Siemens verbessert Umweltbilanz

Frankfurt - „In der Vorfertigung haben wir am meisten eingespart“, sagt Walter Kühn. Dann zeigt der Umweltbeauftragte im Siemenswerk in Fechenheim auf eine Reinigungsanlage, in der Metallteile vor der weiteren Verarbeitung gesäubert werden. Von Marc Kuhn

Früher sei mit Temperaturen von etwa 70 Grad gearbeitet worden. Nachdem die Chemikalien in dem Prozess geändert wurden, würden 20 bis 25 Grad ausreichen, erklärt Kühn. Die Anlage ist ein Beispiel für zahlreiche Maßnahmen, mit denen das Frankfurter Werk seine Energiebilanz in den vergangenen Jahren verbessert hat. 2006 hatte sich der gesamte Siemens-Konzern das Ziel gesetzt, die Energie- und CO2-Effizienz bis 2011 um 20 Prozent zu verbessern. Bei den Emissionen und beim Wasserverbrauch sind die Vorgaben übertroffen worden.

Kürzlich ist Siemens von der durch die Bundesregierung geförderten Initiative „Land der Ideen“ mit dem Nachhaltigkeitspreis 2012 ausgezeichnet worden. Die Auszeichnung sei vor allem für die Motivation der Mitarbeiter wichtig, sagt Martin Betzmann, Leiter des Fechenheimer Werks, in dem sogannte Mittelspannungsanlage für den Weltmarkt hergestellt werden. Sie sind beispielsweise im Hochhaus der Commerzbank, am Frankfurter Flughafen, im Stromnetz von Hongkong und den sogenannten Trafo-Häuschen zu finden.

Weitere Einsparungen möglich

Gesteuert wird das Energieeffizienz-Programm von Siemens aus Frankfurt. Zahlreiche Standorte sind in puncto Umweltschutz und Energieverbrauch auf den Prüfstand gestellt worden. Jährlich würden 5,5 Millionen Euro bei den Energiekosten eingespart, berichtet Siemens. Die Umwelt werde um mehr als 18.000 Tonnen CO2 pro Jahr entlastet.

Umweltschutz und Energieeffizienz schlagen sich auch positiv in der Bilanz nieder. Schließlich wurde zum Beispiel im Siemens-Werk in Fechenheim der Stromverbrauch pro eine Million Euro Umsatz im Vergleich zum Jahr 2004 um 52 Prozent reduziert, Wasserverbrauch und die CO2-Ausstoß um 65 Prozent. Betzmann hält weitere Einsparungen für möglich. Sein Werk hat sich um den renommierten Preis „Fabrik des Jahres“ beworben, der von der Unternehmensberatung A. T. Kearney und der Wirtschaftszeitung „Produktion“ vergeben wird.

Fechenheimer Werk als Vorreiter

Bei Siemens gilt das Fechenheimer Werk beim Umweltschutz und der Energieeffizienz in der Produktion konzernweit als Vorreiter. Bereits 2009 wurde der Standort mit dem internationalen Umweltpreis des Technologieriesen in der Kategorie „Bestes Werk“ ausgezeichnet.

Die Frankfurter haben an zahlreichen Stellschrauben gedreht, um die Umweltbilanz aufzupolieren. Bevor Blechteile in die Pulverbeschichtung gehen, wurden sie in Bädern bei einst 60 Grad gesäubert, berichtet Kühn. Das Verfahren wurde verbessert. Eine Erwärmung auf 40 Grad reicht jetzt aus. Die Kosten sanken um 20 000 Euro, die Emissionen um jährlich 70 Tonnen CO2. Und die für die Pulverbeschichtung nötigen Luftmassen werden nicht mehr in die Umwelt abgegeben, sondern in einem Kreislaufsystem wiederverwertet.

Holzverbrauch reduzierte sich um 230 Tonnen

Darüber hinaus verzichtet Siemens bei der Anlieferung von Blech und Kupferstangen weitgehend auf Holzpaletten. Viele Zulieferer nutzen von Siemens hergestellte Metallkonstruktionen, die stets erneut eingesetzt werden. Der Holzverbrauch reduzierte sich um 230 Tonnen pro Jahr, die Kosten um 200.000 Euro.

Ein weiteres Beispiel für mehr Energieeffizienz: Zur Verringerung des Stromverbrauchs installierte Siemens in den Fechenheimer Hallen eine sogenannte Gebäudeleittechnik, die im Produktionsbereich die Lüftungsanlagen steuert. Die Investition von etwa 25.000 Euro hat sich ausgezahlt: Jährlich werden die Stromkosten um rund 37.000 Euro reduziert, der CO2-Ausstoß um 270 Tonnen.

Das Schaltanlagenwerk hat zudem eine Zentrifuge für die Schleifanlagen eingesetzt, wie es hieß. Das für die Anlagen benötigte Wasser wurde früher entsorgt, heute wird es in einem Kreislaufsystem wiederverwertet - pro Jahr werden 250.000 Liter Wasser und damit 30.000 Euro eingespart.

Quelle: op-online.de

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