Kunst mit der Kettensäge

Frankfurt - Es dröhnt in den Ohren. Holzspäne fliegen umher. Johannes Große hält die Kettensäge fest in seinen Händen. Das Sägeblatt schneidet wie Butter in den Holzstumpf. Mit jedem Holzsplitter der zu Boden fällt, werden die Umrisse einer Eule deutlicher. Von Angelika Pöppel

Von den Federn bis zu den Augen: Der Frankfurter benutzt nur seine Kettensäge. „Ich war selbst erstaunt, wie genau man mit ihr arbeiten kann“, sagt Große. Der 22-Jährige zerkleinert mit der Kettensäge Holzstämme und Eisblöcke, er schafft daraus Skulpturen mit filigranen Details. Als Handwerker bezeichnet sich der Frankfurter aber nicht. „Handwerkliches Geschick ist wichtig, aber ich sehe mich als Künstler“, sagt Große.

Von der Kettensäge ist er fasziniert: „Es geht so wahnsinnig schnell und das Ergebnis kann sich sehen lassen.“ Außerdem sei es eine Herausforderung mit dem großen Gerät die Skulptur bis in das kleinste Detail zu bearbeiten. Wenn das Holz einreißt oder Große sich verschneidet, bessert er nicht nach. „Was ab ist, ist ab. Und bei Holz gehören Risse oder kleine Unebenheiten dazu.“ Ob er aus einer alten Autorückbank ein Sofa zimmert oder an seinem Motorrad schraubt, Johannes Große arbeitet gerne mit seinen Händen. Und trotz gefährlicher Kettensägen-Arbeit sind noch alle Finger dran. „Ich habe mich noch nie verletzt – zum Glück“.

Schon als Kind werkelte er in Fechenheim in der Werkstatt seines Großvaters. Damals bearbeitete er Stein. Mit 16 Jahren entwarf er seine erste Steinskulptur für ein Hochzeitspaar. Auf die Kettensägen-Nummer kam er nach einem Amerika-Urlaub. „Als ich die Schnitzer mit der Kettensäge gesehen habe, wollte ich es unbedingt selbst probieren“, sagt der Frankfurter.

Kettensägen-Schnitzen vor Publikum

Heute sind seine Skulpturen gefragt. Er arbeitet auf Auftrag, seinen größten bekam er vom Frankfurter Zoo: Ein zwei Meter großer Grizzlybär. „Tiere sind einfacher zu schnitzen. Wenn die Proportionen nicht ganz stimmen, fällt das nicht so auf, wie bei menschlichen Figuren“, erklärt Große. Seine Kunden bevorzugen Eulen, Spechte oder Adler für den Garten. Sie kosten 100 bis 2000 Euro, je nach Zeitaufwand. 35 Stunden nahm allein die Arbeit an dem menschengroßen Löwen, der in seiner Werkstatt steht, in Anspruch. Und deshalb leidet unter seinem Hobby auch ab und an das Studium. „Ich musste auch schon Aufträge absagen, wenn Klausuren anstanden,“ sagt Große.

Er studiert Materialwissenschaften. Doch das Kettensägen-Schnitzen soll auch nach dem Studium Hobby bleiben. „Ich kann mir vorstellen, später im Labor oder im Büro zu arbeiten. Als Ausgleich brauche ich aber handwerkliche Arbeit“, sagt er. Sein Können präsentiert der Student auch vor Publikum. Auf Weihnachtsmärkten in der Region oder zu Events schnitzt er auf öffentlichen Plätzen. „Ich zeichne nie vor, sondern lege einfach los. Vor Publikum muss es natürlich besonders schnell gehen.“ Nach Holz- und Eisskulpturen will Große in Zukunft neues probieren: „Ich will Holz mit Metal, Stein und sogar Plastik kombinieren.“ Privat hat der ungewöhnliche Künstler bodenständige Wünsche. Er will später ein eigenes Haus haben: „Das wird aber alles andere als gewöhnlich.“

Quelle: op-online.de

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