Makellose Show mit unkaputtbaren Krachern

Simply Red: Triumphales Comeback in der Festhalle

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Die britische Pop-Band Simply Red war zu Gast in der Frankfurter Festhalle. Das Konzert: ausverkauft.

Frankfurt - Pumuckl hat an der Uhr gedreht. Und wie. Die Fans jubilieren, der Saal bebt und Altkanzler Adenauer scheint auch bestätigt: Soulpop-Legende Mick Hucknall feiert mit seinen wiedervereinten Simply Red eine Zeitreise in die guten alten, besten Tage des Blue Eyed Soul. Von Peter H. Müller

In der ausverkauften Festhalle sorgt das Comeback der Manchester-Mannen für ein Hochglanz-Revival der 1980-er und ´90-er Hitparaden. Wer braucht da noch das aktuelle Album „Big Love“?. Kann man mal so machen. Vor allem zum 30-jährigen Bandjubiläum. Wobei, mit dieser Combo war das ja immer eine ganz eigene Angelegenheit: Simply Red, das ist seit Urzeiten Mick Hucknall. Der Rotschopf mit der fulminanten Stimme, inzwischen 55, hatte und hat das Sagen. Immer. Wer nicht funktionierte, wurde ausgetauscht - was bei der Band, die mit dem grandiosen Debüt „Picture Book“ (1984) über Nacht die Charts stürmte, zu unzähligen Umbesetzungen führen musste.

Anno 2007 verkündete Galionsfigur Hucknall dann das Ende: Simply Red, so die Erkenntnis, hatten alles gesagt und getan - die „Farewell / The Final Show“-Welttournee 2010 sollte das Kapitel zu den Akten legen. Nun die kanzlermäßige Rolle rückwärts: Mr. Mick hat leidensfähige Kumpels wie Kenji Suziku (Gitarre), Bassist Steve Lewinson und das formidable Bläser-Duo Kevin Robinson (Trompete) / Ian Kirkham (Sax) reaktiviert, um Abschied vom Abschied zu nehmen. Gut so.

Denn bei aller Nostalgie liefert dieses beängstigend makellose 110-Minuten-Konzert eine mitreißende Retro-Show. Experimente? Fehlanzeige! Neu Songs? Überbewertet! Nein, die „Big Love“-Tour ist ein eleganter, cool inszenierter Streifzug durch den großen Simply-Red-Hitkatalog: Vom Opener „Holding back the Years“ bis zu dem unkaputtbaren „Harold Melvin & The Blue Notes“-Cover „If you don´t know me by now“ erlesener Soul-Pop.

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Mit dem trotzig in den Funk drängenden „Enough“ erhält das Konzert dann einen Kick, der es bis ins umjubelte Finale tragen wird. „A new Flame“ oder „The Right Thing“ (vom ´87-er Album „Men and Women“), vor allem aber die „Picture Book“-Kracher „Come to my Aid“ und „Money´s too tight (to mention)“ entwickeln live noch immer eine urwüchsige Kraft und einen Groove, zu dem Kirham, Robinson und co. ihre Soli besteuern dürfen. Hucknall selbst hat sich da längst freigesungen, mit dem Jackett die Handbremse abgelegt und jenen Straßenschmutz im Soul, der ihm ehedem den Titel „schwärzeste weiße Stimme des Pop“ einbrachte. Fazit: Triumphales Comeback, ein Füllhorn an Hits - und rundum glückliche Fans.

Quelle: op-online.de

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