwa 4,4 Billionen Gigabyte übertragen, sind es dann 44 Billionen Gigabyte. Sogenannte Data Center sind das Herzstück der vernetzten Welt. Die Rechenzentren seien die Basis unserer Kommunikation geworden, sagte Uwe Großmann, Deutschland-Chef des Servicegeschäfts der Siemens Gebäudetechnik, gestern in Frankfurt. Data Center sind nach seinen Worten auch die Fabriken des 21. Jahrhunderts. Auf der Computermesse Cebit, die vom 16. bis 20. März in Hannover stattfindet, sind sie ein Schwerpunktthema. Mehr als 20 dieser Einrichtungen betreibt die Telekom-Tochter T-Systems in Deutschland, vier davon in Frankfurt. Die Mainmetropole spielt wegen des Finanzplatzes eine wichtige Rolle. Zudem ist Frankfurt der größte Internetnetzknoten in Deutschland. Alle Rechenzentren werden „gespiegelt“, die Daten sind jeweils nochmals in einem weiteren Data Center gelagert. Ihre Standorte sind aus Sicherheitsgründen geheim.

Die Rechenzentren sind für Siemens ein Wachstumsmarkt. Im vergangenen Jahr seien die Investitionen für Modernisierungen der Infrastrukturen um sieben Prozent auf etwa 800 Millionen Euro weltweit gestiegen, erklärte Großmann. Er spricht von einem Markt mit einem Volumen von zehn Milliarden Euro und einem jährlichen Wachstum von elf Prozent. Siemens rechnet mit einer Steigerung der Aufträge bei Data Centern um jährlich bis zu 30 Prozent in den nächsten drei Jahren. Bisher erwirtschaftet Siemens auf diese Weise einen Umsatz in einem dreistelligen Millionenbereich. In einem Data Center in Frankfurt sind rund 3 000 Server untergebracht. 15 Angestellte arbeiten darin. Mehr als 100 Kunden hätten ihre Rechner dort, berichtete Frank Leibiger von T-Systems, darunter seien alle Dax-Unternehmen. Insgesamt hat die Telekom-Tochter nach seinen Worten in Deutschland etwa 400 Großkunden. Auf einer Fläche von 4200 Quadratmetern seien die Server untergebracht, erläuterte Volker Bücher von T-Systems. Alle 18 Räume seien gesondert gesichert. Der Stromverbrauch des Rechenzentrums sei so hoch wie der von 7500 Einfamilienhäusern.

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Sicherheit und Stromversorgung sind für Betreiber und Kunden der Data Center, die 24 Stunden an 365 Tagen im Jahr laufen, die zentralen Punkte. Werde der Stromfluss für nur zehn Millisekunden unterbrochen, könne der gesamte IT-Betrieb eines Rechenzentrums unterbrochen werden, sagte Großmann. Pro Minute würden Kosten von 7000 Euro entstehen. Deshalb bietet Siemens seinen Kunden wie T-Systems stets eine doppelte Stromversorgung pro Server an. Ohnehin ist der deutsche Industriekonzern nach eigenen Angaben eines der weltweit wenigen Unternehmen, die Planung, Errichtung und Betrieb von Rechenzentren aus einer Hand im Angebot haben: Von der ausfallsicheren Stromversorgung über die Energieverteilung, Zutrittskontrolle, den Brandschutz bis zur energieeffizienten Kühlung der Serverräume. Etwa 30 Kameras sind am Data Center in Frankfurt angebracht. Wer am Zaun rüttelt, löst einen Alarm aus. Im Boden sind Detektoren. Rein kommt nur, wer sich angemeldet hat und einen Ausweis bereithält. Die Türen sind panzerwaffenerprobt, wie Stephan Lösch von T-Systems sagte. Kommt es zu einem Brand, werde der Raum mit Argongas geflutet, erklärte Sinan Bilsel von der Telekom-Tochter. Das Edelgas entzieht der Luft den Sauerstoff und erstickt das Feuer. Fällt der Strom doch mal aus, laufen Generatoren an, die mit Diesel gespeist werden.

Quelle: op-online.de

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