Skandal bringt mysteriöse Taten in Erinnerung

Offenbach - Überraschende Wende im Fall der gesuchten Phantomtäterin, die unter anderem im April 2007 in Heilbronn eine Polizistin erschossen haben soll. Die Ermittler halten es nun für wahrscheinlich, dass es die Serienverbrecherin überhaupt nicht gibt.

Auch in Dietzenbach ließ die Nachricht aufhorchen, denn im Januar 2003 soll die „große Unbekannte“ dort bei einem versuchten Einbruch in ein Büro DNA-Spuren hinterlassen haben. Der spektakuläre Fall bringt in Erinnerung, dass auch im Rhein-Main-Gebiet die Jagd nach Phantommördern, die für beispiellose Bluttaten verantwortlich sein sollen, seit Jahren ohne Ergebnis verläuft. Schon wird gefragt: Sind auch bei der Verfolgung dieser Verbrechen schwere Fehler gemacht worden?

Frankfurt: Der grausame Mord an dem 13-jährigen Tristan in Frankfurt-Höchst gehört zu den größten ungelösten Kriminalfällen in Hessen. Tristan war am 26. März 1998 in einem Tunnel des Liederbachs nahe des Bahnhofs im Stadtteil Höchst getötet und bestialisch verstümmelt worden. Jetzt hat die Polizei ein erstes Phantombild des mutmaßlichen Täters veröffentlicht. Eine Spezialistin des Hessischen Landeskriminalamtes habe das Bild Ende 2008 mit neuen technischen Möglichkeiten auf der Basis der glaubhaften Zeugenaussage der vergangenen Jahre erstellt, heißt es. Die Ermittlungen mit dem Bild hätten bislang aber keinen Hinweis auf die Identität des Verdächtigen ergeben, daher werde jetzt öffentlich damit gefahndet. Bei den Recherchen hätten Zeugen immer wieder einen „Mann mit Zopf“ beschrieben. Nach dem etwa 1,75 Meter großen und hageren Mann sei bislang mit verschiedenen Personenbeschreibungen vergeblich gefahndet worden. Der Gesuchte - der damals 20 bis 30 Jahre alt gewesen sein soll - hat eine Narbe an der Oberlippe, möglicherweise eine Hasenscharte. Um das Phantombild zu erstellen, seien noch einmal die rund 360 Aktenordner mit mehr als 20 000 Hinweisen und Spuren durchgearbeitet worden. Noch immer gehen jedes Jahr sieben bis zehn neue Hinweise bei den Ermittlern ein (Fachkommissariat für Tötungsdelikte unter der Rufnummer 069/755-82 100).

Ober-Roden:Im Polizeipräsidium Südosthessen erinnert man sich in diesen Tagen auch an ein bis heute mysteriöses Gewaltverbrechen in Ober-Roden. Am 25.   März 1999 hatte eine Putzfrau in einem Haus in der Potsdamer Straße die grausige Entdeckung gemacht: Das Ehepaar Zohre und Claus Lange wurde erschlagen im Erdgeschoss beziehungsweise im Keller gefunden. Die Polizei verfolgte viele Spuren, aber ohne Ergebnis. 2000 wurde gefragt: „Musste das Paar sterben, weil Deutschlands meist gesuchter Verbrecher Dieter Zurwehme auf seiner Flucht zufällig durch Ober-Roden kam?“ Eine Nachbarin will ihn gesehen haben. Doch im Gegensatz zu anderen Taten hat er damals jede Beteiligung an dem Doppelmord abgestritten.

Babenhausen: Am 2. Mai 2002 wurde die damals 30-jährige Silke Schroth, geborene Sack, in ihrer Wohnung in der Friedrich-Ebert-Straße 8 tot aufgefunden. Da sich die Frau, wie die Polizei sagt, gegenüber der Außenwelt abgeschottet hatte und immer sehr vorsichtig war, geriet zunächst der Ehemann unter Verdacht; er bestreitet den Tatvorwurf jedoch. In einer gemeinsamen Erklärung von Staatsanwaltschaft und Polizei hieß es damals, dass den Ermittlungen zufolge ihr mehrere Fausthiebe und Schläge ins Gesicht und zahlreiche Schläge mit einem stumpfen oder stumpfkantigen Gegenstand zugefügt worden sein müssen. Das Tatwerkzeug blieb verschwunden. Der Fall wurde auch in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY ungelöst“ 2003 vorgestellt. 2006 wurden die Ermittlungen eingestellt.

Obertshausen: Unvergessen auch der Fall Lothar Zepter. Wurde er Opfer eines Gewaltverbrechens? Der Grafiker aus der Brüder-Grimm-Straße in Obertshausen verschwand in der Nacht zum Sonntag, 6. August 2000. Der Ehemann und Vater hatte eine Feier im Vogelsberg vorzeitig verlassen und wollte nach Obertshausen zurückkehren. Er ist jedoch nie zu Hause angekommen. Auch eine groß angelegte Suchaktion am darauf folgenden Montag brachte kein brauchbares Ergebnis: Eine komplette Hundertschaft der Bereitschaftspolizei mit einer Hundestaffel durchkämmte das Waldgebiet zwischen dem Obertshausener Bauhof und den Stadtteilen Offenbach-Bieber und Mühlheim-Lämmerspiel. Im Auto des damals 48-Jährigen wurde Blut entdeckt. Dank gentechnischer Analyse erhoffen sich die Ermittler Erkenntnisse. Das Rätsel konnte aber nicht gelöst werden.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare