Zunahme beim Trickdiebstahl

Skrupellose Schauspieler

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Bei zwei Juwelieren im Schwalm-Eder-Kreis ließen sich im April 2011 zwei Trickbetrüger Schmuckstücke zeigen und verpacken. Dabei klauten sie gezielt einige teure Stücke.

Darmstadt - Die Masche zieht häufig: Trickdiebe schlagen als falsche Wasserableser der Stadtwerke oder sogar als falsche Polizisten zu - in kleinen Gruppen oder großen Banden. Laut Landeskriminalamt ist die Zahl der registrierten Fälle in Hessen deutlich gestiegen. Von Joachim Baier 

2013 wurden 2645 Taten gemeldet. Zwei Jahre zuvor waren sie mit 1864 noch unter der 2000-Marke geblieben. Die Aufklärungsquote liegt bei unter 20 Prozent. „Die Dunkelziffer ist sehr hoch“, sagt Polizeihauptkommissarin Simone Stock (47), die in Darmstadt bei einer Beratungsstelle arbeitet, wie es sie in ganz Hessen gibt. „Die Täter sind auch schwer zu ermitteln“, sagt Stocks Kollegin, Kriminalhauptkommissarin Elke Schroth (53). „Sie sind gleich wieder weg.“ Nach Stocks Erfahrung „tingeln sie durch die Bundesländer. Von Hessen nach Rheinland-Pfalz und weiter nach Baden-Württemberg“.

Warum funktionieren diese Betrügereien noch immer? „Die Arglosigkeit der Leute wird ausgenutzt“, so Schroth. Vor allem ältere, allein wohnende Menschen vergessen demnach vor lauter Hilfsbereitschaft und Gutgläubigkeit leicht die Vorsicht - und schon stehen Trickdiebe in der Wohnung und suchen nach Geld. Eine Beute zwischen 20.000 und 30.000 Euro oder mehr ist nicht selten, da der Sparstrumpf daheim für viele noch dazugehört. Schmuck gibt es auch.

Alte Masche der falschen Polizisten

Die beiden Polizistinnen kennen die Masche der Trickbetrüger aus dem Effeff. Auch auf Parkplätzen wird gern getrickst, um an Beute zu kommen, mitunter durch einen vorgegaukelten Blechschaden am Auto. „Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt“, schildert Schroth. „Trickdiebe sind perfekte Schauspieler.“

Immer wieder kommt die alte Masche „falscher Polizist“ vor. „Den Leuten wird einfach eine selbst gebastelte Polizeikarte unter die Nase gehalten“, erzählt Schroth. „Oder einfach nur ne Marke, ein Blechding.“ Das Ziel ist immer dasselbe, ob in einer Wohnung oder draußen: Das Opfer ablenken - ein Komplize, der unbemerkt dazukommt, sucht nach Wertsachen oder luchst mit viel Fingerfertigkeit Geldscheine aus dem Portemonnaie.

Manchmal ist die Scham, mit einfachen Tricks übers Ohr gehauen worden zu sein, sehr hoch. „Opfer öffnen sich mitunter noch nicht einmal ihren Angehörigen“, berichtet Schroth, die allerdings mit ihrer Kollegin einige Tipps parat hat. Stocks Faustregel, wenn jemand an der Tür steht: „Keinen Fremden in die Wohnung lassen.“ Sich nicht weichklopfen lassen, sondern hart bleiben. „Selbst Kinder können Trickbetrüger sein.“ Am besten, die Eingangstür hat einen Spion und eine Kette. „Mitunter werden Trickbetrüger auch aggressiv“, weiß Stock aus Erfahrung. Bei einer Kette geht die Tür nur ein bisschen auf. „Da können die Täter keinen Fuß in die Tür setzen.“ Manche seien „schnell rabiat, die stehen dann gleich auf der Schwelle“.

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In einem ähnlichen Bereich wie dem der Trickdiebe arbeiten das Landeskriminalamt und die Verbraucherzentrale Hessen künftig enger zusammen: Die Kooperationsvereinbarung bezieht sich etwa auf überteuerte Schlüsseldienste und Rohrreiniger, auf falsche oder fliegende Handwerker, die Leute übers Ohr hauen. „Wir wollen uns über aktuelle Maschen auf dem Laufenden halten“, sagt die Sprecherin der Verbraucherzentrale, Ute Bitter. „Das ist ein besserer Schutz für die Bürger.“

dpa

Quelle: op-online.de

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